Lokale Kultur

Illustre Versammlung erlesener Bildhauerarbeiten

KIRCHHEIM "In die Fußstapfen seines kunstsinnigen Vorgängers Hans-Peter Braun sei der Landrat des Kreises Esslingen, Heinz Eininger, getreten, stellte Professor Günther Wirth bei der Eröffnung der Ausstellung "Dreidimensional Plastiken und Skulpturen aus den Landkreisen in Baden-Württemberg 1960 2004" in den Räumen des Esslinger Landratsamtes fest. Esslingen ist die siebte und letzte Station dieser Wanderausstellung, die dort noch bis Dienstag, 10. Mai, zu besichtigen ist.

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HEINZ BÖHLER

Gezeigt werden im Landratsamt 72 Arbeiten von 69 Künstlern, die in Baden-Württemberg ansässig waren, gelehrt oder gearbeitet haben. Zusätzlich wird die Ausstellung am Samstag, 23. April, und am Sonntag, 24. April, von 14 bis 17 Uhr geöffnet sein.

Landrat Heinz Eininger war sichtlich erfreut, dass die Einladung zur Vernissage einen so riesigen Anklang gefunden hatte und er neben dem Präsidenten des Landeskreistages, Landrat Dr. Jürgen Schütz, dem Vertreter des Hauptsponsors der Ausstellung Kreissparkassendirektor Willy Rossbach auch einige Kreisräte und viele der ausstellenden Künstler begrüßen konnte. "Sie, liebe Künstlerinnen und Künstler, sind Hauptbetroffene der Kürzungen im kulturellen Bereich", zeigte sich Landrat Eininger der problematischen Situation wohl bewusst, in die die Kunstschaffenden des Landes durch die massiven Steuermindereinnahmen der öffentlichen Hände gelangt sind. Er betonte, dass die Bewahrung zeitgenössischer Kunst aus dem Südwesten Deutschlands und die Nachvollziehbarkeit ihrer Entwicklungsgeschichte Kontinuität und eine ständige Beobachtung der Kunstszene erfordere. Heinz Eininger wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung eines "zentralen kulturellen Auftrages der Landkreise" hin, dem der Kreis Esslingen durch seine "sehr dichte kommunale Infrastruktur von Museen und Galerien" ebenso in besonderem Maße gerecht werde, wie durch die Fortführung des Aufbaus einer Kunstsammlung, die Werke von Künstlern aus dem gesamten deutschen Südwesten enthalte. Sein besonderer Dank für das Zustandekommen der Ausstellung galt seinen Mitarbeitern, die "unter Einsatz ihres Lebens" dafür gearbeitet hätten. Er erinnerte daran, dass eine umstürzende Stellwand beinahe eine Mitarbeiterin unter sich begraben hätte.

"Raum ist eigentlich der Weltraum", wandte sich Professor Wirth in seiner Einführung gegen die Relativierung eines Kunstwerkes zu dem umgebenden Raum, dessen Bedeutung er für völlig "überzogen" hält. "Das plastische oder skulpturale Werk selbst ist weit wichtiger, als dessen räumlicher Bezug." Eine Skulptur oder Plastik müsse mit der Kraft ihrer eigenen Ausstrahlung wirken. Günther Wirth lobte die Kunstpolitik der Kreise und besonders die Arbeit des Kunstbeirates des Kreises Esslingen, dessen Blick auf das ganze Land Baden-Württemberg als Kunstregion die Käufe nicht auf dessen Grenzen reduzierten, sondern Arbeiten der "Fülle von Talenten, die seit Kriegsende im Südwesten heranwuchs", sowie deren Schüler und Studenten, schon früh mit einbezogen hatte.

"Diese Sicht ist, sowohl kunsthistorisch als auch zeitgenössisch betrachtet, völlig richtig", wertete Professor Wirth, der zu jedem der 72 Kunstwerke etwas zur Entstehung anmerkte und auch alle 69 Bildhauer würdigte. Künstler, wie etwa Horst Antes, Jürgen Brodwolf, Markus Lüpertz oder Otto Herbert Hajek konnten sich auch weit außerhalb der Landesgrenzen einen Namen machen.

Ein Besuch der Ausstellung im Landratsamt in den Esslinger Pulverwiesen zu der auch ein interessanter Katalog erschienen ist lohnt auf jeden Fall: Soviel erlesene Bildhauerarbeiten auf einem Fleck besichtigen zu können, ist eine Gelegenheit, deren Wiederkehr so bald nicht zu erwarten sein wird.