Lokale Kultur

Jazz-Legenden formieren sich neu

Die Gruppen „Changes“ und „Jazztrack“ gratulieren dem club bastion nach jahrzehntelanger Pause

Kirchheim. Ein außergewöhnliches Wochenende mit zwei deutschen Jazz-Legenden steht beim club bastion auf dem Programm, der bekanntlich derzeit sein 40-jähriges Bestehen feiert. Viele längst berühmte frühere Gäste haben sich zurückgemeldet, um durch Konzerte ihren Mitentdeckern zu gratulieren. Am Freitag, 5. Dezember, sind mit „Changes“ und am Samstag, 6 Dezember, mit „Jazztrack“ jeweils ab 20.30 Uhr zwei Gruppen zu Gast, die seit knapp 30 Jahren nicht mehr existieren, am Wochenende aber noch einmal zusammenkommen.

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Wer einst dabei war, wird sich sicher noch gut daran erinnern. Fast schon Kultcharakter hatten schließlich die Kirchheimer Auftritte von „Changes“ und „Jazzreck“ in den siebziger und achtziger Jahren. Am Wochenende kommen die Musiker der beiden legendären Gruppen, die die Entwicklung des deutschen Jazz in jener Zeit wesentlich mitbestimmten, auf Einladung des Clubs noch einmal zusammen, um im Keller den musikalischen Geist jener Zeit noch einmal aufleben zu lassen.

Am Freitag, 5. Dezember, gibt es zunächst ein Wiedersehen mit der einstigen Gruppe „Changes“, einem Quintett mit den Bläsern Wolfgang Engstfeld (Saxofon), Uli Beckerhoff (Trompete) und Ed Kröger (Posaune und Klavier) sowie Detlev Beier am Bass und Peter Weiss am Schlagzeug. Das Quintett, das sich später mit dem Pianisten Hartmut Grabe zum Sextett erweiterte, pflegte insbesondere die Tradition des Hardbop und erspielte sich mit ihrem geschmackvollen Programm, das neben Standards (etwa von Horace Silver, Miles Davis oder John Coltrane) auch viele Eigenkompositionen beinhaltete, eine große Fangemeinde. Die Band gastierte um 1980 herum mehrere Male in der Bastion und begeisterte die Zuhörerschaft durch die Qualität der musikalischen Darbietung und ihre berstende Spielfreude jedes Mal aufs Neue.

Am Samstag, 6. Dezember, können die Jazzfans Wolfgang Engstfeld noch einmal erleben. Mit „Jazztrack“ hatte er in der zweiten Hälfte der Siebziger- jahre dreimal in Kirchheim gespielt, zusammen mit dem Pianisten Christoph Spendel, Sigi Busch am Bass und Heinrich Hock am Schlagzeug. Das Quartett war zu jener Zeit eines der Aushängeschilder des deutschen Jazz und hatte innerhalb kurzer Zeit eine ganz eigene, unverkennbare Stimme gefunden. Mit Uli Beckerhoff an der Trompete war die Formation damals vom legendären ‚Jazzpapst’ Joachim Ernst Behrendt mit einem Auftritt auf den international renommierten Berliner Jazztagen für ihr herausragendes musikalisches Schaffen geadelt worden. Auch in der Bastion zogen die vier Musiker das Publikum mehrmals in ihren Bann.

Fast alle der Musiker, die sich um die Entwicklung des Jazz in Deutschland mehr als verdient gemacht haben, sind Dozenten an Musikhochschulen und sorgen noch immer dafür, dass die nachwachsenden Generationen eine fundierte Ausbildung erhalten. Allen gemeinsam ist auch, dass sie in den unterschiedlichsten Formationen bis heute aktiv sind.

Den Klavierstuhl von Christoph Spendel wird bei „Jazztrack“ der Berliner Pianist Wolfgang Köhler besetzen, und bei „Changes“ gibt es am selben Instrument ein Wiedersehen mit dem in Kirchheim bestens bekannten Bob Degen. Da die meisten Musiker an beiden Tagen anwesend sein werden, steht zu erwarten, dass es nach den Konzerten zu spontanen Sessions kommen wird. Vorverkaufskarten gibt es bei Juwelier Schairer, Telefon 0 70 21 / 24 04. pm