Lokale Kultur

Junge Musiker konzertieren für die Weihnachtsaktion

KIRCHHEIM Zum alljährlichen Benefizkonzert zugunsten der Weihnachtsaktion des Teckboten und zur Einstimmung auf Adventszeit und

Anzeige

ERNST KEMMNER

Weihnachten im festlichen Interieur der Martinskirche, hatten sich die verantwortlichen Leiter der Musikschule auch heuer wieder ein abwechslungsreiches Programm ausgedacht. Ganz nebenbei wurde dem Publikum bei diesem Querschnitt durch das Tun der Musikschule auch wieder einmal klar, welch wertvolle musikalische Arbeit dort rund ums Jahr geleistet wird.

Von der Empore der Kirche erklang anfangs vom Jungen Posaunenensemble quasi als Himmelsfanfare mit getragenem, glockenreinem Klang "Wachet auf, ruft uns

O:STERN.TI_ die Stimme" von Philipp Nicolai im Posaunensatz von Berthold Hummel, bevor der Leiter der Musikschule, Thomas Arnold, den karitativen Zweck des Konzerts erläuterte, der diesmal in einer Förderung des "Betreuten Wohnens" in Kirchheim besteht.

Noch einmal erklangen dann die Posaunen in Johannes Pezelius' Suite Nr. 1 von 1685 mit kurzer Intrada, volltönend wiegender Sarabanda und beschwingtem Bal, bevor der Hauptchor I und II, geleitet von Nadja A. Popp, drei Titel aus dem Musical "Am Himmel geht ein Fenster auf" von Jörg Ehni und Uli Führe präsentierte. Hier zeigten sich die jungen Sänger, begleitet von Thomas Arnold am Keyboard, gut disponiert und mit Begeisterung bei der Sache: "Vor 2000 Jahren" wurde mit tempogeladenem Schwung, "Was erzählt uns der Wind" wiegend im Dreivierteltakt, "Ehre sei Gott" mit der gebotenen forschen Dynamik abgeliefert, wobei bei Letzterem ein feiner Abschluss in hoher Stimmlage gelang.

Da wollte das vierzehnköpfige Querflötenorchester, geleitet von Sabine Märkle, natürlich nicht nachstehen. In den drei ausgewählten Traditionals "Away in a manger" mit seinem sanften Wiegerhythmus, "Gather around the Christmas tree" mit frischem Animato und einem rhythmisch anspruchsvollen Mittelteil und dem bekannten Ohrwurm "Go Tell it on the Mountain", swingend synkopiert und mit kniffligen Einwürfen für die Begleitstimme, gefielen die Flötisten durch sehr saubere Intonation und gut untereinander abgestimmtes Zusammenspiel.

Im Anschluss zeigten die Bläserschüler von Eberhard Schmid, der auch selbst am Keyboard begleitete, was sie drauf haben und das war nicht wenig. Nach dem Klarinettenquartett "Unterholz" und ihrem abgerundet vollen Sound in "Somewhere out there" von James Horner trat das Saxofonensemble "Cool Kids", ebenfalls geleitet von Eberhard Schmid, auf den Plan. Weil die Gruppe "ihres Schlagzeugers verlustig gegangen" sei, bat der musikalische Leiter das Publikum darum, durch rhythmisches Klatschen den Spielern beim mitreißend jazzig und regelrecht "groovend" dargebotenen "Wade in the water" von William Grant Still Unterstützung zu geben, was auch bereitwillig gemacht wurde. Rauschender Beifall hallte danach durchs Kirchenareal.

Dann kam die Reihe an Takashi Otsuka und seinen Streichernachwuchs. Zunächst präsentierten die ganz Kleinen, aber nicht minder Motivierten (die "Streichhölzer") die gelungene instrumentale Fassung von vier Weihnachtsliedern "Morgen kommt der Weihnachtsmann", "Alle Jahre wieder", "Ihr Kinderlein kommet" und "Vom Himmel hoch, da komm' ich her". Das "Junge Kammerorchester" arbeitete in der Folge den barocken Charakter von Leopold Mozarts "Musikalischer Schlittenfahrt" gekonnt heraus, wobei die verschachtelte Kompositionsform durch wache Reaktion untereinander gut bewältigt wurde. Auch der langsame Satz aus der Sonate für Streicher in G-Dur von Gioacchino Rossini wurde vom "Streicherensemble" mit beachtlicher Sensibilität gestaltet und mit viel Ausdruckskraft dargeboten.

Bei der "Pavane" von Piet Swerts konnte der Bläserspielkreis unter Leitung von Tanja Heinkel mit Zugposaune, Trompete, zwei Saxofonen und drei Querflöten mit der Art gefallen, wie sie in makellosem Zusammenspiel und mit einem sich gut ergänzenden Gesamtklang der einzelnen Blasinstrumente den Tanzcharakter des Stücks betonten. Ohne Dirigent konzertierte das Saxofon-quartett "Simply Sax", und die Musiker konnten es sich bei ihrem traumhaft sicheren Zusammenspiel bei der "Ouverture baroque" von Georg Philipp Telemann auch wirklich leisten. Im französischen Stil "langsam schnell langsam" komponiert, verlangte dieses Stück den Bläsern einiges ab. Sehr gefällig hier die gelungenen dynamischen Abstufungen, die exakt platzierten Triller im langsamen Teil und die akkurat geblasenen Läufe der jeweils melodieführenden Instrumente in Tenor- und Basslage im schnellen Mittelteil.

Einen Höhepunkt des Konzerts bildete das Sinfonische Orchester der Musikschule unter Johannes Stortz, im "Adagio for Strings and organ" von Samuel Barber verstärkt von Ralf Sach an der Truhenorgel. Dieses Adagio schwelgt in der Tonfülle eines lang gezogenen polyphonen Aufbaus zur Klimax, um im Anschluss in einer Vielzahl melodischer Wellen gleichsam zu verebben ein sehr gelungener Vortrag des Orchesters.

Abschließend konnte der junge Bratschist Johannes Rolfs in zwei Sätzen aus dem Konzert in G-Dur für Viola, Streicher und Basso Continuo von Georg Philipp Telemann brillieren, sicher und unterstützend begleitet vom Jungen Orchester. Im langsamen Satz gefielen die schöne Tonentfaltung des Solisten, im schnellen Satz seine beachtliche Griff- und Bogentechnik bei rhythmisch schwierigen Überbindungen und bei dem mit vielen Saiten- und Lagenwechseln verbundenen schnellen Laufwerk.

Zum Ausklang des auf bemerkenswertem Niveau sich bewegenden und viel beklatschten Matineekonzerts wurden die Weihnachtslieder "Tochter Zion" und "Es ist ein Ros' entsprungen" gemeinsam von Orchester, Kinderchor und Publikum gespielt und gesungen.