Lokale Kultur

Ist für die Galerie in der Weberstraße eine Rettung in Sicht?

WENDLINGEN Enttäuscht hat der Galerieverein der Stadt Wendlingen den Beschluss des Gemeinderats zum Verkauf des Galeriegebäudes in der Weberstraße 2 aufgenommen. Die Stadt benötigt Geld

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GABY KIEDAISCH

zur Finanzierung des Gesamtpakets Sportstätte und Treffpunkt Stadtmitte. Zur Finanzierung wird teilweise auch der Verkauf von städtischen Gebäuden herangezogen. Bis Ende des Jahres 2008 hat der Galerieverein, der seit zwölf Jahren die Galerie mit Erfolg führt, nun Schonfrist. Um ihren Betrieb doch noch zu retten, muss bis dahin ein privater Investor gefunden werden, der die Galerie möglicherweise nach dem Vorbild der Stiftung Würth übernimmt. Bürgermeister Ziegler hat die Suche nach einem geeigneten Sponsor zur Chefsache erklärt.

Auf Unverständnis ist der Beschluss des Gemeinderats im Vorstand des Galerievereins gestoßen. Insbesondere auf die Ignoranz vieler Stadträte gegenüber der langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit sei man zornig, machte Edith Streppel, Vorsitzende des Galerievereins, deutlich. Es sei bedauerlich, dass der Gemeinderat diese Entscheidung getroffen hat, sagt sie und vermutet, dass davon ausgegangen wurde, dass hier der geringste Widerstand erwartet wurde. "Wir sind zwar mit 145 Mitgliedern ein kleiner Verein, die Galerie hat aber trotzdem das kulturelle Leben der Stadt wesentlich mitgeprägt". Nach diesem Beschluss sieht sich der Galerieverein allerdings nach den Äußerungen seiner Vorsitzenden als Verlierer.

Die Stadt Wendlingen hatte dem Galerieverein im vergangenen Jahr das Angebot gemacht, dass er einen Flügel im geplanten Treffpunkt in der Stadtmitte als Ausstellungsfläche erhält, im Gegenzug für die zum Verkauf anstehende Villa in der Weberstraße. Der Galerieverein hatte dieses Angebot jedoch strikt abgelehnt, auch hinsichtlich der Konsequenz, dass die Existenz der Galerie damit in Gefahr ist. Begründet hatte der Verein seine Entscheidung damit, dass sein Wirken lediglich in Verbindung mit dem Betrieb in dem Gebäude Weberstraße 2 gegründet worden sei. Damit sei der Verein als ideelle Einheit untrennbar mit diesem Gebäude verbunden.

In der Kunstszene werde das in der Villa vorherrschende Ambiente für Ausstellungen hoch geschätzt, dafür sei die städtische Galerie bekannt. Im Stadthaus hingegen würde die Galerie ihre Eigenständigkeit komplett verlieren. Edith Streppel bezweifelt auch, dass ein zweites Stockwerk höchstwahrscheinlich gar nicht finanzierbar gewesen wäre. Zudem hätte man hier nur noch etwa die Hälfte der Ausstellungsfläche gehabt.

In einem Brief an Bürgermeister Frank Ziegler bereits im vergangenen September hatte der Galerieverein der Stadt Wendlingen seine Entscheidung mitgeteilt und die dafür ausschlaggebenden Gründe genannt. Dennoch hegte der Verein die Hoffnung, dass man ein solches Kleinod in der Stadt erhalten möge, zumal seit zwei Jahren die Besucherzahlen doppelt so hoch sind gegenüber früher. Als ermutigend empfindet Edith Streppel denn auch, dass sich die Stadtverwaltung und einige wenige Stadträte nun um die Weiterführung der Galerie bemühen.

Nach den Vorstellungen von Bürgermeister Ziegler, der sich persönlich der Kunst verbunden sieht, könnte die Lösung für die Galerie in der Privatisierung liegen: im Stile eines Kunstbetriebs vergleichbar der Stiftung Würth. Dafür will sich Bürgermeister Ziegler einsetzen und sich auf die Suche nach einem Investor machen. Für die dafür erforderlichen Gespräche mit örtlichen Unternehmern reden ist keine Eile angesagt. Bis zum 31. Dezember 2008 bleibt noch Zeit. Der Galerieverein hat bis zu diesem Datum Planungssicherheit, betonte Bürgermeister Ziegler. "Wir wollen jedoch im Laufe dieses Jahres die Angelegenheit über die Bühne bringen."

Was passiert, falls sich kein Sponsor für die Galerie unter Führung des Galerievereins findet, daran will Edith Streppel gar nicht denken. Eines ist allerdings sicher: Das Gebäude wird in jedem Fall veräußert. Die Stadt benötigt das Geld, gegebenenfalls eben von einem Käufer, der daraus ein Wohnhaus machen möchte. Der Kauf ist nach dem 1. Januar 2009 dann auch an keine Nutzungsauflage mehr gebunden.

Hierfür gibt es laut Bürgermeister Ziegler bereits erste Interessenten. Mit einem Verkaufserlös von 500 000 Euro rechnet er. Außerdem ist da auch noch der jährliche Zuschuss an den Galerieverein für den Ausstellungsbetrieb in Höhe von 25 000 Euro. Dieser würde die Stadtkasse dann ebenfalls nicht mehr belasten.

Auf die Sichtweise, dass die Stadt mit dem Verkauf gewachsene Vereinsstrukturen zerschlägt immerhin haben sich seit über zehn Jahren viele Menschen im Galerieverein für die Kunst in der Stadt eingesetzt und Maßstäbe erarbeitet reagiert Bürgermeister Ziegler abwehrend. Das wolle niemand. Die Galerie sei wichtig, ein Renommee für die Stadt. "Unser Ziel ist es, die Galerie zu erhalten. Nicht umsonst genießt die Galerie über Wendlingen hinaus einen hervorragenden Ruf." Namhafte Künstler hätten hier ausgestellt, wovon die Stadt Wendlingen ihrerseits wieder in hohem Maße profitiert habe. "Ihr Image hat sich in der Region dadurch aufgebessert".

Unbeantwortet bleibt beim Fall eines Verkaufs auch die Frage, was mit den gemeinsamen Ausstellungen im Rahmen von "Kunst in der Region" geschieht, wenn Wendlingen aus diesem Reigen ausscheiden würde. Edith Streppel hofft auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Schon einmal sollte die Galerie geschlossen werden, nachdem 1993 der Leiter der Galerie seinen Vertrag mit der Stadt gekündigt hatte. Die Galerie konnte mit Hilfe des Ehrenamts gerettet werden. Kurze Zeit später wurde der Galerieverein aus der Taufe gehoben. Die Konzeption dafür hatten die Stadtverwaltung und kunstinteressierte Bürger gemeinsam erarbeitet.