Lokale Kultur

Kinder für dasSingen begeistern

KREIS ESSLINGEN Unter Kindern und Jugendlichen ist das Singen nicht mehr so populär wie früher ein Trend, der vielen Gesangvereinen Sorgen bereitet. Mit ihrem Chorjugendtag im Esslinger Zentrum Zell stellt die Chorjugend im Schwäbischen Sängerbund heute Weichen für ihre künftige Arbeit. Alexander Maier unterhielt sich vorab mit Christian Heieck, dem Vorsitzenden der Chorjugend.

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Viele Chöre klagen über Nachwuchssorgen. Warum tut man sich heutzutage so schwer, sangesbegeisterte junge Leute zu finden?

Heieck: Lange Zeit war das Singen ein wenig aus der Mode gekommen. Das war eine schleichende Entwicklung, die sich bereits seit Ende des Zweiten Weltkriegs angebahnt und durch die Zeit um 1968 verschärft hat. Viele Kinder bekamen durch ihre Familien keinen Zugang mehr zum Singen, weil die Eltern über keinen Liedschatz mehr verfügten, wie ihn die Älteren noch hatten. Wir beobachten allerdings seit einigen Jahren eine sehr positive Trendwende: Das Singen von Kindern und Jugendlichen hat deutlich zugenommen. Es bleibt aber noch viel zu tun.

Gibt es manchmal auch ein Imageproblem? Vielleicht ist der Chorgesang ja attraktiver als sein Ruf.

Da haben Sie sicher Recht, das wird uns immer wieder von Kindern und Jugendlichen bestätigt, die singen. Die tun das mit Begeisterung, aber der Zugang ist nicht leicht. Besonders Jungs haben manchmal Probleme. Wir haben Chöre im Kinder- und Jugendlichen-Alter, in denen das Verhältnis von Mädchen zu Jungen 80 zu 20 ist. Allerdings konnten wir beim Image des Singens in der Öffentlichkeit in letzter Zeit einiges bewegen denken Sie nur an das großartige Projekt im November 2005 im Hauptbahnhof Stuttgart.

In Schulchören wird begeistert gesungen. Wieso klappt dann der Übergang in die Vereine nicht?

Die Chormusik muss sich heute gegen eine Vielzahl anderer Angebote besonders durch die Medien behaupten. Außerdem wird für viele Kinder die Zeit knapp, etwa durch die Ganztagesbetreuung. Wir versuchen, mit unseren Vereinen die Ganztagesbetreuung aktiv mitzugestalten.

Müssen auch die Vereine Ihre Arbeit überdenken? Wenn die Sänger nicht in die Vereine kommen, könnten die Vereine einen Schritt auf die Sänger zugehen.

Viele Vereine gehen diesen Weg, aber das hängt immer auch von den handelnden Personen ab. Klar ist: Überall dort, wo man nicht auf die jungen Leute zugeht, findet der Übergang nicht statt.

Was können die Gesangvereine tun, um jungen Leuten den Einstieg zu erleichtern?

Früher war der Musiklehrer oft auch der Leiter des Gesangvereins oder Kirchenchores. Das ist selten geworden. Deshalb engagieren wir uns für eine stärkere Zusammenarbeit mit den Schulen. Wenn es gelingt, Schulen dafür zu gewinnen, haben wir viel erreicht. Über die Dauerkooperation Schule-Verein gibt es bereits an vielen Orten eine lebendige Zusammenarbeit.

Manche Vereine gründen Projektchöre, die auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten und viel Zulauf haben.

Das ist eine weit verbreitete Erscheinung, die wir gezielt aufnehmen, indem wir solche Projektchöre unterstützen. Es ist eine Zeiterscheinung, dass sich Kinder und Jugendliche, aber auch viele Erwachsene schwertun, sich an eine feste Vereinsstruktur binden zu lassen und über einen längeren Zeitraum feste Probenverpflichtungen zu übernehmen. Da ist die Hemmschwelle bei einem konkreten Projekt, das in drei Monaten abgeschlossen ist, geringer. Im Übrigen haben wir bereits einige Erfahrungen gesammelt und auch bereits Erfolge damit erzielt, Projektchöre zu ermuntern, dass sie sich als Verein verfassen und in der Chorjugend mitarbeiten.

Wohin wird sich der Chorgesang in den nächsten Jahren entwickeln?

Die Renaissance der Chormusik wird sich insbesondere bei den Kindern und Jugendlichen fortsetzen. Unsere Maßnahmen werden dazu führen, dass die Jugendarbeit in den Vereinen wieder stärker wird. Wir müssen die Kinder wieder für das Singen gewinnen. Deshalb arbeiten wir mit der Stiftung Singen mit Kindern in Stuttgart zusammen, die sich stark für das Singen im Kindergarten, in der Vorschule und in der Grundschule engagiert. Das ist ein Schlüssel zum Erfolg.