Lokale Kultur

Kammermusik ganz im Zeichen der Triosonate

KIRCHHEIM Zum traditionellen Kirchenkonzert "Mit Weihnachten ins neue Jahr" strömten die Kirchheimer Christen in die Martinskirche.

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RENATE SCHATTEL

Geboten wurde ein barockes Kammermusikkonzert ganz im Zeichen der Triosonate mit den Interpreten Martin Hermann, Blockflöten, Bernhard Moosbauer, Barockvioline, Sabine Bruns, Barockcello, und Bezirkskantor Ralf Sach an den Klaviaturen von Cembalo und Orgeln der Martinskirche.

Stilgeschichtlich hat sich die Triosonate in der Zeit des späten 16. und frühen 17. Jahrhundert zu einem neuen Modell des dreistimmigen Satzes herausgebildet. Vor allem durch den italienischen Komponisten Arcangelo Corelli wurde die Triosonate zur anspruchsvollsten Gattung der Kammermusik. Wegbereiter für die von Corelli normierte Form waren unter anderem Giovanni Paolo Cima und Dario Castello in Italien und Jean-Baptiste Loeillet in England. Georg Philipp Telemann gilt als "Vielschreiber", der eine unübersehbare Fülle von Kammermusikwerken hinterlassen hat, unter anderem einige unterhaltsame Triosonaten. Auch in Johann Sebastian Bachs Werk nimmt die Kammermusik eine wichtige Stellung ein.

Von diesen genannten Komponisten brachte das versierte Barockensemble einschlägige Werke zu Gehör und zeigte in seiner Spieltechnik wesentliche Elemente der Barockmusik, wie den Generalbass und die Verzierungskunst. Begonnen wurde mit der viersätzigen Triosonate in d-Moll von Jean-Baptiste Loeillet. Mit melodischen Auszierungen gelang das Largo zu einem schönen Auftakt. Im ersten Allegro allerdings trugen die Stimmen der zarten Barockvioline und der dunklen Altblockflöte den Klang nicht so gut weiter wie Cembalo und Cello, sodass zumindest auf den hinteren Kirchenbänken das ankommende Klanggemisch an Wohlklang zu wünschen übrig ließ. Auch im zweiten Allegro verschluckte der große Kirchenraum die zweifelsohne kunstvollen Melodiebögen und die Brillanz des Werkes.

Martin Hermann spielte von Corelli die Sonate in F-Dur auf der Altflöte, begleitet von Sabine Bruns am Cello und Ralf Sach am Cembalo. Die fünfsätzige Sonate präsentierte der Blockflötist souverän mit ruhigem Atem, mit wirkungsvollen Verzierungen und technisch gut einstudierter Fingerschnelligkeit. In der Sonata in a von Giovanni Paolo Cima zeigte das Barockensemble seine Spielfreude und feinste Maniertechnik.

Vor dem Orgelsolo von Johann Steffens über "Veni redemptor gention", das Bezirkskantor Sach an der großen Kirchenorgel bestechend schön zu Gehör brachte, sprach Dekan Hartmut Ellinger zum Thema des Konzerts: "Was bleibt von Weihnachten übrig im neuen Jahr?" Nicht die Stimmung, nicht die vielen materiellen Geschenke blieben übrig, so der Dekan, sondern das eine Geschenk, das den Menschen von Gott gemacht worden sei, dass sie durch das Christuskind selbst zu Kindern Gottes werden und zu diesem Gott Vater sagen dürften. Dass aber, abgesehen von jenem großen Weihnachtsthema, auch etwas von dem barocken Kirchenkonzert in den Herzen der Zuhörer blieb, dafür sorgten die Musiker mit ihrer aufwändigen und stiltypischen Spielweise.

Mit Flöte, Geige, Cello und Orgel spielte das Ensemble darauffolgend eine virtuose Triosonate von Dario Castello. Spannend herausgearbeitet das Zwiegespräch zwischen Sopranblockflöte und Geige, strahlend der Gesamteindruck. Bernhard Moosbauer interpretierte die Sonate G-Dur für Violine Solo und obligates Cembalo von Johann Sebastian Bach, die als Besonderheit den dritten Satz als Cembalosolo enthält. Ralf Sach glänzte bei der Interpretation des reizvollen capriccioähnlichen Stückes. Durchgehend in Barockmanier ohne Vibrato meisterte Moosbauer die spieltechnisch höchst anspruchsvolle Sonate, zeigte jedoch in seinen Solopartien streckenweise Intonationstrübungen. Zum Schluss erklang die affektbetonte Sonate in d-Moll von Georg Philipp Telemann als fulminanter Schluss eines ganz in der Welt des barocken Zeitalters stehenden Kammerkonzertes.