Lokale Kultur

Impulse zu eigenen Entdeckungen

„Was ist Kunst?“ lautet das Motto der aktuellen Schulkunstausstellung im Kirchheimer Kornhaus

Kirchheim. „Was ist Kunst?“ – unter diesem Motto steht die aktuelle Schulkunstausstellung im ersten Obergeschoss des Kirchheimer

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Florian stegmaier

Kornhauses, die in diesem Jahr von Schülern des Ludwig-Uhland-Gymnasiums bestritten wird. Die im Titel formulierte Frage ist freilich unerschöpflich. Sie verlangt nicht nach korrekten Antworten, sondern fordert zu individuellem, kreativem Reagieren auf und versteht sich somit als ein zündender Katalysator für Vielfalt, Originalität und Reichtum der Variation. Qualitäten, die in der Ausstellung mehr als deutlich werden.

In seiner Begrüßung zur Ausstellungseröffnung betonte Schulleiter Dr. Andreas Jetter, dass – entgegen des allgemeinen Trends – am Ludwig-Uhland-Gymnasium den musischen Fächern „allerhöchste Bedeutung“ zugemessen werde. Die Wichtigkeit künstlerisch-kreativer Unterrichtsfächer für die kognitive Entwicklung sei noch nie so umstritten gewesen, wie in der Gegenwart.

Andreas Jetter verwies jedoch auf deren hinlänglich bewiesenen positiven Auswirkungen auf die Leistung in anderen Fächern. Ebenso schule die Auseinandersetzung mit Bildender Kunst die für eine Informations- und Mediengesellschaft notwendigen Schlüsselkompetenzen: „Kunsterziehung fördert wie kein anderer Fachbereich das Hinterfragen und Aufbrechen alter Seh- und Denkgewohnheiten, das Finden neuer und das Tolerieren ungewohnter Sichtweisen“. Erfreut zeigte er sich auch darüber, dass der Fachbereich Kunst nun in einem eigenen Stockwerk mit drei neuen Räumen und einem Keramik-Brennraum mit Materiallager untergebracht sei und somit seit letztem Schuljahr architektonisch „über allem throne“. Der Stadt Kirchheim sprach er hierfür noch einmal seinen herzlichen Dank aus.

Auch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker war sich sicher, dass diese aufwertende bauliche Investition dem gesellschaftlichen Anspruch an die Kunst gerecht werde und charakterisierte die Schulkunstausstellung bereits als deren sichtbare werdende Bestätigung. Für die Fachschaft Kunst begrüßte Jochen Klemmer das Vernissagepublikum. Im Kunstunterricht stellten seine Kollegen und er oftmals eine hohe Leistungsbereitschaft seitens der Schüler, gar eine regelrechte „Leidenschaft bei der Arbeit“ fest, berichtete Klemmer. Die schmeichelhafte Erklärung, dieser Befund rühre ausschließlich vom kunstpädagogischen Engagement her, ließ er jedoch nicht als ausreichend gelten. Er verwies vielmehr auf die große inhaltliche Freiheit des Lehrplans im Fach Bildende Kunst und die damit verbundenen anregenden Möglichkeiten zum Experimentieren mit den unterschiedlichsten Materialien und Ausdrucksformen.

„Einen authentischen Selbstausdruck herstellen zu können, kann eine Erklärung für die Begeisterung der Schüler sein“, legte Klemmer dar. Die schöne Idee, die Vernissage mit sogenannten „live-speakern“ zu bereichern – Schülerinnen und Schüler standen den Gästen auf Wunsch mit Ausführungen zu ihren Projekten zur Verfügung – mag dies handfest unterstrichen haben. Auch der Umgang mit der mächtigen und allgegenwärtigen Bildsprache will Klemmer zufolge gelernt sein: „Bilder können informieren, verwirren, ängstigen. Bilder selber herstellen kann aber beruhigen, lösen, sogar heilen“.

Den Ausstellungsbesucher erwartet eine harmonische Fülle, die ihm dank der freilassenden Anordnung thematischer Gruppen nichts systematisch vorgeben möchte, sondern Impulse zu eigenen Entdeckungen und Assoziationen anbietet.

So begegnen organische, aus Draht gefertigte Körperfragmente, die in Anlehnung an Louise Bourgeoise entstanden. Ein anderes Mal spürten die jungen Künstler der „Linie als Bewegungsspur“ sowie „Punkt, Strich, Linie und Fläche“ als elementare Bildparameter nach. Die dramatische Dichte von Rubens „Höllensturz“ zeigt den Weg vom bloßen Ausschnitt zum autonomen, von Farb- und Formveränderungen gestützten Bild. Stationen der Holzschnittpassion Albrecht Dürers dienten als Ausgangspunkte für räumliche Bühnensituationen, die in Schaukästen das künstlerische Arbeiten aus der Fläche heraus in den Raum hi­nein vor Augen führen.

„Raum sehen – im Raum stehen“ ist eines der Leitmotive im prägnant vertretenen Bereich der Architektur. Für die Aufgabenstellung einer „illusorischen Architektur“ bot sich der Turmbau zu Babel an. Und selbstverständlich spiegelt sich auch der Blick aus den neuen Kunsträumen des LUG in etlichen Arbeiten der Schüler wider.

Die Schulkunstausstellung des Ludwig-Uhland-Gymnasiums „Was ist Kunst“ ist im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus bis einschließlich Sonntag, 1. November zu sehen.