Lokale Kultur

Kitsch, Kunst, Büroklammern

Ausstellung „Schöner arbeiten“ im Dettinger Park in Plochingen

Ausstellung „Schöner arbeiten“.Foto: Daniela Wolf
Ausstellung „Schöner arbeiten“.Foto: Daniela Wolf

Plochingen. Zunächst erscheint es banal – Mitarbeiter des Landratsamts Esslingen haben ihre Schreibtische fotografiert und die Fotos in einer zuvor festgelegten Größe an

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Elke Eberle

Daniela Wolf geschickt. Sie versammelte die eingesandten 203 Ansichten von 105 Menschen nun in der Ausstellung „schöner arbeiten“ und erhebt sie zu Kunst. Daniela Wolf bespielt derzeit als dritte von vier Stipendiaten des Landkreises in ihrer Abschlussausstellung die Alte Steingießerei im Kulturpark Dettinger in Plochingen.

Das Projekt zeigt, wie sich Menschen ihren Arbeitsplatz aneignen, ihn mit Kitsch und Kunst bestücken und ihn einbinden in ihr Leben außerhalb der eigenen vier Bürowände. Es stellt sich natürlich die uralte Frage: Leben wir, um zu arbeiten, arbeiten wir, um zu leben, oder geht beides doch irgendwie zusammen? Die Fotos von Familienangehörigen, die Bild gewordenen Erinnerungen, die kunsthandwerklichen Gegenstände, die Kunstdrucke, Miniaturmülltonnen mit Büroklammern, Aktenberge und die obligatorischen Mini-Plastikfigürchen gewinnen plötzlich in ihrer Vielseitigkeit ein eigenartiges Eigenleben, sie bilden eine Gemeinschaft innerhalb eines abgeschlossenen Ortes. Dabei haben sie eigentlich nichts mit dem Ort zu tun, an dem sie stehen, sondern nur mit den Menschen, zu denen sie gehören.

Daniela Wolf wurde 1975 im Osten Berlins geboren, sie absolvierte eine Steinmetzausbildung und schrieb sich anschließend an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste ein. Sie studierte in der Bildhauerklasse von Werner Pokorny, entdeckte das Medium der Fotografie, gestaltete Installationen und Performances. Das Projekt „schöner wohnen“ ist eingebettet in einen Kontext ähnlicher Projekte, die zum Beispiel Gentrifizierung oder Lebens- und Arbeitswelten untersuchen. So besuchte Daniela Wolf ein Künstlerehepaar, das aus seiner Wohnung inmitten einer großen polnischen Stadt ausgemietet wurde, und fotografierte die beiden und ihre Wohnung, die sich über die Jahre hinweg gefüllt hatte mit Büchern, Bildern, Objekten, Skulpturen und Erinnerungen. Einigen Mitarbeitern der Villa Merkel setzt sie in zwei Leuchtkästen ein „Arbeiterdenkmal“, fotografiert sind die Mitarbeiter von schräg unten und in Heldenpose. Ihr Atelier unter dem Dach im Kulturpark Dettinger nahm sie vor knapp drei Jahren ebenfalls mit einer Aktion in Beschlag. Sie lud Freunde und Bekannte ein zum Zelten unterm Dach, inklusive fast richtigem Lagerfeuer und Liedern aus der Jugend, aus Ost und West.

Ihre Fotoinszenierungen entwickelt sie konzeptionell, häufig aus einem realen Prozess heraus. Nicht selten inszeniert sie dabei Fotografie im Spannungsfeld zur Dokumentation und nutzt sie als Medium zur Kommunikation über das Leben, über Kunst.

Die Ausstellung ist bis 30. Juni im Kulturpark Dettinger in Plochingen zu sehen, immer samstags und sonntags jeweils von 17 bis 19 Uhr.