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Ingenieure mit Masterstudiengang können künftig auch Schule machen

Nach einer gründlichen Ingenieurausbildung gibt es nun die Möglichkeit, sich in relativ kurzer Zeit für den Lehrerberuf zu qualifizieren. Diese Gelegenheit eröffnet die Fachhochschule Esslingen, Hochschule für Technik (FHTE), erstmalig ihren Studierenden durch den seit Wintersemester 2004 neu geschaffenen Masterstudiengang "Ingenieurpädagogik".

ESSLINGEN Absolventen von Diplomstudiengängen der FHTE werden in einem dreisemestrigen Masterstudiengang auf das interessante Berufsfeld des Lehrers an beruflichen Schulen vorbereitet. Dabei vertiefen und verbreitern die Studierenden an der FHTE ihre technischen Kenntnisse, während die kooperierende Pädagogische Hochschule Ludwigsburg die notwendigen pädagogischen, psychologischen und fachdidaktischen Fähigkeiten vermittelt.

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Mit diesem neuen Studienangebot reagiert die FHTE auf den gravierenden Mangel an technischen und praxisorientierten Berufsschullehrern in Baden-Württemberg. Sie wird die erste Fachhochschule in diesem Bundesland sein, die ihre Absolventen mit Beginn des Jahres 2006 in den staatlichen Referendardienst sendet. Damit betreten die Fachhochschulen Neuland, das bisher nur Universitäten vorbehalten war. Anlass für diese Neustrukturierung der Lehrerausbildung war eine Empfehlung des Wissenschaftsrates vom 16. November 2001 mit dem Ziel, die Qualität der Lehrerbildung in Deutschland zu verbessern.

Ausgehend von dieser Empfehlung wurde das neue Modell für die gemeinsame Gewerbelehrerausbildung von Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen vom Wissenschaftsminister Professor Peter Frankenberg und Kultusministerin Dr. Annette Schavan ins Leben gerufen. Wir brauchen an unseren Berufsschulen deutlich mehr originär ausgebildete Lehrkräfte der technisch-gewerblichen Fachrichtung, zeigen sich Annette Schavan und Professor Frankenberg überzeugt. Speziell nachgefragt werden Absolventen aus den Bereichen Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Informationstechnik, Maschinenbau und Versorgungstechnik.

Die FHTE hat ihren Masterstudiengang entsprechend diesem Bedarf ausgerichtet und deckt die Nachfrage durch zwölf verschiedene Fächerkombinationen ab. "Viele unserer Studierenden kommen über den zweiten Bildungsweg zu uns, kennen also das berufliche Schulwesen aus eigener Anschauung und bieten deshalb sehr gute Voraussetzungen für den Lehrerberuf im gewerblichen Schulwesen", betont Professor Dr. Richard Mohr, Studiengangleiter Ingenieurpädagogik an der FHTE.

Ausgangspunkt dieses Ausbildungswegs ist ein Ingenieurstudium der oben genannten Fachrichtungen. Dabei haben die Studierenden die Möglichkeit, berufspädagogische und fachdidaktische Grundkenntnisse zu erwerben. Die Professoren der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg bieten die zugehörigen Lehrveranstaltungen in Esslingen an. Zwei Schulpraxisblöcke runden diese Zusatzausbildung ab. Die Absolventen und Absolventinnen erhalten einen vollwertigen Diplomingenieur-Abschluss und können sich dann zwischen einer Tätigkeit als Ingenieur und einer weiteren Ausbildung zum Berufsschullehrer entscheiden.

Im anschließenden Masterstudiengang Ingenieurpädagogik absolvieren die Studierenden ein weiteres Schulpraktikum. Die FHTE vermittelt zusätzliche ingenieurwissenschaftliche Kenntnisse, während die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg die berufspädagogischen Fähigkeiten erweitert. Die enge Kooperation mit der PH Ludwigsburg und die sorgfältige Verzahnung der Lehrinhalte sind dabei wesentliche Eckpfeiler für den Erfolg dieses Studiengangs. Danach steht den Absolventen der 18-monatige Referendardienst zum Einstieg in das Lehramt im höheren Dienst offen.

Bislang konnten FH-Absolventen eine Beamtenlaufbahn mit dieser Einstufung nicht einschlagen. Nach erfolgreichem Abschluss öffnet sich ein breites Betätigungsfeld als Lehrer an Berufsschulen, Berufskollegs, Technischen Gymnasien und Fach- und Technikerschulen. Das Berufsfeld der Absolventen ist allerdings nicht nur auf das Lehramt beschränkt, sondern bietet den neuen Masterabsolventen auch vielfältige Betätigungsfelder in Aus- und Weiterbildung der Industrie.

"Die Stärke der Fachhochschulen liegt in ihrem großen Praxisbezug. Dies ist eine wunderbare Voraussetzung für künftige Lehrer, ihren Schülern die Begeisterung für ihr Fach mitzugeben. Das neue Programm ist für unsere Hochschule eine Bereicherung und wir sind den Kollegen der PH Ludwigsburg besonders dankbar, dass sie diesen Schritt mit uns wagen", stellt der Prorektor für Lehre an der FHTE, Professor Dr. Hans Martin Gündner, dazu fest. "Die gemeinsame Genehmigung der neuen Ausbildung durch Wissenschafts- und Kultusministerium ist auch ein hoffnungsvolles Zeichen für mehr Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Schule und Studium."

Der Masterstudiengang Ingenieurpädagogik ist im Fachbereich Grundlagen der FHTE angesiedelt. Dieser Fachbereich ist verantwortlich für die mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildung aller Fachbereiche und unterhält zudem intensive Kontakte zu Schulen und schulischen Einrichtungen. Nähere Informationen rund um den Masterstudiengang Ingenieurpädagogik finden Interessierte unter www.lehramt-bw.de oder über die Internetseite des Fachbereichs Grundlagen der FHTE unter www.fht-esslingen.de.

Weitere Informationen können auch abgefragt werden bei Professor Dr. Richard Mohr, Studiengangleiter Ingenieurpädagogik Telefon 07 11 /3 97 34 22, richard.mohr@fht-esslingen.de, oder bei Anke Schuler, Programmkoordinatorin, unter der Rufnummer 07 11 / 3 97 34 43, anke. schuler@fht-esslingen.de.

pm