Lokale Kultur

"Kleine Kostbarkeiten" gleich in Serienproduktion

KIRCHHEIM Die Sommerferien waren kaum vergangen, da begann für eine fünfzigköpfige Auswahl der Chöre der Musikschule Kirchheim bereits die heiße Phase für ein Chorprojekt ganz besonderer Art: Studioaufnahmen am vergangenen Samstag mit 23 brandneuen Kinderliedern im Konzertsaal der Musikhochschule in Stuttgart.

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Das Besondere zum ersten: Die Lieder entstammen den Federn von 17 jungen Komponistinnen und Komponisten, allesamt Studenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Sie unternahmen auch die Arrangements und die musikalische Begleitung in verschiedensten Besetzungen. Das Besondere zum zweiten: die Studioaufnahmen liegen noch vor den im Spätherbst geplanten Uraufführungen in Kirchheim und Stuttgart.

Das Besondere zum dritten: Die zwei Hauptdrahtzieher dieser äußerst spannenden Unternehmung sind zwei begeisterungsfähige Musikpädagogen. Der eine, Professor Axel Ruoff, arbeitet als Lehrer für Partiturspiel mit Studenten an der Musikhochschule, der andere, Bertram Schattel, als Chorleiter und Gesangslehrer an der Kirchheimer Musikschule. Dass die Musikschule Kirchheim über die Jahre zahlreichen jungen Musikern den Weg in die Hochschule und damit in den Musikerberuf ebnete, ist das eine, dass aber die Musikhochschule wiederum in künstlerischen Kontakt mit der Musikschule tritt, ist ein Novum.

Dass sich Musikstudenten auf Anregung eines pädagogisch erfahrenen Professors mit Kindern zu einem gemeinsamen Projekt zusammenschließen, wird bundesweit Aufsehen erregen. Partiturspiel gehört für jeden Schulmusiker an der Musikhochschule zum Pflichtkanon. Dass aus einer seit Jahrzehnten eher trockenen Pflichtübung eine äußerst praxisnahe Veranstaltung werden kann, beweist diese Idee, deren Ergebnisse sich hören lassen können.

Professor Axel Ruoff fasst seine Intention so zusammen: "Ich habe in den vergangenen Jahren versucht, einen praxisnahen Konsens im Fach Partiturspiel herzustellen. Das bedeutet einerseits ein größeres Gewicht auf die Auseinandersetzung mit schulpraktischen Partituren zum Beispiel aus dem Bereich des Kinder- und Jugendmusiktheaters, andererseits aber auch eine gezielte Vernetzung mit anderen Unterrichtsfächern des Studiums. In diesem Zusammenhang entstand die Idee zu einem Experiment, nämlich Melodien und Lieder nicht nur bearbeiten, sondern selbst erfinden und aufschreiben zu lassen. Vom Resultat war ich überrascht."

Als Komponist fügt er anerkennend hinzu: "Unabhängig davon ist für mich jedes einzelne Lied eine kleine Kostbarkeit geworden. Diese Erfahrung teilen mittlerweile auch viele Kinder und Jugendliche, die bei den letzten Proben und den ersten Aufnahmen als Sängerinnen und Sänger mit dabei waren."

Wer dachte, dass ein neunstündiger Aufnahmetag für hochgradigen Frust bei der Sängerschar sorgen würde, war am Ende eines Besseren belehrt. Die Atmosphäre während des ganzen Tages war konzentriert und entspannt zugleich. Man musste die jungen Sängerinnen und Sänger die jüngsten waren gerade mal neun Jahre alt dafür bewundern, mit welcher Disziplin und Ausdauer sie eine um die andere Wiederholung mittrugen.

Das Erstaunliche war, dass der Chor nach sieben Stunden intensiver stimmlicher Arbeit immer noch frisch und unverbraucht klang, sodass am Ende dieses ersten Tages tatsächlich 17 Lieder eingespielt und eingesungen waren und der Aufnahmeleiter sagen konnte: "Danke, das war's".

Mitte Oktober gibt es einen weiteren Aufnahmetag für die noch fehlenden sechs Lieder und dann blicken alle Beteiligten mit Freude und Spannung auf die Weltpremiere der neuen Kinderlieder am Samstag, 26. November, um 18 Uhr in der Stadthalle Kirchheim. Ein weiteres Konzert in der Musikhochschule Stuttgart ist am Sonntag, 4. Dezember, um 16 Uhr geplant. Bis dahin so hoffen alle Autoren und Mitwirkenden gibt es vielleicht schon das Liederheft und die Begleit-CD, an deren Herausgabe im Strube-Verlag emsig gearbeitet wird.

pm