Lokale Kultur

Informationen über den buddhistischen Weg

KIRCHHEIM Informationen über das Thema "Der buddhistische Weg" stand im Mittelpunkt eines Vortrags- und Meditationswochenendes, den der Verein "Kagyu Samye Dzong" im tibetisch-buddhistischen Zentrum in der Alleenstraße 18 in Kirchheim stattfand. Den Auftakt bildete ein Vortrag, in dem Hanna Hündorf den Weg und die Möglichkeiten des tibetischen Buddhismus schilderte, wobei insbesondere die Karma-Kagyu-Schule im Vordergrund stand, der auch das örtliche Zentrum angehört. Die Referentin skizzierte zunächst ihren eigenen Weg nach und in Samye Ling, dem tibetischen Kloster in Schottland, dem das hiesige Zentrum angegliedert ist und dem sie vor 25 Jahren beitrat.

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Hanna Hündorf gab einen Abriss über die Entstehung des Buddhismus und seine Erscheinungsweisen in den verschiedenen Ländern und Kulturen, wobei sie darauf hinwies, dass heute erstmals in der Geschichte mehrere unterschiedliche Formen des Buddhismus innerhalb eines Landes gelebt werden, während sich früher die verschiedenen Ausprägungen scharf regional abgrenzten.

In der gebotenen Kürze erläuterte Hanna Hündorf die Grundlage der buddhistischen Philosophie anhand der sogenannten "Vier Edlen Wahrheiten": Die erste der Edlen Wahrheiten besagt, dass alle weltlichen Erfahrungen letztendlich unbefriedigend und leidvoll sind. Die zweite zeigt auf, dass es eine Ursache hierfür gibt: das Begehren und Habenwollen. Die dritte sagt aus, dass das Leiden beendet werden kann, indem das Begehren aufgegeben wird. Die vierte dieser Wahrheiten weist den Weg zur Beendigung des Leidens und handelt von der Kombination von ethischem Verhalten und Meditationspraxis, die gemeinsam helfen, den eigenen Geist zu schulen und so dauerhaft Glück zu finden.

Hanna Hündorf erklärte, dass Buddhismus als Wissenschaft über den Geist verstanden werden kann und betonte die Bedeutung von eigenem kritischen Nachdenken und eigener Erfahrung, wenn auf dem Weg des Buddhismus Fortschritte erzielt werden sollen. Wer Buddhismus ernsthaft praktizieren möchte, unterzieht sich nach einer Phase des Kennenlernens und Ausprobierens einer "Zufluchtnahme"-Zeremonie bei einem erfahrenen Meditationslehrer. Erst nach einer längeren Zeit eigener Praxis erfolgen Unterweisungen und Einweihungen in verschiedene Praktiken oder Rituale, wie etwa die "Pujas".

Ein weiterer wichtiger Punkt der "Wegstrecke" ist das Ablegen des Bodhisattva-Gelübdes, in dem man verspricht, so lange nicht zu ruhen, bis alle Wesen Befreiung vom Leid erreicht haben. Im Wesentlichen bestehen zwei Hauptmethoden der Meditation: zum einen "Mahamudra" hier wird der Geist direkt beobachtet. Zum anderen konkret vorgegebene Praktiken, bei denen man geistige Erkenntnis durch sogenannte "geschickte Mittel" erreicht, wie Visualisierung und Rezitation. Kurze Erwähnung fanden auch andere buddhistische Schulen.

In ihrer ruhigen, freundlichen Art gestaltete Hanna Hündorf ihren Vortrag humorvoll und lebendig und ging gerne auf Fragen aus dem Publikum ein. Umrahmt wurde die Veranstaltung von in tibetischer Sprache gesungenen Gebeten, die ihren eigenen Reiz auf die Zuhörer ausübten. An den beiden folgenden Tagen führte Hanna Hündorf ganz konkret in die Meditation der Grünen Tara ein, die die Entwicklung von Liebe und Mitgefühl für alle Wesen unterstützen und Schutz gewähren soll. Die Teilnehmer des Meditationskurses lernten viel über die Bedeutung des tibetischen Originaltextes, wie dieser zu rezitieren oder zu singen ist, welche Visualisierungen und Gesten idealerweise dazu ausgeführt werden können, oder auch, an welchen Stellen der Puja Musikinstrumente zum Einsatz kommen.

Den Abschluss des Kurses gestalteten die Teilnehmer selbst, indem sie gemeinsam die Puja durchführten. Sie fühlten sich gut durch die komplexe Struktur des Rituals geführt und waren berührt durch dessen Kraft. Für das Frühjahr 2007 plant das tibetisch-buddhistische Zentrum Kagyu Samye Dzong in Kirchheim eine größere Veranstaltungsreihe mit einem Tag der offenen Tür, Vorträgen und Einweihungen. Anlass dieser Veranstaltungsreihe ist das 40-jährige Bestehen des Klosters Samye Ling in Schottland.

Das tibetisch-buddhistische Zentrum in Kirchheim erwartet hierzu den Besuch einer größeren Delegation von hochrangigen Vertretern des schottischen Klosters einschließlich des Gründers von Samye Ling und Präsidenten der Hilfsorganisation Rokpa International, Dr. Akong Rinpoche.

pm