Kirchheim

Individuelle Wünsche werden immer weniger berücksichtigt

Schulen Kirchheim stellt die Grundschulen nach und nach auf den Ganztagsbetrieb um. Die größtmögliche Flexibilität ist dann nicht mehr gegeben. Von Andreas Volz

Symbolbild: Jean-Luc Jacques

Die Stadt Kirchheim rechnet mit steigenden Schülerzahlen. Aber nicht nur die Zahlen ändern sich, auch die Angebote: Der Ausbau der meisten Grundschulen zu Ganztagsschulen soll in Kirchheim 2018/19 abgeschlossen sein. Trotzdem - oder gerade deshalb - lasse sich nicht jeder Elternwunsch nach flexiblen Betreuungsmodellen erfüllen. Das war der allgemeine Tenor von Stadtverwaltung und Gemeinderat, als Michaela Göhler-Bald, die Leiterin der Abteilung Bildung, im Gremium die Schulentwicklungsplanung vorstellte.

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Waren im Schuljahr 2006/07 noch 6 130 Schüler in Kirchheim zur Schule gegangen, ist diese Zahl zum Schuljahr 2016/17 auf 4 996 gesunken. „Die Zahl wird aber wahrscheinlich wieder ansteigen“, stellte Michaela Göhler-Bald fest. Unabhängig davon bringe aber die Umstellung der Grundschulen auf Ganztagsschulen erhebliche Kosten mit sich, weil mehr Räume erforderlich sind. Im September sollen die Eduard-Mörike-Schule und die Konrad-Widerholt-Grundschule zu Ganztagsschulen werden. 2018/19 folgen die Freihof-Grundschule und die Alleenschule. Damit sei die Umstellung abgeschlossen - von drei Ausnahmen abgesehen: Nabern, Schafhof und Teck-Grundschule. Letztere befindet sich noch im Aufbau.

Auf dem Schafhof gebe es im neuen Schuljahr wieder eine komplette 1. Klasse, sodass es keinen jahrgangsübergreifenden Unterricht mit Klasse 2 mehr braucht. Ein ähnliches Bild ergibt sich an der Alleenschule, wo es an der Werkrealschule eine komplette 5. Klasse gibt. An der Raunerschule sei eine „gute Drei-Zügigkeit“ in der Gemeinschaftsschule gegeben.

Ein großes Thema ist die Digitalisierung an den Schulen. Die Stadt Kirchheim hofft darauf, dass dafür Fördergelder des Bundes über die Länder an die Kommunen weitergegeben werden. Sie rechnet aber damit, dass trotzdem noch erhebliche eigene Mittel für die Digitalisierung aufzuwenden sind.

Ähnliches gilt bei der Schulsozialarbeit: Wegen der Kosten ist noch nicht über den Antrag der Schulen aus Jesingen und Nabern auf eine gemeinsame 50-Prozent-Stelle für die Schulsozialarbeit entschieden worden. Diese Entscheidung steht erst bei den Haushaltsberatungen für 2018 an.

Bei der Schulsozialarbeit hakte CDU-Stadtrat Klaus Buck ein: „Da ist es wie mit der Ferienbetreuung - lauter wichtige Dinge, zu denen wir aber nicht verpflichtet sind. Das sind Zusatzleistungen.“ Auch beim Wunsch nach flexiblen Betreuungszeiten stellte er fest: „Wir können nicht jeden individuellen Bedarf befriedigen.“

Seinen Vorschlag, für die Schulsozialarbeit einen Mitarbeiter-Pool zu bilden, aus dem heraus dann eben auch Jesingen und Nabern betreut werden könnten, erteilten andere im Ratsrund eine klare Absage. Eva Frohnmeyer-Carey (Frauenliste): „Schulsozialarbeit hat mit Beziehungen und Vertrauen zu tun. Das lässt sich nicht beliebig austauschen.“

Auch für Tonja Brinks (SPD) ist eine Pool-Lösung für die Schulsozialarbeit kein gangbarer Weg. Bei den flexiblen Betreuungszeiten sieht sie ein Dilemma der Stadt Kirchheim: „Wir gehen jetzt weg von einem hohen Niveau, auf dem wir einst eingestiegen waren.“

Grünen-Stadtrat Manfred Machoczek erkennt ebenfalls das Problem, dass sich nicht jeder Elternwunsch erfüllen lässt. Andererseits sollte die Ganztagsschule nicht allen übergestülpt werden: „Halbtags zu arbeiten und das Kind deswegen auch nur den halben Tag betreuen zu lassen, ist ein legitimer Elternwunsch.“

Ralf Gerber (Freie Wähler) prangerte an, dass die Landespolitik ständig neue Forderungen aufstelle. Er hat dazu eine klare Haltung: „Ich bin für alles zu haben - aber nicht dafür, dass Kirchheim immer für alles bezahlt.“

An diesem Punkt schaltete sich auch Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker ein: „Wir können nicht alles finanzieren, was Eltern fordern - auch wenn es individuell noch so berechtigt sein mag.“ Schulleitungen würden die ganz große Flexibilität übrigens aus pädagogischen Gründen ablehnen. Ohnehin werde es in fünf Jahren die Ganztagsbetreuung an allen Schulen geben: „Acht Stunden am Tag, vier Tage die Woche.“