Kirchheim

Im akustischen Himmel

„Sing Out Chor“ führt die Messe in D-Dur von Antonín Dvorák in Kirchheimer Kirche Sankt Ulrich auf

Der Kirchheimer „Sing Out Chor“ zieht das Publikum in der Sankt Ulrichs Kirche in seinen Bann.Foto: Markus Brändli
Der Kirchheimer „Sing Out Chor“ zieht das Publikum in der Sankt Ulrichs Kirche in seinen Bann.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Etwas war anders an diesem Konzert am letzten Wochenende am Samstag und Sonntag in der katholischen Kirche Sankt Ulrich. Und das lag nicht nur daran, dass der Chor ungewohnt schwarz ohne die bekannten roten Accessoires auftrat. Vielmehr war schon der Ort ungewohnt für ein Konzert des „Sing Out Chores“ – eine Kirche? Mit dem Programm vor Augen löste sich alsbald das Rätsel: der Chor führte unter anderem ein großes, zusammenhängendes Werk auf.

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Seit den Liebes- und Zigeunerliedern von Brahms war eine geraume Zeit mit viel Veränderung ins Land gegangen. So entschied sich der Chorleiter Bernd Reichenecker für die Messe in D-Dur op. 86 vom tschechischen Meister Antonín Dvořák in der Originalfassung für Chor, Soli und Orgel. Diese Messe, in der Dvořák sein eigenes musikalisches Glaubensbekenntnis, geprägt vom Wunsch nach Frieden, zum Ausdruck bringt, war ein Auftragswerk seines Mäzen Hlávka.

Mit dem „Alleluia“, einem Arrangement von Gordon Young, machte der Chor deutlich, was den Zuhörer an diesem Abend erwartet. Ein derart homogener, warmer und weicher Chorklang, ein Chorleiter der mit minimalsten dirigentischen Gesten einen dynamischen Spannungsbogen vom leisesten Pianissimo bis zum begeisternden Forte erzeugte, wie das Spannen einer Bogensehne, jagte dem Publikum ganze Gänsescharen auf den Leib und so manches Taschentuch war kurz vor dem Einsatz.

Nach der Begrüßung durch Pax Christi (die internationale katholische Friedensbewegung, Gruppe Kirchheim) stimmte der Chor ein Taizé-Lied an, in welches das Publikum einstimmte, und erklomm dabei singend die Empore. Von dort aus und mit dem souveränen Orgelspiel des katholischen Dekanatkirchenmusikers Thomas Specker war der Höhepunkt des Abends erreicht: Die Messe Dvořáks. Die Männerstimmen bildeten ein stabiles Fundament, auf das die Frauenstimmen manchmal etwas schüchtern aufbauten. Vom schwebenden Kyrie über das energiegeladene, in Fugenform verarbeitete Christe eleison, dem folgenden jubelnden Gloria folgte das Credo, das im Mittelpunkt der Messe steht. In allen Teilen der Messe strahlten die Solisten aus den Reihen des Maulbronner Kammerchores: Die glockenhelle Sopranistin Ilka Hüftle, die warmtönige Altistin Dorothea Gölz-Most, der Tenor Felix Schultz mit einer auffälligen Klangfärbung und der sonore Bass Frieder Weckermann.

Alle Mitwirkenden zogen mit den wundervollen Harmonien Dvořáks das Publikum in ihren Bann. Kleine Unsicherheiten in den Frauenstimmen, insbesondere des Soprans, was die Einsätze und Intonation anbetraf, gerieten schnell in Vergessenheit, zu groß war die sängerische Leistung im Blick des Ganzen. Und wäre das Publikum nicht gebeten worden, keinen Beifall zu spenden, wäre dieser sicherlich nach der inständigen Bitte um Frieden, dem Dona nobis pacem aus dem Agnus Dei, aufgebrandet. Mit Texten, die zum Nachdenken anregen sollten, wurden während der Messe kleine Zäsuren eingebaut, was leider eher störend wirkte. Als letztes Lied stimmten die Solisten nach wie vor von der Empore einen vierstimmigen Satz von Felix Mendelssohn Bartholdy an: „Verleih uns Frieden“ und überließ dem Chor, der wieder unten Aufstellung genommen hatte, dessen Vollendung.

Mit einem humorvollen Schlusswort und endlich jubelndem Beifall endete ein unerwartet eindrucksvolles Konzert des „Sing Out Chores“ mit seinem wunderbaren Chorleiter Bernd Reichenecker – von dem man hoffentlich immer wieder Werke dieser Größenordnung und Intensität erleben darf.