Lokale Kultur

"Jeder Mensch ist ein Künstler"

KIRCHHEIM Arbeiten von künstlerisch aktiven Mitgliedern der Volksbank Kirchheim-Nürtingen Günter Blessing, Dr. Helmut Franke, Elisabeth Goll, Helmut Hehl, Elke

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FLORIAN STEGMAIER

Mauz, Brigitte Meller, Heide Metzdorf, Rolf Paul Mittendorf, Fritz Ernst Nagel, Bonnie Nielsen, Karin Nonnenmacher, Kathrin Oswald, Wolfgang Pietereck, Roswitha Remmel, Roswita Rief, Alfred Seitz, Dr. Hans-Otto Simm, Gisela Spangenberg, Claudia Spindler, Waltraud Zizelmann sind derzeit in den Räumen der Kirchheimer Volksbank zu sehen. Ulrich Weiß, Vorstandsvorsitzender der Volksbank, wertete die Ausstellung in seiner Begrüßung als Zeichen einer engen und aktiven Verbundenheit der Genossenschaft mit ihren Mitgliedern. Für eine gelungene musikalische Umrahmung der Vernissage sorgte das "Junge Blechbläser-Quintett" der Musikschule Kirchheim.

In ihrer Einführungsrede ging Kunsthistorikerin Barbara Honecker der Frage nach, seit wann bildende Kunst als solche bezeichnet wird, seit wann Künstler sich mit Kunst beschäftigen und seit wann sie das nicht als Hauptberuf tun. Unter diesem Gesichtspunkt entrollte sie einen chronologischen, beim antiken System der sieben freien Künste ansetzenden Abriss der Kunstgeschichte bis in die Gegenwart. Als einen "ungeheuren Einschnitt" wertete Honecker das Stichwort "l'art pour l'art", Kunst um der Kunst willen, das für eine Haltung steht, die sich in der Kunst des 19. Jahrhunderts Bahn brach. Zuvor hatten Künstler fast ausschließlich Auftragskunst produziert, nun arbeiteten sie für einen Kunstmarkt.

Die Tatsache, dass es so wenige bedeutende Künstlerinnen in den vergangenen Jahrhunderten gab, erklärte Honecker damit, dass Frauen die künstlerische Beschäftigung bis ins 19. Jahrhundert hinein nur als Freizeitaktivität möglich war. Eine fundierte akademische Ausbildung konnten sie nicht erhalten, da diese Institutionen bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihnen den Zugang verwehrten.

Die Beschäftigung mit Malerei und Bildhauerei als Hobby setzte sich erst im 20. Jahrhundert in großem Maß in der Bevölkerung durch. Die Laudatorin führte in diesem Zusammenhang signifikante Zitate zweier berühmter, sehr gegensätzlich arbeitender Künstler aus den 60er-Jahren an. "All is pretty" "alles ist schön" war das Credo des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Andy Warhol, "Jeder Mensch ist ein Künstler" das des aus der Fluxus-Bewegung stammenden Joseph Beuys.

Die Quintessenz dieser Aussagen, dass alles Kunst sei, was ein Kunstschaffender hervorbringt, erkläre, so Honecker weiter, die im Anschluss einsetzende, völlig veränderte Kunstproduktion. Provokation und Schockieren seien typisch für die 70er- und 80er-Jahre gewesen, in denen sich neue Ausdruckstechniken entwickelten, von der Installation über die Performance und Videokunst bis hin zur Computerkunst. Die Grenzen zwischen qualitativ hochwertigen Arbeiten und "Schrott im wahrsten Sinne des Wortes" seien in dieser Zeit fließend geworden.

Als eine "erstaunliche und erfreuliche Beobachtung" nannte Barbara Honecker die zu Beginn des 21. Jahrhunderts deutliche Tendenz zur Rückbesinnung auf alte Techniken und Inhalte. Unter diesem Aspekt entsprächen die in der Volksbank versammelten Werke durchaus den neuesten Entwicklungen der Kunst. Bei allem Reichtum und der Fülle unterschiedlichster Techniken und Stilrichtungen, sei allen Kunstwerken die spürbare Freude an ihrer Entstehung seitens der Kunstschaffenden gemein, so Barbara Honecker abschließend.

Die Arbeiten sind noch bis 25. November zu den üblichen Öffnungszeiten der Kirchheimer Volksbank zu sehen.