Lokale Kultur

Kirchheimer Bauten im Zentrum des archäologischen Jahresrückblicks

KIRCHHEIM Der archäologische Jahresrückblick des Museumsleiters und ehrenamtlichen Beauftragten für Bodendenkmalpflege, Rainer Laskowski, stand diesmal unter dem besonderen Thema "Kirchheimer Bauten". Ausgewählt wurden vier Häuser, darunter auch die Martinskirche als das traditionsreichste und älteste Bauwerk der Stadt Kirchheim. Im voll besetzten Spitalkeller interessierte vor allem die Frage, wie die Archäologie selbst bei jüngeren Bauwerken zu neuen Erkenntnissen entscheidend beitragen kann, auch wenn vermeintlich genügend archivalische Quellen zur Verfügung stehen sollten.

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Das SchlössleEin gutes Beispiel dafür ist der ehemalige Freihof, das "Schlössle", ein ehemaliger Adelssitz, der heute als Musikschule dient und eines der ältesten Häuser Kirchheims ist. Seit den Bauuntersuchungen von 1988 weiß man, dass der älteste Teil des Gebäudes im Kern ein Fachwerkbau von 1427 ist. Unbekannt ist, was der Anlass für den damaligen Neubau war und wie der Vorgängerbau ausgesehen hat. Für das Jahr 1452 wird von einem Graben berichtet, von dem er umgeben war. Zwischen 1606 und 1608 ließ Herzog Friedrich I. von Württemberg eine neue Befestigung mit vier Rondellen bauen. Deren Aussehen und Lage sind ebenfalls unbekannt.

In Band 9 der Schriftenreihe des Stadtarchivs (1989) ist dies alles ausführlich von Rolf Götz dargelegt worden. Noch während der Sanierung im Jahre 1989 zeigte sich, dass der Vorgängerbau des Neubaues von 1427 einem Brand zum Opfer gefallen sein muss, wie Brandreste im Boden unter den Arkaden an der Südseite des Schlössles eindeutig belegten. Die im Sommer kurzfristig erfolgte Erneuerung einer defekten Kanalisation, die 1954 südlich des Schlössles zur Freihof-Grundschule verlegt worden war, hat nun überraschend weitere Erkenntnisse gebracht.

Noch während der Sommerferien wurde Museumsleiter Rainer Laskowski vom Stadtarchiv über Kanalisationsarbeiten informiert, bei denen zunächst der ehemalige Wassergraben westlich des Schlössles in ganzer Breite durchschnitten worden war. Kurz darauf konnte er die Beobachtungen fortführen. Ungefähr fünf Meter vor der Südseite des Schlössles wurden in der Kanalverfüllung Quader aus Kalktuff angetroffen. Es waren Teile einer Mauer, die offenkundig schon bei der Anlage der Kanalisation 1954 ohne Dokumentation zerstört worden ist. Reste davon konnten an einzelnen Stellen des Kanalisationsgrabens noch festgestellt werden.

Vor der Südostecke des Schlössles kamen dann noch Fundamentreste eines Turmes zu Tage, die offensichtlich von einem der vier Rondelle von 1606/08 stammten. Das Rondell wurde nahezu ausschließlich aus Kalktuffquadern erbaut. Es verfügte nur über eine etwa 30 Zentimeter starke äußere Mauerschale. Das innere Mauerwerk bestand aus Stein- beziehungsweise Tuffsteinschutt, der mit Mörtel vermischt war. Der Durchmesser des Rondells betrug nur etwa sechs Meter und der davorliegende Wassergraben war zirka zweieinhalb Meter tief und neun Meter breit.

Diese Beobachtungen legen jetzt nahe, dass die bisher noch unbekannten Rondelle ähnlich angeordnet waren, sodass jetzt von einer nahezu quadratischen Befestigung mit etwa 25 Meter Seitenlänge ausgegangen werden kann. Diese bestand dann bis zu ihrer Einebnung im Jahre 1811. Nur an der Innenseite des Kanalisationsgrabens zum Schlössle hin wurde in 2,5 Meter Tiefe eine Scherbenschicht festgestellt, deren Keramik ausschließlich dem 15. und 16. Jahrhundert angehört. Dieser Befund kann jetzt als Randbereich des älteren 1456 genannten Grabens vor dem Neubau von 1427 interpretiert werden, der 1606/08 zugeschüttet wurde. Er war maximal fünf bis sechs Meter breit.

Da hier keine älteren Funde entdeckt worden sind, ist es jetzt eher als unwahrscheinlich zu bezeichnen, dass das Schlössle ursprünglich eine bis ins hohe Mittelalter zurückreichende Wasserburg gewesen ist, wie früher vielfach vermutet wurde. Allerdings sind bisher aus dem zentralen Bereich der Anlage keine Funde bekannt geworden, sodass die Frage nach deren wirklichem Alter noch weiter offen ist.

Dettinger Straße 19Eine archäologische Untersuchung war auch auf dem Grundstück Dettinger Straße 19 notwendig. Hier war bei einer Bauuntersuchung im Jahre 2002 nachgewiesen worden, dass der in Resten noch erhaltene Kern dieses Gebäudes aus dem Jahre 1567/68 stammte. Dies wurde von Tilmann Marstaller erkannt, einem gebürtigen Weilheimer, der in Zusammenhang mit seiner Promotion über Flösserei und Botanische Relikte in alten Fachwerkhäusern auch in Kirchheim forscht. Die Auswertung der Holzproben lieferte das Jahrringlabor Hofmann in Nürtingen.

Noch älter als das bestehende Gebäude war jedoch ein Teil des darunter befindlichen Kellers, der 1567/68 deutlich vergrößert wurde. Beim Ausbaggern stieß man nun in der Nähe des Kellers auf eine starke, kompakte Scherbenschicht des 15./16. Jahrhunderts. Da es sich hier erkennbar um Töpfereischutt handelte, wurden mit Hilfe des Baggers etwa 300 Kilogramm Keramik geborgen, die neue Erkenntnisse zum Kirchheimer Töpferhandwerk erwarten ließen.

Der Schutt reichte auch unter das Haus von 1567/68. Er stammt also von einem älteren Anwesen und muss noch vor dem Neubau des 16. Jahrhunderts hier abgelagert worden sein. Die Bearbeitung dieses umfangreichen Fundmaterials durch die Archäologie-AG am Kirchheimer Museum ist noch nicht abgeschlossen, aber es sind schon viele interessante Töpfereiprodukte entdeckt und identifiziert worden. Diese Befunde bestätigen zudem Beobachtungen von 1992 auf dem Grundstück Dettinger Straße 21, als nach dem Abriss des dortigen Hauses ebenfalls Töpfereischutt geborgen werden konnte, der in das 17./18. Jahrhundert datiert werden konnte.

Beide Beobachtungen zusammen lassen nun den Schluss zu, dass auch im Bereich der Dettinger Vorstadt über längere Zeit eine Töpferei bestanden haben muss, die sonst bisher nicht bekannt ist. Bemerkenswert ist zudem, dass aus der Dettinger Vorstadt inzwischen weitere Hinweise auf Häuser des 16. Jahrhunderts vorliegen. Eine Anzahl von Häusern ist in den vergangenen Jahren allerdings auch abgerissen worden, ohne dass irgendwelche Untersuchungen vorgenommen werden konnten. Hier ist eine empfindliche Lücke entstanden, die durch archivalische Quellen nicht mehr geschlossen werden kann, da es hier keine schriftlichen Quellen gibt, die ins 16. Jahrhundert zurückreichen.

Marktstraße 42Eine weitere archäologische und bauhistorische Untersuchung war Ende des Jahres kurzfristig im Bereich der Innenstadt notwendig. Auf dem Grundstück Marktstraße 42 musste unerwartet eingegriffen werden, nachdem hier eine "Sanierung" bis auf Reste der Außenwände zum Totalverlust des Fachwerkhauses geführt hatte. Auch Bodeneingriffe waren erforderlich. Ein bestehender Gewölbekeller musste dokumentiert werden und ebenso ein in der Nordwestecke angeschnittener, älterer verfüllter Keller mit Steintreppe.

Besondere Aufmerksamkeit erregten aber auch die in der Fassade des Hauses aufgedeckten verzierten Eckpfosten, die eine typische Kirchheimer Erscheinung sind. Dies trifft vor allem noch für den Kernbereich der Max-Eyth-Straße zu. Da das Alter des Hauses unbekannt und im Archiv auch nicht zu ermitteln war, wurde eine bauhistorische Untersuchung der noch vorhandenen Fassadenreste veranlasst. Eine dendrochronologische Untersuchung des Nürtinger Labors ergab zweifelsfrei als Baudatum Frühjahr/Sommer 1741. Von dem Vorgängerbau aus der Zeit nach 1690, der somit gänzlich dem Stadtbrand von 1735 im Marstallviertel zum Opfer gefallen ist, konnten nur noch geringe Fundamentreste festgestellt werden.

Ein wichtiges Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass die in Süddeutschland in dieser Form einmalige Mode der Eckständerverzierung hier in Kirchheim etwa zwei Generationen lang angedauert hat. Die ersten nachweisbaren Häuser mit diesen Eckständern wurden bereits 1692 erbaut (Stadtpfarrhaus und Apotheke Miller).

Besonders prächtig sind die sechs Eckständer am Rathaus von 1722/24. Wenn Kirchheim also seine historische Fachwerkstadt pflegen und erhalten will, müssten es gerade diese Häuser sein, auf die das Augenmerk gerichtet sein sollte. Bisher sind zwölf Fachwerkhäuser mit solcherart verzierten Eckständern in der Innenstadt zu sehen, ein in Süddeutschland einmaliges Ensemble. Einige weitere dürften sich noch verbergen.

MartinskircheAuch die Befunde in und an der Martinskirche wurden einer weitergehenden Betrachtung unterzogen, wobei die Frage der frühen Vorgängerkirchen auch ein Bestandteil der gerade im Entstehen begriffenen neuen Stadtgeschichte ist. Die 1971 publizierten archäologischen Befunde der Kurzgrabung von 1963 werfen im Blick auf die Baugeschichte nach wie vor Fragen auf, ebenso Beobachtungen am Bauwerk selbst. Es gibt zudem weiterführende Erkenntnisse zur Datierung der beiden bei den Grabungen 1963 gefundenen Säulenbasen der romanischen Vorgängerkirche, die seitdem im Turm und im Kirchenschiff lediglich abgelegt sind.

Sicher ist heute, dass der bisher veröffentlichte Grundriss der romanischen Vorgängerkirche so nicht stimmt. Unbemerkt blieb zum Beispiel, dass der in der Achse der Vorgängerkirchen stehende Turm nicht in das vermeintlich romanische Mauerwerk der Nordseite eingebunden ist. Er stellt vielmehr einen eigenen Baukörper dar, wie man an der Nord- und Ostseite des Sandsteinfundaments in und außerhalb der Martinskirche unschwer feststellen kann. Damit muss er jünger sein als der romanische Vorgängerbau.

Der mit ausgesprochen mächtigen Mauern im Erdgeschoss versehene Turm dürfte frühgotischen Ursprungs sein, also dem späten 13. angehören oder gar noch jünger sein und ins 14. Jahrhundert datieren. Kirchenbauten des 11. bis 13. Jahrhunderts haben in der Regel Chorseitentürme oder entsprechend ein Westturmpaar (Hirsauer Schule). Erst ab etwa 1200 (Schwäbisch Hall) ist vereinzelt das Auftreten solcher massiven Westtürme zu beobachten. Die im Untergeschoss nahezu wehrturmartigen Bauwerke werden sogar erst in spätgotischer Zeit (15. Jahrhundert) zur Regel.

Ein bisher unbeachtet gebliebener abgeschrägter Gesimsrest, wohl Teil eines ehemaligen gotischen Kaff- oder Kranzgesimses das ist eine Tropfleiste, die die Sandsteinfassade vor Regenwasser schützen sollte befindet sich am oberen Ende der Sandsteinquaderung in der Südostecke des Turmes. Damit ist jetzt nicht nur ein neuer konkreter Hinweis auch auf das gotische Alter des Turmfundamentes gegeben, sondern auch darauf, dass der Turm doch etwas älter als die vermutlich spätgotische Beinhauskapelle ist. Denn das Gesims lag noch gut erkennbar dann über dem Kreuzgewölbe der Kapelle, aber unter ihrem Dach, war also ohne Funktion und gut geschützt.

Bisher unbeachtet blieb auch ein weiteres wichtiges Baudetail, das sich in etwa drei bis vier Meter Höhe an der Südseite des spätgotischen Chores der Martinskirche befindet, ein dem Anschein nach romanisches Gewände, das innen nur angedeutet, außen aber komplett sichtbar ist. Der östliche Teil des Gewändes liegt jedoch hinter dem spätgotischen Strebpfeiler, der in Zusammenhang mit dem spätgotischen Chor 1453 errichtet wurde.

Das Gewände, vermutlich ein Fenster, muss also (deutlich) älter sein. Liest man den Aufsatz von Rolf Götz in der Schriftenreihe des Stadtarchivs Band 15 (1992) über die vergessenen Kirchen und Kapellen ("Kapellen bei der Martinskirche", Seite 52/53), so wird deutlich, dass es sich hier nur um Reste der Südwand der ehemaligen Nikolauskapelle handeln kann, die als Chorseitenkapelle an den romanischen Chor angebaut worden war. In ihr hat bereits Herzog Hermann von Teck am 7. März 1289 nachweislich eine Urkunde ausgestellt.

Bauherr dieser Kapelle war mit hoher Wahrscheinlichkeit "Dekan Heinrich" (um 1280 bis 1320), Kirchrektor in Kirchheim, der auch die ab 1317 belegte nördliche Chorseitenkapelle (die ehemalige Heiligkreuzkapelle) gebaut hat. Er war es dann wohl auch, der um 1300 den heutigen Martinskirchturm gebaut hat, von dem noch 20 Meter Höhe original erhalten sind: die drei unteren Stockwerke zu je vier Meter und ein oberes zu acht Meter mit den alten Schallfenstern.

Die Decke des Erdgeschosses bildete bis zur "Renovierung" von 1964 ein gotisches Kreuzgewölbe, das dem Einbau einer eisernen Wendeltreppe zum Opfer fiel, wie man immer noch leicht feststellen kann. In dem Aufsatz von Alois Schneider "Auf geschichtsträchtigem Boden" (Seite 150 mit Anmerkung 93) in Band 27 (2001) der Schriftenreihe des Stadtarchivs wird angegeben, dass dieser Kirchherr die Kirche um 1320 "fast gänzlich erneuert" hat. Dies steht in einer Urkunde von Papst Johannes XXII. aus dem Jahre 1320. Möglicherweise sind damals auch die Außenwände der alten romanischen Kirche, die bis kurz vor 1428 noch bestehen blieb zumindest teilweise erneuert worden.

Auch die Datierung der durch Fundamentreste und rollierte Steinlagen bekannten Vorgängerbauten muss noch einmal hinterfragt werden. Die 1963 gefundenen Säulenbasen sind bisher nicht eindeutig datiert. In der anlässlich der Renovierung der Martinskirche 1964 herausgegeben Schrift "Stadtkirche Sankt Martin zu Kirchheim unter Teck" wird von dem Kunsthistoriker Dr. Adolf Schahl ohne nähere Begründung eine Datierung um 1200 vorgeschlagen, während nur wenige Seiten weiter der Kunsthistoriker Dr. H. Klaiber Ähnlichkeiten mit den Säulenbasen der Klosterkirche von Alpirsbach sieht, sodass hier eine Datierung "um 1100" vorgeschlagen wird.

Dieser Ansatz wurde in späteren Schriften meist übernommen, obwohl bei einem Vergleich die Ähnlichkeit mit den Säulen von Alpirsbach zweifelhaft erscheinen muss. Nach Ansicht des Referenten zeigen die Säulenbasen jedoch größte Ähnlichkeiten mit den 1932 aufgedeckten Halbsäulen der nördlichen Nebenapsis des Konradinischen Vorgängerbaues des Freiburger Münsters. Fotos davon sind in einem Aufsatz von 1970 publiziert.

Für Freiburg werden diese Säulenbasen in die Zeit um 1120/30 datiert. Da dieser Typus jedoch auch noch um die Mitte des 12. Jahrhunderts existiert und die Kirchheimer Säulenbasen nicht mehr zum "Attischen Typus" zu rechnen sind, kann nach Ansicht des Referenten für Kirchheim auch eine ausgesprochen späte Datierung nicht ganz ausgeschlossen werden. Dies bedeutet, dass der 1963 entdeckte romanische Kirchenbau zwar noch unter der Herrschaft der Zähringer erbaut worden sein kann, eine Errichtung durch die Herzöge von Teck (nach 1187) jedoch auch nicht völlig auszuschließen ist.

Dies wird auch durch die neueren Forschungen zur Geschichte der Burg Teck nahegelgt, die von Chr. Bizer und Rolf Götz kürzlich veröffentlicht worden sind. Hier wird davon ausgegangen, dass die Burg Teck für die bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts abwandernden Zähringer wohl keine große Bedeutung mehr hatte. Vermutlich gilt dies ja auch für das von den Nellenburgern ererbte Gebiet im Bereich der späteren Stadt Kirchheim.

Auffällig ist auch, dass das 1963 aufgenommene Bodenprofil in der Martinskirche einen weiteren älteren Fußboden nur knapp unter dem des 12. Jahrhunderts zeigt. Er dürfte ebenfalls zu einer dreischiffigen Kirche gehört haben, da er augenscheinlich ähnliche Steinplattengrößen und annähernd auch die gleiche Erstreckung wie der jüngere Kirchenbau zeigt. Es kann diskutiert werden, ob es sich hier nicht um den Fußboden der älteren, 960 bereits urkundlich erwähnten "Basilica decimalis" handelt. Dieser Bau wäre dann im 12. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt worden.

Der dritte, noch tiefer liegende Fußboden mit deutlich kleinerer Ausdehnung und Steinrollierung dürfte dann zu einer noch älteren kleinen Steinkirche gehört haben, die wohl dem 8./9. Jahrundert angehört hat. Möglicherweise eine Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor, die eine lichte Weite von etwa sechs Meter gehabt haben dürfte. Dies wird derzeit im Rahmen der neuen Stadtgeschichte diskutiert, wozu auch Zeitzeugen der Ausgrabung von 1963 noch befragt werden. Aus dieser Saalkirche könnte dann im 10. Jahrhundert durchaus die bereits urkundlich genannte "Basilica decimalis" entstanden sein.

Sichere Nachweise für die hier aus der Mitte oder zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts gemäß den Funden des Adelsgrabes (Grab 1) von den Forschern erschlossene Holzkirche gibt es jedoch nicht. Ein Hinweis könnte aber durchaus von einem über und südlich von Grab 3 festgestellten, vermutlich merowingerzeitlichen Laufhorizont gegeben sein.

DenkmalpflegeAngesprochen wurde abschließend auch eine wichtige Veränderung im Bereich der staatlichen Denkmalpflege. Entsprechend der Verwaltungsreform des Landes Baden-Württemberg gibt es vom 1. Januar 2005 an das "Landesdenkmalamt Baden-Württemberg" in der alten Form nicht mehr, es wurde aufgelöst. Statt dessen wurde im Stuttgarter Regierungspräsidium ein "Landesamt für Denkmalpflege" mit zentralen Diensten wie Großgrabungen, Bibliothek, Denkmalerfassung, Öffentlichkeitsarbeit, Restaurierung eingerichtet. Die Belange der örtlichen Denkmalpflege werden künftig von eigenen Referaten in den jeweiligen Regierungspräsidien wahrgenommen, wobei Bau- und Bodendenkmalpflege keine getrennten Abteilungen mehr sind.

Auch die Abteilung Mittelalterarchäologie gibt es nicht mehr. Im Bereich der Bodendenkmalpflege stehen für den gesamten Regierungsbezirk Stuttgart derzeit noch drei (später nur noch zwei) Wissenschaftler zur Verfügung. Die Möglichkeiten der amtlichen Denkmalpflege bleiben damit weiterhin stark eingeschränkt. Die ehrenamtlich Beauftragten im Bereich Bodendenkmalpflege werden nötiger sein denn je, will man vor Ort eine sinnvolle Denkmalpflege noch erreichen beziehungsweise gewährleisten. Was diese "Reform" wirklich bedeutet, mag sich jeder selbst bildhaft vorstellen.

rl