Lokale Kultur

Klatschende Hände, Akkubohrer und beißende Hunde

KIRCHHEIM Frauen sind für ihn voller Wünsche steckende "Prinzessinnen" und Männer stets hungrige "Helden", jederzeit bereit, alles fallen und liegen zu lassen, um furchtlos gegen Drachen zu kämpfen. Der Alltag ist ihnen ständiges Abenteuer, und beim täglichen Kampf ums Überleben kann man sich nun einmal nicht um Banalitäten kümmern.

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Zu sehr unterfordernde Handlungen, wie etwa das Heruntertragen von Hausmüll, lässt Mann daher besser gleich ganz schon der Vasen wegen, die dabei bekanntlich so leicht zu Bruch gehen . . .

Abenteuerlich begann für die Veranstalter auch der Auftritt des Kabarettisten Klaus Birk in der Dettinger Schlossberghalle. Wie immer, wenn "kultur ecce" zu einer Veranstaltung lädt, war am Samstag die "gute Stube" brechend voll, alles gut gelaunt und voll berechtigt großer Erwartungen der Star aber noch nicht in Sicht. Trotz verschneiter Straßen konnte er dann aber fast pünktlich damit beginnen, seine Leitthese zu entwickeln, dass die Kommunikation zwischen Mann und Frau wegen diametraler Differenzen in den Denkstrukturen gar nicht funktionieren kann. Dass das aber eigentlich nichts ausmacht, weil Männer ohnehin alles sofort wieder vergessen, war die daher eher beruhigende Nachricht des Autors der "Komedescheuer Mäulesmühle" und des aus vielen Fernsehauftritten bestens bekannten "Zwischenrufers". Bevor Birk sich aber so kenntnis- wie pointenreich am unüberbrückbaren Unterschied der Geschlechter kabarettistisch festbiss, stand zunächst einmal "E. T." im Mittelpunkt.

Dass es dabei nicht um Außerirdisches, sondern um fast schon sprichwörtlich solide Innen- und Landespolitik ging, war sofort klar. In einem Land, das mit seinem schwerfälligen Dialekt kokettiert und sich rühmt, alles zu können "außer etwas dafür", stand im Kampf um Teufels Erbe für Klaus Birk der Sieger schnell fest. Schon Scharpings Scheitern hatte ihm gezeigt, dass nie Kanzler werden kann, wer einen Bart hat, und so hatte für ihn "der" Schavan nie eine Chance, Ministerpräsidentin eines Landes zu werden, dass wegen seiner langweiligen, lendenlahmen Männer zum Aussterben verurteilt ist.

Ob ein Fruchtbarkeitssymbol wie der einst geplante Trump-Tower eine Hilfe gewesen wäre, oder die Natur sich einfach dagegen wehrt, dass die schlecht aussehenden Schwaben auch noch ihnen ähnlich sehende Kinder in die Welt setzen, fragte Klaus Birk sich und sein Publikum, das ihm von Anfang an begeistert folgte.

Selbst heftigste Angriffe auf das schwäbische Selbstbewusstsein sorgten lediglich dafür, dass sich Hände immer wieder fast so unbewusst zum Applaus formierten, wie sich offensichtlich auch einst Christoph Palmers Hand plötzlich im Gesicht des politischen Gegners wiedergefunden hatte. Klaus Birk bedauerte in diesem Zusammenhang die Entschuldigung Palmers weit mehr als dessen Rücktritt, denn er hätte ihn gerne mit einer entsprechenden Liste auch noch nach Berlin geschickt.

Dass Schwaben in den vier Jahren zwischen den Olympischen Spielen weit weniger Kondome brauchen als den Athleten während der 17 Tage währenden Spiele zugeteilt werden, konnte Klaus Birk sich nur damit erklären, dass das ja auch Spitzensportler sind. Die Schwaben hätten es dagegen nicht einmal geschafft, die Olympiade ins Ländle zu holen, und sich ausgerechnet von den Leipzigern schlagen lassen.

Mangelnde schwäbische Begeisterungsfähigkeit sieht der selbstkritische Zwischenrufer als Grund dafür an, dass bei der Eröffnung der Olympischen Spiele nun keine Bilder um die Welt gehen werden von nur mit Maultaschen ihre Blößen und mit Butterbrezeln ihre Häupter bedeckenden tanzenden Ureinwohnern.

Kein Verständnis zeigte der Kabarettist dafür, dass das spektakuläre Hochhaus auf dem Pragsattel nicht zuletzt auch deshalb nicht gebaut wurde, weil von Südschweden nach Südafrika fliegende Zugvögel trotz steuernder Gene angeblich unweigerlich dagegen hätten prallen müssen. Dass das Denkmal, das sich Politiker gemeinhin setzen, im Fall von Erwin Teufel ganz klar unter die Erde muss, begreift er da schon eher. Nach süffisantem Spott über Stuttgarts spektakuläre Sackbahnhof-Visionen, Mannheims massive Bahnhofswünsche und messerscharfen Attacken auf ambitionierte Messeaktivitäten wandte Klaus Birk sich auch noch dem Buch der Bücher zu.

Dass seine Schöpfungsgeschichte an entscheidenden Stellen deutlich vom Original abweicht, wurde ihm dabei nicht allzu sehr verübelt. Immerhin bekam Adam so auch einen Hund, der ihn auf langen Spaziergängen darüber hinwegtrösten konnte, dass Eva ganz andere Berührungsängste mit auf die Welt gebracht hatte als er. Dass Meinungsunterschiede von damals bis gestern die Menschheitsgeschichte begleiteten, lautet offensichtlich Klaus Birks bittere Erkenntnis. Traumhaft sicher deutete er sich dann auch durch traumatische Missverständnisse zwischen Mann und Frau, die sich beim Konsumverhalten ganz besonders konturenscharf nachzeichnen lassen.

Nach Exkursen in die Erotik des Rauchens und den Zusammenhang von Liebe, Hunger und frischer Kleidung konnte Klaus Birk am Beispiel des Akkubohrers als Kulminationspunkt heimlicher Männerwünsche mit fast wissenschaftlicher Akkuratesse nachweisen, wie sich der wundersame Wandel vom einfachen Werkzeug zur handfesten und treffgenauen Weihnachtsüberraschung vollziehen kann.

Wie infinitesimal eng zuweilen grenzenlose Begeisterung und unerklärliches Beleidigtsein zusammenliegen können, erläuterte er ebenfalls an vielen überzeugenden und einleuchtenden Fallbeispielen. Unter Einkaufsorgien besonders heftig leidenden "Helden" riet er dabei, sich heimlich eine Scheibe Salami ins Hosenbein zu nähen oder zu tackern. Lassen sie bei jeder besuchten Boutique die Tür hinter sich auf, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie ins Bein gebissen werden und der Einkaufsbummel früher endet . . .

Sein abschließender Rat an "Prinzessinnen", die sich wertvolle Ohrringe wünschen, lautete spätestens ab Mitte August ohne erkennbaren Grund beleidigt zu sein, um tatsächlich ein schönes Weihnachtsgeschenk zu bekommen. Wünschen lautstark Gehör verschaffen zu wollen, habe dagegen gar keinen Wert. Männer hätten schließlich einen ganz speziellen Muskel, der das Ohr ab einer bestimmten Frequenz schließt und sie im kulminierenden Konfliktfall daher ohne unnötige Emotionen darüber nachdenken lässt, wie schön das vor Ärger hochrote Gesicht der Partnerin mit der gleichfarbigen Bluse harmoniert.