Lokale Kultur

Klangjuwel, das seinesgleichen sucht

KIRCHHEIM "Kunst und Kultur am Schloss" lautet der übergreifende Titel des sommerlichen Open-Air-Festivals, das zurzeit in Kirchheim stattfindet. Doch das Wetter macht den Verantwortlichen so manchen

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GABRIELE ROLFS

Strich durch die Rechnung. Eine kleine präpositionale Veränderung kann da jedoch schnell Abhilfe schaffen: dann gibt es eben "Kunst und Kultur im Schloss" und schon ist das Problem gelöst.

Das Tübinger Saxofon-Ensemble mit seinen 14 Saxofonisten und einem Schlagzeuger begeisterte die Zuhörer bei seinem Konzert in der Schlosskapelle. Seit Januar 2005 hat Harry D. Bath die Leitung des Ensembles übernommen und spätestens nach dem Konzert im Kirchheimer Schloss war allen Besuchern klar, wie gut diese Zusammenarbeit gelingt.

Auf dem Programm des Tübinger Saxofon-Ensembles stand nur klassische Musik, bis auf das "Concertino da Camera" von Jacques Ibert in Form von Bearbeitungen. Die Besetzung mit 14 Saxofonisten ist selten und so gestaltet sich die Literatursuche immer wieder schwierig, was auch daran deutlich wird, dass zwei der Stücke vom Ensemble selbst arrangiert worden sind.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem "Einzug der Königin von Saba" von Georg Friedrich Händel. Schon die ersten Takte waren vielversprechend: feierlich und gleichzeitig leicht, musikalisch schwingend kurzum ein musikalisches Kleinod. Mit Edvard Elgars "Streicher"-Serenade präsentierte das Ensemble ein Werk aus der Heimat seines englischstämmigen Dirigenten. Die Serenade Elgars wurde stilsicher romantisch interpretiert, die gut ausgearbeitete Dynamik verdient dabei ein ganz besonderes Lob.

An dritter Stelle im Programm Tübinger Saxofon-Ensembles stand das "Concertino da Camera" von Jacques Ibert für Altsaxofon und elf Instrumente. Den Solopart übernahm Richmond Mays, amerikanischer Solist und Saxofon-Dozent. Auch wenn das Tübinger Saxofon-Ensemble schon bei den vorangegangenen Stücken auf hohem Niveau musiziert hatte, bei diesem Werk überbot es sich: Mit enormer technischer Perfektion, gesanglichem Ton und gekonnter musikalischer Gestik machte es aus Iberts Concertino ein Klangjuwel, das seinesgleichen sucht.

Das Werk sprüht vor Lebensfreude, Virtuosität und Eleganz. Richmond Mays spielte den hochvirtuosen Solopart mit bewundernswerter Leichtigkeit und wo erforderlich gesanglich getragenem Ton. Kongenial ergänzt wurde sein Spiel von Martina Pfister, Sopran-Saxofon.

Auch der rhythmische Anspruch des Werkes schien für das Ensemble ein Kinderspiel zu sein. Absolut begeisternd gelang das "animato-molto" am Ende des Stückes: spielerisch leicht, wirbelnd wie Herbstblätter im Wind musizierten Richmond Mays und das Ensemble diesen anspruchsvollen Satz.

Viel Applaus ernteten die Tübinger Saxofonisten auch mit ihrer Interpretation der Bachschen Toccata und Fuge d-moll, BWV 565. Die 14 Saxofonisten stellen mit ihrem Klang so einige Kirchenorgeln in den Schatten. Der enorme Sound des vollen Registers war überzeugend, während der Saxofonklang bei den virtuosen, durchsichtigen Läufen des Werkes für manchen Zuhörer gewöhnungsbedürftig blieb.

Das vom Tübinger Saxofon-Ensemble geschriebene Arrangement der Ouvertüre Giaccomo Rossinis "L'Italiana in Algeri" bot vor allem der ersten Sopran-Saxofonistin des Ensembles, Martina Pfister, Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Je länger das Konzert dauerte, desto mehr hatten die Zuhörer sich schon an das hohe Niveau der Musiker gewöhnt. Und so soll bei der Nussknacker-Suite von Peter I. Tchaikovsky auch nur noch das fantasievolle Arrangement des Ensembles erwähnt werden.

Erst nach zwei Zugaben verebbte der Beifall dann langsam: Nach dem "Türkischen Marsch" von Mozart, in atemberaubendem Tempo vorgetragen, hatte Christoph Neumann bei der zweiten Zugabe noch die Gelegenheit, eine Bearbeitung des "Concierto" von Aranjuez Rodrigos zum Besten zu geben. Als Solist überzeugte der Kirchheimer mit großen tonlichen Qualitäten und einer gefühlvollen Interpretation.

Nach diesem gelungenen Konzert des Tübinger Saxofon-Ensembles kann man den Musikern nun viel Erfolg für die Tournee durch Sambia, Namibia, Botswana und Südafrika wünschen, zu der sie am Morgen nach dem Konzert im Kirchheimer aufbrachen.