Kirchheim

„Ich will Konfirmanden sehen“

Pfarrer der Auferstehungskirche, Axel Rickelt; begleitet gerne Menschen

Französisch hatte Axel Rickelt nach der 11. Klasse abgewählt. Erst recht standen ihm auf dem Weg ins Theologiestudium ­Latein und Griechisch im Weg. Der Weg in den Pfarrdienst führte dann über einen Schlenker als Unternehmensberater. Nun ist Rickelt Pfarrer an der Auferstehungskirche.

Pfarrer Axel Rickelt vor seinem Pfarrbüro in der Auferstehungskirche. Foto: Peter Dietrich
Pfarrer Axel Rickelt vor seinem Pfarrbüro in der Auferstehungskirche. Foto: Peter Dietrich

Kirchheim. „Ich komme aus einer Flüchtlingsfamilie“, sagt Axel Rickelt. Seine Mutter stammt aus Rumänien, sein Vater ist als junger Mann aus der DDR geflüchtet. Die späteren vielen Umzüge machte nur noch sein älterer Bruder mit. Rickelt ist stationär auf der Ostalb aufgewachsen, in Steinheim am Albbuch, seine Frau Ulrike ebenfalls. Er engagierte sich dort in der Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde, machte in Heidenheim sein Abitur. Danach wollte er Biochemie studieren und hatte auch einen Studienplatz bekommen. Doch während des Zivildienstes in einem Freizeitheim des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg hat er es sich dann anders überlegt, wollte statt mit Reagenzgläsern doch lieber mit Menschen arbeiten.

Anzeige

Es folgte ein Selbsttest: Klappt das mit den alten Sprachen? „Das ging sehr gut“, erinnert sich Rickelt an das Sprachenkolleg, danach konnte er in Tübingen mit dem Theologiestudium beginnen. Er setzte es in Göttingen und ein Jahr lang in Chicago fort – Englisch hatte er als Leistungskurs gehabt. Nach der Rückkehr folgte die Heirat, das Vikariat führte Rickelt nach Ludwigsburg-Hoheneck. Doch so ganz sicher war er sich noch nicht: Wollte er wirklich 40 Jahre im Pfarrdienst sein? Er ließ sich beurlauben, um in Stuttgart in einer Unternehmensberatung zu arbeiten, war dort unter anderem für die Diakonie und das Kultusministerium tätig. Bald wusste er, dass er doch auf Dauer Pfarrer sein wollte. Nach knapp zwei Jahren kehrte er in den kirchlichen Dienst zurück, als Pfarrer zur Anstellung in Besigheim – auch wenn die Firma ihn behalten wollte.

Rickelt mag es, Menschen in Freude und Leid zu begleiten, vom kleinen Kind bis zum Tod. In Metterzimmern, einem Stadtteil von Bietigheim-Bissingen, war er zehn Jahre lang Pfarrer und Seelsorger für das stationäre Hospiz. Zu 25 Prozent war er Diakoniepfarrer des Kirchenbezirks, entwickelte den Kreisdiakonieverband weiter – wobei ihm seine Erfahrungen als Unternehmensberater halfen.

Mit einem geschäftsführenden Pfarramt übernimmt Rickelt in Kirchheim mehr Verantwortung, das ist gewollt. Doch er will trotzdem direkt mit Menschen arbeiten: „Ich will Konfirmanden sehen.“ Im Religionsunterricht ist er vorerst als Springer eingesetzt, übernimmt Vertretungen. Das hat er schon fast zehn Jahre lang gemacht, „von der 1. Klasse bis zur Inklusionsklasse und zur Abiturvorbereitung“. Diese Vielfalt zeigt sich im pfarramtlichen Bücherregal, in dem neben theologischen Wälzern auch Bibelbilderbücher stehen. Rickelts eigene Söhne Konstantin und Julius sind zwölf und neun Jahre alt.

„Ich trage die Breite der Landeskirche in mir und schätze sie auch“, sagt Rickelt. Er verbrachte den Anfang des Studiums im pietistisch geprägten Tübinger Albrecht-Bengel-Haus, war nach dem Studium ein Jahr lang am Lehrstuhl von Eberhard Jüngel tätig. Der Flügel im Pfarrbüro ist kein Inventar, sondern selbst mitgebracht, auch das CD-Regal verrät die Liebe zur Klaviermusik. Rickelt kocht gerne: „Wir sind ein Ehepaar, das sich auch in der Küche gut versteht.“ Die Rickelts sind gerne auf Reisen, nach früheren Fernreisen zu zweit nun mit den Kindern in Europa. „Mindestens einmal im Jahr nach Frankreich“, ist Rickelts Motto – weshalb er das abgewählte Französisch dann doch bedauert.

In Kirchheim will Rickelt in der fusionierten Kirchengemeinde die Profile und Stärken der einzelnen Standorte weiterentwickeln. Trotz der Flexibilität sollten aber die Menschen im Quartier wissen: „Zu dieser Kirche dort gehöre ich dazu.“ Als Jugendpfarrer der Gesamtkirchengemeinde koordiniert Rickelt ein Team von Hauptamtlichen. Beim Alter ist die Auferstehungskirche fast eine Punktlandung, Gebäude und Pfarrer trennt nur ein Jahr: Die Kirche wurde 1972 gebaut, Rickelt 1971 geboren.