Lokale Kultur

Keine Königin aber dafür eine wahre Prinzessin

KIRCHHEIM "Die Orgel Trösterin und Begleiterin im Leben und Sterben": So lautete das Motto einer Orgelmatinee in der Aussegnungshalle in Ötlingen. Bis hin zum letzten

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ROLAND KRÄMER

verfügbaren Stuhl war die Aussegnungshalle besetzt, als in einer würdevollen Feier die neue Göckel-Orgel eingeweiht werden konnte. Lange Jahre hatte das qualvolle Provisorium mit dem alten Harmonium gedauert, das mehr Geräusche als Musik hervorbrachte. Dem unermüdlichen Bemühen von Dekanatskirchenmusiker Thomas Specker, unterstützt von der Ötlinger Organistin Gertrud Find, aber auch dem wohlwollenden Entgegenkommen durch die Stadt Kirchheim ist es zu verdanken, dass in der Aussegnungshalle endlich würdige Trauermusik erklingen kann.

Pfarrer Wilhelm Keller und Petra Auer für den Ortschaftsrat Ötlingen begrüßten die zahlreichen Gäste und dankten allen Beteiligten für ihre engagierten und letztlich erfolgreichen Bemühungen. Pfarrer Franz Keil sprach empfindsame Worte über die Orgel als Königin der Instrumente und fand den großen Bogen vom Totensonntag bis zum Osterlied, von der Geburt bis zum Tod, vom Leben und Sterben.

Die Bezeichnung "Königin" ist für die kleine Orgel mit ihren vier Registern eine reichlich majestätische Übertreibung, und auch das Äußere des Instruments empfinden nicht alle als rundum geglückt. Die Gestaltung der Prospekte von Göckel-Orgeln in der Kirchheimer Region scheint Kontroversen zu beinhalten. Aber in der klanglichen Präsentation handelt es sich unbestreitbar um eine wahre Prinzessin die freilich durch ein weiteres Register mit rund 15 000 Euro noch kostbarer dagestanden hätte.

Das musikalische Eröffnungsprogramm reichte von Buxtehude, Bach, Händel und Krebs über Mendelssohn bis zu Dvorak und Rheinberger und ließ so bereits vermuten, welch breites Spektrum diese Orgel abzudecken im Stande ist. Die eindeutigen Stärken waren im Bereich der warmen, zarten und schwebenden romantischen Stimmen zu erkennen und dürften den künftigen musikalischen Einsatz wesentlich mitbestimmen. Ein interessantes Novum war insofern zu verzeichnen, als zum ersten Mal mit Gertrud Find, Ernst Leuze, Ralf Sach und Thomas Specker alle vier am Ort wirkenden Kirchenmusiker ein gemeinsames Konzert bestritten, dem der Bariton Winfried Müller zusätzliche Glanzlichter aufsetzen konnte.

Die neue Ötlinger Göckel-Orgel, mit ihrer individuellen klanglichen Konzeption, ist eine wertvolle und interessante Bereicherung in der Region. Sie zeigt, dass die Kirchheimer Orgellandschaft beispielgebend blüht und gedeiht und sie lässt hoffen, dass in anderen Aussegnungshallen in Kirchheim und Umgebung Ähnliches möglich gemacht werden kann.