Infoartikel

Kirchenvertreter aus der Region zeigen sich offen

Die Petition des Schwarzwälder Realschullehrers geht dem katholischen Dekan des Dekanats Esslingen-Nürtingen, Paul Magino, zu weit: Er glaubt nicht, dass Schüler durch das Verankern sexueller Vielfalt im Unterricht beeinflusst werden. „Ich sehe nicht, dass Schüler dadurch erstmals auf Homosexualität aufmerksam gemacht werden oder dass gar dafür geworben wird“, sagt der Dekan, der an der Johannes-Kepler-Realschule in Wendlingen Neunt- und Zehntklässlern in Religion unterrichtet. Die Ehe zwischen Frau und Mann sei „die anzustrebende Lebensform“, betont Magino; er sieht aber sehr wohl, dass die Realität teilweise anders aussehe. Zur Homo-Ehe sagt er: „Wenn sie in Treue zueinander gelebt wird, dann habe ich Achtung vor diesen Menschen.“ Gott sei Dank werde diese Lebensform in der Gesellschaft immer mehr anerkannt. Magino spricht sich dafür aus, „die Werte Treue, Achtung, Familie und Sorge der Generationen füreinander herauszustellen und unterschiedliche Lebensformen, in denen diese Werte gelebt werden, zu thematisieren“. Schon bisher habe er dies im Unterricht so gehandhabt, allerdings unter der „deutlichen Hervorhebung der Ehe zwischen Frau und Mann“. Dorothee Moser, Schuldekanin für die evangelischen Kirchenbezirke Kirchheim und Nürtingen, findet das Anliegen der Landesregierung im Hinblick auf den neuen Bildungsplan grundsätzlich gut: nämlich die Absicht, dass Homosexualität nicht länger den Status der Anomalie haben und das Thema nicht weiter tabuisiert werden soll. Wenn schulische Bildung dazu beitragen könne, begrüße sie das, betont Dorothee Moser. Woran sie sich jedoch stört, ist die Fokussierung auf das Thema sexuelle Vielfalt: „Es ist nur ein Teil des großen Bildungsplans“, sagt sie. Von den beiden Online-Petitionen hält die Schuldekanin wenig: „Hier werden die Positionen nur hin- und hergeschoben. Jeder bleibt bei seiner Meinung. So kommt man nicht weiter.“ Dorothee Moser zitiert Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann: „Ich sehe Handlungsbedarf, solange man auf Schulhöfen das Schimpfwort ,schwule Sau‘ hört.“ Dieser Aussage könne sie mur zustimmen. Die derzeitige Diskussion allerdings ist der Schuldekanin „zu überhitzt, aufgeregt und plakativ“. alm

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