Lokale Wirtschaft

Keine nachhaltigen Impulse

Bei den Handwerksbetrieben in der Region hat das vierte Quartal 2004 keine nachhaltige Verbesserung der Auftragslage gebracht. Zwar melden wieder mehr Betriebe einen leichten Zugang bei den Auftragseingängen, aber Anzeichen für einen spürbaren Aufschwung sind noch nicht sichtbar.

STUTTGART Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Umfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart Mitte Januar bei den knapp 28 000 Betrieben im mittleren Neckarraum. Der durchschnittliche Auftragsbestand im vierten Quartal betrug wieder wie im dritten Quartal gut fünf Wochen im Durchschnitt aller befragten Betriebe.

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Allerdings ist die Spannweite innerhalb der Branchen sehr unterschiedlich. Die Baubranche liegt mit 3,8 Wochen am Ende der Auftragsskala, die Metallberufe haben sich dieses Mal mit 7,3 Wochen an die Spitze gesetzt. Hier zeigt sich deutlich, dass die metallverarbeitenden und industrienahen Zulieferhandwerke von der exportorientierten Maschinen- und Autoindustrie der Region profitieren.

"Erst wenn die Inlandskonjunktur sich belebt, wird das Handwerk wieder aufatmen können", beurteilt Ulrich Bär, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, die aktuelle Lage in den Landkreisen Göppingen, Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg, dem Rems-Murr-Kreis und in der Landeshauptstadt Stuttgart. Von den befragten Handwerksmeistern gaben 20 Prozent an, dass ihre Geschäftslage gut sei, wogegen 30 Prozent der Unternehmer ihre betriebliche Situation als schlecht beurteilten. Bei der Prognose für die kommenden Monate sind die Unternehmen deutlich zurückhaltender, nur jedes sechste befragte Unternehmen erwartet eine positive Veränderung ihrer Geschäftslage.

Saisonbedingt sind die Bau- und Ausbaubetriebe im Winterquartal von Einbrüchen in allen Konjunkturindikatoren betroffen. Lediglich 45 Prozent der Betriebe waren mit ihrer Betriebsauslastung zufrieden, 18 Prozent konnten ihre Betriebskapazität nur zu 50 Prozent einsetzen. Dies schlägt sich auch im Branchendurchschnitt bei den Umsatzzahlen nieder. Mehr als ein Drittel der untersuchten Betriebe hat Umsatzrückgänge gegenüber dem dritten Quartal 2004 verbuchen müssen.

Bei den Kraftfahrzeugbetrieben in der Region ist die Lage nach wie vor unbefriedigend. Zwar berichten 20 Prozent der Betriebe von einer leicht verbesserten Umsatzentwicklung, dagegen haben 27 von 100 Befragten ein Umsatzminus errechnet. 45 Prozent der Betriebe konnten ihre Werkstattkapazitäten nur zu 70 Prozent nutzen.

Bei den Nahrungsmittelhandwerken, bei den Bäckern, Metzgern und Konditoren, hat sich bedingt durch die Feiertage am Jahresende das Geschäftsklima verbessert. Mehr als die Hälfte aller Befragten waren im vierten Quartal 2004 mit den Auftragseingängen und den Umsatzentwicklungen zufrieden. Bei den Gesundheitshandwerken, den Augenoptikern und Hörgeräteakustikern haben sich ebenfalls die Umsätze zum Jahresende positiv entwickelt. Jeder dritte befragte Meister konnte mehr Aufträge gegenüber dem dritten Quartal abarbeiten.

Im Durchschnitt aller Handwerksbetriebe haben sich erfreulicherweise die Beschäftigungszahlen stabilisiert. Knapp drei Prozent der Betriebsinhaber gaben sogar an, zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt zu haben. Nach wie vor bleibt die Investitionsbereitschaft im Handwerk verhalten. 60 Prozent der Unternehmer planen keine innerbetrieblichen Investitionen.

Auf die Frage, was die ersten Monate des Jahres 2005 für das Handwerk bringen werden, waren die Unternehmer sehr vorsichtig. Ein Sechstel der Inhaber erwartet eine Verbesserung ihrer Firmensituation, gut ein Drittel rechnet mit einem weiteren Rückgang. Für die Mehrzahl der Befragten ist die spürbare Zurückhaltung der Privatkundschaft der Grund für diese Einschätzung. Eine Belebung der Inlandsnachfrage könne nur durch eine spürbare Reduzierung der Steuer- und Abgabenlast erreicht werden.

pm