Lokale Wirtschaft

In der alten Werkstatt schnattert und surrt es wieder

Hans-Peter Kromer hat in Schlierbach die mechanische Werkstatt seiner Vorfahren liebevoll restauriert. Alle Werkzeuge und Maschinen sind noch voll funktionsfähig. Über einen Zentralmotor mit Transmissionsriemen können die alten Gerätschaften sogar gleichzeitig laufen.

BORIS-MARC MÜNCH

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SCHLIERBACH Vor fast hundert Jahren hatte Christian Kromer seine mechanische Werkstatt eingerichtet. Als Hans Dampf reparierte er alles, was sich dreht, bewegt und noch vieles mehr: Fensterläden, Gartenzäune, Landmaschinen, Haushaltsanschlüsse. Er schliff die Messer und Sensen der Bauern und schmiedete das Eisen.

Hans-Peter Kromer zeigt gerne, wie es in der alten Schlosserei zuging. Wenn er sich an den Schleifbock setzt, die schwere Bohrmaschine betätigt oder die Spannwerkzeuge für alte NSU-Motoren vorführt. Sämtliche Werkzeuge sind über dicke Transmissionsriemen miteinander verbunden und werden von einem Zentralmotor angetrieben. Kromer kann die Maschinen gleichzeitig laufen lassen. Dann brummt, schnattert und surrt es nur so in der alten Werkstatt. "Es funktioniert alles noch wie damals", sagt Kromer, der gleich nebenan ein Auto- und Zweiradgeschäft besitzt und die Tradition in der dritten Generation fortsetzt.

Wer weiß noch, was eine Schneidklubbe ist? Mit diesem Spezialwerkzeug kann man Gewinde schneiden. Christian Kromer, lange Jahre Wassermeister der Gemeinde Schlierbach, setzte die Klubbe bei der Arbeit an den Wasserleitungen ein.

Als in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Trend mit den Motorrädern aufkam, wollte Christian Kromer dabei sein und verkaufte NSU- und DKW-Fabrikate. "Er war damals einer der größten Motorradhändler in der Region", erzählt Hans-Peter Kromer.

1966 eröffneten die Kromers ein Auto- und Reparaturgeschäft. Denn: "Die Geschichte mit den Motorrädern war tot." Die Kromers verkauften und vermittelten Loyds, Gogos und BMW. Die Fahrzeuge standen auf dem Hof, denn einen Verkaufsraum gab es damals noch nicht. Außerdem betrieben die Kromers eine der ersten Tankstellen im Kreis, wie Hans-Peter Kromer betont. Die alte Mopedtankstelle in der Werkstatt ist ein stummer Zeuge: Ein fahrbarer Kraftstoffbehälter mit Zapfhahn. Die Kromers verkauften außerdem Nägel und Schrauben und betrieben daneben noch einen Schlüsseldienst. Bis 1989 war die alte Werkstatt noch in Betrieb: Kromer senior richtete für die Jugend am Ort gerne Fahrräder und Mopedle. Wenn einer 'mal kein Geld in der Tasche hatte, meinte der Senior nur: "Dann goahscht halt". Und es gab noch ein paar Bonbons mit auf den Weg.

Die alte Werkstätte können Schulklassen gerne besichtigen, meint Hans-Peter Kromer.