Lokale Wirtschaft

Hummel schwingt Kochlöffel künftig bei Golfclub

Schwäbische Kost und leichte Gerichte, zubereitet von Hans Hummel, wird es vom Beginn des kommenden Jahres an im Restaurant des Golfclubs Kirchheim-Wendlingen geben. Die Esslinger Gastronomie verliert damit eines ihrer Aushängeschilder, gehört doch die von Hans Hummel geführte Weinstube Eißele in Serach zu den besten Adressen der Stadt.

WENDLINGEN In Serach, so verspricht der Koch, geht es auch ohne ihn weiter. Ein neuer Pächter soll das Lokal in seinem Sinne führen. Mit seinem Konzept, auf schwäbische Tugenden zu setzen und auf jeden Firlefanz zu verzichten, landete Hummel in Serach einen Volltreffer. Vor 26 Jahren hat er das unscheinbare Lokal übernommen. Mit bodenständigen Speisen wie Maultaschen, Kartoffelsalat und Kalbsnierle erwarb er sich weit über die Kreisgrenzen hinaus einen Ruf, um den ihn viele Kollegen beneiden. Nicht zu vergessen die Gans-Saison, die ihm über Wochen hinweg eine Flut von Reservierungen beschert.

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Bei so viel Erfolg drängt sich die Frage auf, warum Hummel nach neuen Ufern strebt. "Ich suche eine neue Herausforderung", antwortet er. Mit 57 glaubt er sich längst nicht reif fürs Altenteil. Nur als Koch fühlt er sich in seinem Element. Wer ihn in der Küche erlebt, spürt seine Liebe zu seinem Beruf, den er gegen heftigen Widerstand des Vaters ergriffen hat. Als junger Kerl hat er sich heimlich von Deizisau nach Esslingen verdrückt, um in der Küche der Reichsstadt auszuhelfen. Werkzeugmacher? Hummel ist froh, dass er sich dem Vorschlag seines Vaters nicht gebeugt hat.

Hummels Begeisterung für den Golfsport, die er in den siebziger Jahren bei einem Irland-Aufenthalt entdeckt hat, ebnete ihm den Weg nach Wendlingen. Persönliche Beziehungen ließen ihn Gefallen finden an dem Gedanken, im Clubhaus zu kochen, dessen Angebot sich mit 150 Plätzen auch an die Öffentlichkeit richtet. In neuer Umgebung will Hummel, der in Deizisau wohnt, seinem Erfolgsrezept treu bleiben. Will heißen: Schwäbische Kost steht im Mittelpunkt. Ergänzt werden soll sie durch leichte Gerichte. Dass ihn die Esslinger ungern ziehen lassen, hört Hummel natürlich gern. Aber er wehrt sich auch gegen Versuche, die Folgen seines Weggangs zu überschätzen. "Ich verhandle mit Interessenten, die mein Haus in Serach pachten wollen", erzählt er. Noch bevor die Würfel gefallen sind, glaubt er seinen Stammgästen versprechen zu können, dass sich in der Weinstube Eißele nicht viel ändern wird. "Es bleibt bei der heutigen Einrichtung und der bewährten Speisekarte." Den Nachfolger will er rechtzeitig in die Geheimnisse der Maultaschen und Gänsebraten einweihen.

Auch das Zwiebelfest geht ohne einen seiner prominentesten Wirte in die nächste Runde. Hummel hat viel beigetragen, dass die Veranstaltung heute diesen Zulauf erfährt. Jetzt sagt er: "Ich konzentriere mich auf mein neues Lokal." Die Lücke auf dem Zwiebelfest soll sein Nachfolger schließen, der ab Februar oder März in Serach den Kochlöffel schwingt. Hummel erwartet einen reibungslosen Übergang.

Über die Krise der Esslinger Gastronomie, die mit seinem Weggang noch verschärft wird, mag der Meisterkoch am liebsten nicht reden. Er zieht sich auf allgemeine Aussagen zurück und befindet: "Die risikoscheuen Banken und die Vermieter mit ihren überzogenen Vorstellungen erschweren dieser Branche das Leben." Chancen, davon ist er überzeugt, gibt es nach wie vor. Als Beleg wählt er seine eigene Geschichte in Serach. Bei seinem Start hatte er alle Mühe, die Konzession für die Brauerei aufzutreiben. Als Geschäftswagen musste ein uralter VW dienen. Längst hat es Hummel zu etwas gebracht. Über neue Beispiele für solch gelungene Existenzgründungen würde er sich freuen.

ez