Lokale Kultur

„In memoriam Thomas Arnold“

Gedenkkonzert für den langjährigen Leiter der Kirchheimer Musikschule

Kirchheim. Der Zuhörerstrom brachte das Fassungsvermögen der Kirchheimer Schlosskapelle an seine Grenzen: Das von der Kirchheimer Musikschule und dem vhs-Kultur­ring ausgerichtete Gedenkkonzert „In memoriam Thomas Arnold“ stieß bei breiten Schichten des regionalen wie auch überregionalen Kulturlebens auf rege Resonanz.

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Dem Pianisten, Kammermusiker und langjährigen Leiter der Kirch­heimer Musikschule, der im selben Saal im Mai vergangenen Jahres mit einem Klavierabend solistisch brillierte und im August bei einem tragischen Bergunfall in den Schweizer Alpen zu Tode kam, gedachte das Kollegium der Musikschule mit einem stilistisch bewusst breit gefächerten Programm.

„An das Musizieren stellte Thomas Arnold stets hohe Ansprüche“, erinnerte Musikschulleiter Urs Läpple zu Beginn an den Verstorbenen und gab zugleich seiner Hoffnung Ausdruck, mit dem musikalischen Gedenken dieser Erwartungshaltung gerecht werden zu können.

Angesichts der hohen Qualität der konzertanten Beiträge darf mit Recht vermutet werden, dass sich diese Hoffnung erfüllen konnte. Hans-Peter Weymüllers geschmackvoller Vortrag von Egberto Gismontis „Agua e vinho“ bildete einen reizvollen, bitter-süßen Auftakt, an den sich das bemerkenswerte „1999 Nocturne“ von Azarashvili anschloss, dessen kraftvoller, wie auch innerlicher Kantilene Violinistin Petra Klausmann und Maka Kasradze am Klavier empathisches Profil verliehen.

Der Moderne blieb auch Johannes Stortz verpflichtet, der von Moira Muschalla begleitet das Concertino für Posaune und Klavier aus der Feder von Lars-Erik Larsson zum Besten gab. Die markanten Charaktere der dreisätzigen zyklischen Anlage zeichneten beide Musiker mit großer Plastizität nach: rhapsodische Gesten im Präludium, lyrische Gesanglichkeit der Aria und jugendlicher Überschwang im finalen Allegro giocoso.

Mit ihrer sensiblen Deutung des ersten Satzes aus Carl-Maria von Webers Trio für Flöte, Klavier und Violoncello in g-Moll op. 63 tauchten Annegret Kepp, Besso Namcheradze und Urs Läpple in eine ernste, dramatisch durchpulste Stimmung ein, bevor Saxofonistin Tanja Heinkel mit Barry Cockcrofts „Beat Me“ eine virtuose solistische Erkundung der perkussiven Möglichkeiten sowie des mehrstimmig eingesetzten Obertonspektrums ihres Instruments antrat, die der ersten Konzerthälfte zu einem glanzvollen Schlusspunkt verhalf.

Hartmut Premendra Mayer entfaltete mit dem Präludium, der Sarabande und Gigue aus Bachs G-Dur-Suite für Violoncello solo eine reiche Klangwelt, die bei aller Nüchternheit und Strenge des Tonsatzes eine universelle Ausdruckskraft besitzt. Vollmundig, mit leidenschaftlichem Pathos getränkt kredenzte Hartmut Mayer Gaspar Cassados „Requiebros“ für Cello und Klavier, das der Komponist seinem Lehrer Pablo Casals gewidmet hatte.

Nicht nur Gustav Mahler verhalfen Hans Bethges Chinoiserien einst zur Inspiration. Auch zeitgenössische Komponisten schätzen noch immer dessen fernöstliche Nachdichtungen. Gertrud Junker brachte die Bethge-Vertonung „Abend auf dem Fluss“ zu Gehör, die dem Zyklus „Lieder für eine singende Flötistin“ von Christian Schomers entnommen war und machte mit ihrem wunderbaren Vortrag die karge Ästhetik und herbe Schönheit dieser an ostasiatischen Idealen ausgerichteten Komposition erfahrbar.

Ein geradezu sprühendes, von barocker Motorik impulsiertes Kaleidos­kop musikalischen Ideenreichtums entrollten Regina und Takashi Otsuka mit der fulminanten Passacaglia für Violine und Viola von J. Halvorsen, der ein Thema Georg Friedrich Händels zugrunde liegt.

Fraglos war es ein gelungener Griff, ein Werk von Wolfgang Amadeus Mozart an den Schluss zu setzen. Das zeitlos klassische Ebenmaß des Wiener Meisters schien noch einmal sämtliche Facetten der Musik zusammenzufassen. Moira Muschalla, Regina Otsuka, Xaver Paul Thoma und Urs Läpple verliehen dem Kopfsatz des Klavierquartetts Es-Dur KV 493 eine mustergültige, vital funkelnde Gestalt. Es folgte ein langer, herzlicher Applaus für alle Beteiligten dieses musikalisches Gedenkens.