Lokale Kultur

Ingrid van Bergen fiebert ihrer Premiere von „Harold und Maude“ am 14. Januar in Kirchheim entgegen

Ingrid van Bergen fiebert ihrer Premiere von „Harold und Maude“ am 14. Januar in Kirchheim entgegen

Ingrid van Bergen erstes Theaterprojekt  fŸr Stadttheater: Harold and Maude
Ingrid van Bergen erstes Theaterprojekt fŸr Stadttheater: Harold and Maude

Kirchheim. Leere Versprechungen sind seine Sache nicht. Wer ernsthaft vorhat, in einer möglichst ausverkauften Kirchheimer Stadthalle zu

Anzeige

spielen, sollte sich wohl zu Recht auch nicht damit begnügen, Gutes tun zu wollen ohne zugleich auch laut darüber zu reden.

Bernd Gnanns hochfliegende Pläne sind derzeit in aller Munde und das ist ja auch gut so. Dass der erfolgreiche Intendant des Karlsruher Kammertheaters gemeinsam mit Geschäftsführer Thomas Osswald aus Kirchheim eine Probezeit in der neu entdeckten Außenstelle Kirchheimer Stadthalle absolviert, weckt berechtigte Hoffnungen im Blick auf den Wunschtraum eines wahrhaftigen Kirchheimer Stadttheaters.

Der 1973 geborene Schauspieler, Kabarettist und Theater-Intendant Bernd Gnann fand mit der 2009 von einem Millionenpublikum zur „Dschungelkönigin“ gekürten Ingrid van Bergen die ideale Besetzung für die weibliche Hauptrolle des Stücks „Harold und Maude“, das in Karlsruhe mit großem Erfolge im stets ausverkauften Haus spielte.

Bei ihrem Besuch in der Teckstadt konnte kein Zweifel darüber aufkommen, dass die berühmte Schauspielerin auch nach ihrem 80. Geburtstag vergangenen Juni keinesfalls in die Ecke ausgebrannter Ruheständler gehört und das auch überzeugend auf der Bühne beweisen kann. Die Rolle der agilen und extrem unkonventionellen Maude scheint Ingrid van Bergen dabei förmlich auf den Leib geschrieben zu sein.

Dass sie es 2009 trotz aller Häme geschafft hat, als mit Abstand älteste Camp-Bewohnerin die Strapazen im australischen Dschungel gut zu überstehen und als überzeugte Vegetarierin nicht davor zurückzuschrecken, ihr völlig unbekannte aber erkennbar lebende Tierchen vor laufender Kamera zu verzehren, verdient zumindest Respekt. Beim spontanen Abstecher nach Kirchheim machte die ungemein vitale 80-Jährige keinen Hehl daraus, dass sie auch heute noch stolz darauf ist, es den mit ihr um den Titel der Dschungelkönigin konkurrierenden „jungen Dingern“ gezeigt zu haben.

Ingrid van Bergen hat bekanntermaßen schon zuvor unsägliche Höhen und Tiefen durchlitten ohne sich dadurch erkennbar deformieren zu lassen. 1931 in Danzig geboren und mehrere Jahre in Dänemark interniert, kehrte sie 1950 nach Deutschland zurück, wo sie in Reutlingen ihr Abitur ablegte. Bekannt für ihre „rauchige Stimme“ zählte die blonde Schauspielerin und Sängerin zu den bekanntesten Leinwandstars der 50er- und 60er-Jahre. An der Seite von O. W. Fischer und Heinz Rühmann, aber auch internationalen Stars wie etwa Kirk Douglas oder Robert Mitchum, begeisterte sie immer wieder in unterschiedlichen Paraderollen, als untreue Hausfrau, verführerische Bardame oder laszive Prostituierte.

1977 zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt und 1982 wegen guter Führung vorzeitig entlassen, wanderte sie 1994 nach Mallorca aus, wo sie auf ihrer Finca über 100 Tiere beherbergte. Vor zehn Jahren kehrte Ingrid van Bergen dann nach Deutschland zurück und fand in der Lüneburger Heide eine neue Heimat.

Dass sie nach ihrem großartigen Erfolg in Karlsruhe auch in Kirchheim als Maude auf der Bühne stehen wird, ist ihr ungemein wichtig, denn sie spielt nicht nur, sie ist mit Leib und Seele diese exzentrische und verführerische Maude, die dem ebenfalls extrem unkonventionellen Jüngelchen Harold (Alexander Merbeth) den Kopf verdreht und ihm viel – wenn auch vorwiegend Verwirrendes – über das Leben lehrt.

Eine passendere Besetzung hätte für die Rolle der ja eigentlich „erst“ 79-jährigen Maude kaum gefunden werden können. Ingrid van Bergen kauft man schließlich sofort ab, dass sich ein gerade einmal 19-jähriger Junge spontan in sie verliebt. Harold lernt die enorm jung gebliebene „Seniorin“ auf einem Friedhof kennen, der für ihn ein genauso attraktiver und ihn magisch anziehender Ort ist wie für die ganze Generationen von ihm entfernte Maude.

Die aktuelle Karlsruher Inszenierung des von Colin Higgins geschriebenen und von Hal Ashbi 1971 zum Kultfilm erhobenen „Harold und Maude“ hat zweifellos ideale Voraussetzungen, in Kirchheim für einen unorthodoxen Paukenschlag zu sorgen und zu begeistern.

Nicht nur die Besucher des Pre­mierenabends am Samstag, 14. Januar, sind daher zu einer an die Aufführung sich anschließenden Feier mit den Veranstaltern und dem Ensemble geladen. Auch bei der zweiten Präsentation des Kultstücks „Harold and Maude“ am Sonntag, 15. Januar, sollen sich alle Besucher im Anschluss an die Vorstellung noch etwas Zeit nehmen, um mit allen Akteuren auf die Zukunft des Kirchheimer Stadttheaters anzustoßen.

Wie es in der Stadthalle weitergehen soll, steht ebenfalls schon fest: Am Dienstag, 13. März, stehen die „Comedian Harmonists“ auf dem Programm. Am Montag, 23. April, wird das Stück „Nur für Frauen – Das beste Stück“ gespielt und am Montag, 14.  Mai, ist dann „Die Geierwally“ in Kirchheim zu Gast. Wann Bernd Gnann sein Solo-Feuerwerk „Die Made“ in der Stadthalle abbrennen wird, steht noch nicht fest. Der begeisternde Heinz-Erhardt-Abend, der vor rund einem Jahr schon im Kreis von Mitgliedern des City Rings und des Bundes der Selbstständigen im Schloss Erfolge feiern konnte, findet aber garantiert noch einmal seinen Weg in die Teckstadt.

Wer Daniel Glattauers Sensationserfolg „Gut gegen Nordwind“ und die Fortsetzung „Alle sieben Wellen“ bereits gelesen hat, kann sich auch schon auf die nächste Spielzeit freuen, dje vermutlich auch diese beiden Leckerbissen aus dem Spielplan des Karlsruher Kammertheaters auf die Kirchheimer Speisekarte bringen wird.