Lokale Kultur

Klamauk aus dem Dohlengässle

KIRCHHEIM Ein volles Haus und viel Applaus bescherte der schwäbischen Comedy-Gruppe "Die Drei vom Dohlengässle" ihr routiniert dargebotenes Programm "Höhenrausch" am Samstag in Ötlingen. Mit

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ANNEGRET KAPP

dem Komödiantinnentrio vom Theater Lindenhof in Melchingen hatte der Kulturkreis Ötlingen einen Publikumsnerv getroffen: Das Gemeindehaus mit seinen 140 Plätzen war nicht nur voll besetzt, sondern auch Wochen im Voraus ausverkauft.

Die treue Fangemeinde störte sich nicht daran, dass der Klamauk vor allem auf Altbewährtes setzte Bergluft, die sich als gar nicht so frisch herausstellt, Höchstleistungen im Grimassenschneiden, Geschichtchen über besoffene Hühner und über Nudisten im Supermarkt sowie anzügliche, aber nicht allzu gewagte Witze über den Papst und seine Zölibatsgenossen.

Der Erfolg von Dietlinde Ellsässer, Isolde Neu und Ida Ott beruht allerdings in erster Linie auf den Bilderbuch-Charakteren, die sie mit den Tratschtanten Josephe, Martha und Hildegard geschaffen haben. Sie bekennen sich noch frei heraus zum Nachspionieren, weil es sich eben "g'hört, dass mr einander em Aug' hot." Natürlich kommt Hildegard von der Schnäppchenjagd nach einem Fernseher mit einer Brotschneidemaschine nach Hause. Natürlich fantasiert Martha (nicht nur) über muskulöse Artisten im Glitzerkostüm, und natürlich fällt Josephe dazu nur ein, dass man den "Zirkus-Russ'" doch zum Spätzleschaben und zum nass Rauswischen dressieren könnte. Teilweise verlassen sich die Komödiantinnen auch darauf, dass Tratsch, wenn er auf Schwäbisch vorgetragen wird, automatisch zur Lachnummer wird. Dasselbe gilt offenbar für Gedichte, so man mit der nötigen Dramatik rezitiert.

Den Rahmen, der Dorfklatsch, Alpenlyrik und Gesangseinlagen verbindet, bildet ein Wanderparkplatz, auf dem die drei vergeblich auf eine Ausflugsgruppe unter dem Motto "Frauen weg vom Herd Wandern mit dem Diakon" warten. Von den zahlreichen mitgeschleppten Requisiten zum Wanderbedarf gehört neben alpiner Musik aus dem Ghettoblaster hier alles von der Salatschleuder über die Tapezierleiter bis zum Schminkköfferchen im Kühlschrankformat machen die Bühnenkünstlerinnen immerhin recht fantasievollen Gebrauch. So bietet die Jodelnummer, bei der sie sich auf der Leiter zur sechsarmigen Hindu-Göttin arrangieren, einen interessanten Anblick.

So weit möglich bei einem Programm, dass nun schon sein viertes Aufführungsjahr erlebt, wagt sich "Höhenrausch" selbst an politische Fragen. Das Thema der "unsterblichen Tomaten mit Anti-Dätsch-Gen" wirkt allerdings nicht mehr gerade taufrisch. Dafür ist das Klima, das in die Wechseljahre gerät, umso aktueller. Triebtätern am Arbeitsplatz gegenüber geben die drei Dorfältesten sich gar aktivistisch und skandieren "Mein Fidele gehört mir." Ein Hauch von Selbstironie hängt über der Szene, in der Hildegard von ihrem Ausflug ins Naturtheater erzählt: Es habe viel Applaus gegeben, warum könne sie aber nicht sagen, weil sie vom Gsälzkochen so müde gewesen sei. Einstimmig bemitleidet das Trio daraufhin die Schauspieler, die sich so oft verbeugen müssen: "Also do dät i me geniera." In diesem Punkt allerdings kannte das Ötlinger Publikum keine Gnade und klatschte so lange, bis die Schauspielerinnen noch zwei Zugaben mit Mitsing-Möglichkeit trällerten.