Lokale Kultur

„Hymne“ als Uraufführung

Benefizkonzert von „anima musica“ zugunsten der Teckboten-Weihnachtsaktion

Kirchheim. Der geistlichen Chormusik des 19. und 20. Jahrhunderts widmete sich der Neidlinger Frauenchor „anima musica“ im Rahmen seines Benefizkonzerts zugunsten der Teckboten-Weihnachtsaktion in der Kirchheimer Martinskirche.

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FLORIAN STEGMAIER

Unter der Stabführung des scheidenden Chorleiters Christian Vogt stand mit Schubert, Mendelssohn Bartholdy und Brahms gleich zu Beginn ein namhaftes musikalisches Dreigestirn auf dem Programm und ermöglichte insbesondere den Solistinnen Hilde Scheerer (Mezzosopran) und Evelyn Weidenhausen (Alt) ihre großen gesanglichen Qualitäten auszuschöpfen – so geschehen im Duett „Zion streckt ihre Hände aus“ aus dem Oratorium „Elias“.

Auch mit Pianist Martin Straub verbindet „anima musica“ eine intensive langjährige Zusammenarbeit. Umso erfreulicher, dass Martin Straub nicht „nur“ als versierter und anpassungsfähiger Begleiter fungierte, sondern das Konzert mit zwei Improvisationen am eigens in den Kirchenraum gebrachten Flügel inspiriert bereichern konnte. Spätestens mit Rossinis „La carità“ hatte sich auch die Feinabstimmung des Chores eingependelt, bevor mit Gabriel Faurés „Cantique de Jean Racine“ und der „Hymne à la vierge“ aus der Feder Gabriel Piernés Reiz und Reichtum der französischen Tradition in den Fokus genommen wurde.

Im Fall der „Hymne“ kamen die Hörer sogar in den Genuss einer deutschen Uraufführung. Nach sechsjähriger, trotz professioneller Unterstützung zunächst erfolglos verlaufener Recherche im In- und Ausland, war es Christian Vogt letztlich durch persönliche Kontakte gelungen, den Notentext zu eruieren.

Die Mühe hat sich hörbar gelohnt. Drei Lehrerpersönlichkeiten waren es, die Pierné zu prägen wussten: César Franck, Emile Durand und Jules Massenet. Gerade die Tonsprache des Letzteren blitzt in der „Hymne“ immer wieder auf, wenn sich subtiles klangbauliches Kolorit und affektbetonter, triumphaler Gestus in kompositorischem Handschlag üben.

Das modal gefärbte Idiom eines Michael Head, dessen „Ave Maria“ zur Aufführung kam, schlug eine anspruchsvolle Brücke ins Repertoire des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Wie nicht anders zu erwarten, begegnete sich hier die Fülle eines symptomatischen Stilpluralismus. Den vergleichsweise innerlich gehaltenen Kompositionen von Knut Nystedt­ folgten Werke von Sherry ­Porterfield und John Rutter. Musik, deren Popularität begründet liegt in einer handwerklich geschickten Verpackung von berückend schön daherwehenden Melodiefloskeln und einer pathetischen Sättigung, die den geistlichen Text in ergreifende, auch bedenkliche Nähe zur Filmmusik rückt.

Mit drei Vertonungen von Christian Vogt – darunter „Laudate Dominum“ und „Agnus Die“ als Uraufführungen – schlug das Pendel wieder zu einer textbezogeneren Umsetzung zurück. In geschicktem Spiel mit diversen Satztechniken gab Vogt dem liturgischen Text eine plastische Klanggestalt, machte dessen Spezifika im Sinne musikalischer Rhetorik für den Hörer erfahrbar.

Die sukzessive Entfaltung eines Klangraums, der sich im Hörerlebnis nach innen kehrt, war in der Darbietung des „Ave Maria“ von Siegfried Strohbach eindrücklich nachzuvollziehen. Eine klangliche Introspektion, die die Vielfalt des Gehörten noch einmal in sich zu sammeln schien. Für ein geistliches Konzert nicht nur ein passender, auch ein würdiger Schlusspunkt.