Lokale Kultur

"Ich sah die Bibel nicht, ich träumte sie"

DETTINGEN Von Montag, 30. Mai, bis Sonntag, 5. Juni, steht Dettingen ganz im Zeichen des russisch-französischen Malers und Grafikers Marc Chagall. "Bibelbilder" lautet der Titel der Ausstellung im Alten Gemeindehaus in Dettingen. Ergänzt wird die Präsentation der Kunstobjekte mit einer themabezogenen Veranstaltungs- und Vortragsreihe.

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Rund siebzig Original-Lithografien und Kunstdrucke sollen den Besuchern einen Einblick in die märchenhaft-mystische Malerei des 1887 in Russland geborenen Künstlers gewähren. Die Ausstellung setzt den Schwerpunkt in der illustrierten Ausführung des Alten Testaments, die der tiefgläubige Jude ausdrucksstark mit der impulsiven Kraft der Farben realisierte.

Im Jahr 1930 Chagall war zwischenzeitlich in Frankreich ansässig erhielt er den Auftrag, Illustrationen zur Bibel zu schaffen. Er empfand diese Order als Ansatz, "ein Fenster zur Bibel zu schaffen". Den Weg vom Bild, von der Kunst zur Bibel und zum Glauben zu ebnen. "Ich sah die Bibel nicht, ich träumte sie", meinte die künstlerische Persönlichkeit und setzte Visionen mit tiefem, geistigen Inhalt in äußerster Individualität in der Maltechnik und über die Strahlkraft der Farben um.

Marc Chagall, dessen Sehnsucht nach Glauben und das Anstreben des christlich-jüdischen Dialogs in seine Werke einflossen und sie prägen, sah in der Malerei "die Sinnlichste aller Künste" und ein starkes Ausdrucksmittel. In seinen letzten Lebensjahren erweiterte er sein Schaffensspektrum und widmete sich der Glasmalerei. Er schuf bedeutende sakrale Unikate. Kirchenfenster aus seiner Werkstatt beeindrucken unter anderem im Frauenmünster in Zürich oder in der Mainzer Sankt Stephanskirche.

Die Dettinger Chagall-Woche gemeinsam getragen vom "buchcafe one fishmart", dem Verein Kultur ecce und der Evangelischen Kirchengemeinde bietet zudem ein abwechslungsreiches Beiprogramm.

Mit einer Einführung in das Leben und Werk Marc Chagalls eröffnet Heiner Eberhardt aus Oberhof/Lahn am Montag, 30. Mai, um 19.30 Uhr den Veranstaltungsreigen. Der Mitarbeiter des Vereins "Bibelschule Klostermühle" ist ein ausgewiesener Experte, der sich schon seit vielen Jahren mit den menschlichen und göttlichen Botschaften in den Bildern des 1985 verstorbenen Malers Marc Chagall beschäftigt.

Am Dienstag, 31. Mai, ist die Ausstellung dann von 15 bis 18.30 Uhr geöffnet. Um 16 Uhr wird eine Führung angeboten und um 20 Uhr referiert Heiner Eberhardt unter dem Titel "Der Weg in das gelobte Land" über den Exodus-Zyklus von Marc Chagall.

Malutensilien sind am Mittwoch, 1. Juni, von all denjenigen mitzubringen, die sich von 16.30 bis 18 Uhr am Workshop "Kids & Kunst" für Kinder ab sechs Jahren beteiligen wollen. Eine Anmeldung werden im Buchcafe, in der Schulstraße 5 in Dettingen, unter der Nummer 0 70 21 / 57 17 65 entgegengenommen. Von 19 bis 22 Uhr sind Ausstellung und Cafe geöffnet, wobei um 20 Uhr wieder eine Führung angeboten wird.

Am Donnerstag, 2. und am Freitag, 3. Juni, ist die Ausstellung von 15 bis 18.30 Uhr geöffnet mit Führungen jeweils um 17 Uhr. Über das Thema "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir", spricht Heiner Eberhardt am kommenden Donnerstag ab 20 Uhr.

Am kommenden Freitag steht um 20 Uhr ein Konzertabend mit Cecilia Tempesta (Alt) und Jens Wollenschläger (Klavier) auf dem Programm der Marc-Chagall-Woche. Konzertkarten gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf im Buchcafe. Am Samstag, 4. Juni, beginnt um 20 Uhr unter dem Motto "Vom Bild zur Bibel" ein Workshop für Erwachsene. Auch hier sind Maluntensilien mitzubringen und Anmeldungen werden im Buchcafe unter der Rufnummer 0 70 21 / 57 17 65 entgegengenommen.

Den Abschluss der Chagall-Woche bildet dann am Sonntag, 5. Juni, um 10.30 Uhr ein "etwas anderer Gottesdienst" unter dem Grundgedanken "gemalte Worte".

mag