Lokale Kultur

"Knusper, knusper, Knäuschen, . . ."

LENNINGEN Gemeinsam mit Dritt- und Viertklässlern der Musik-AG der Lindenschule Unterlenningen führten Kinder und Jugendliche der Musikschule Lenningen eine Oper auf. Dabei setzten sie das Märchen "Hänsel und Gretel" musikalisch und pantomimisch um. Im

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BERENIKE NORDMANN

Herbst letzten Jahres besuchte das Orchester der Musikschule die Oper "Hänsel und Gretel" in Stuttgart. Dieser Besuch gab den Anstoß, selbst eine Oper auf die Beine zu stellen. Nach dem Original des Komponisten Humperdink haben sich die Leiterinnen Vera Reinold und Gerlinde Korell zusammen mit ihren Schülern überlegt, wie sie das Stück selbst umsetzen würden. Gemeinsam mit mehreren Gruppen der Musikalischen Früherziehung aus Unterlenningen, Oberlenningen, Gutenberg und Schopfloch sowie dem Chor der Lindenschule machte man sich daran, das Projekt zu entwickeln. So fanden sich über 80 Kinder und Jugendliche zusammen, die Freude am Singen und Spielen hatten.

Unterstützt wurde das Projekt, dessen Gesamtleitung in den Händen von Vera Reinold lag, durch Eltern, die Kostüme nähten, zum Beispiel für die Hagebuttenkinder und die Butzemänner. Außerdem stellten sie das Bühnenbild zusammen. Hänsel trug selbstverständlich kurze Lederhosen und der Vater trat mit einem richtigen Beil am Gürtel auf.

In der katholischen Kirche in Oberlenningen wurde um den Altar eine Waldszene aufgebaut. Lena Kuhn spielte die Gretel und Ingo Fiegenbaum den Hänsel. Zwischen Tannen und Reisig sangen die beiden davon, dass sie lieber tanzen würden anstatt arbeiten zu müssen. Nach einem Ringelreihen zu "Brüderlein, komm tanz mit mir" nahm die Geschichte ihren Lauf. Hänsel stieß eine Milchkanne um, worauf schlagartig alles still wurde.

Sowohl dem Vater als auch der Mutter wurde ein musikalisches Motiv zugeordnet. Ein Querflötenduett begleitete den Auftritt von Francesca Otto. Sie spielte die Stiefmutter, die die Kinder in den Wald schickte. Mario Hanssum stellte den Vater dar und spielte während seines Auftritts auf der Trompete. Auf dem Klavier begleitete Daniele Hohnheiser die Gesangparts der Hauptdarsteller.

Bald wurden die Geschwister im Wald vom Gesang eines Dutzend Butzemänner mit spitzen Mützen angelockt und tanzten zu deren Lied. Später fanden sie Hagebutten, dargestellt von Kindern der Musikalischen Früherziehung, die das Lied "Ein Männlein steht im Walde" sangen. Als es Nacht wurde, durfte "Der Mond ist aufgegangen" natürlich nicht fehlen. Begleitet von einem Kanon, der die ganze Kirche erfüllte, trugen daraufhin die "Lichtkinder" Kerzen durchs Publikum und stellten sie auf dem Altar ab Symbol dafür, dass Hänsel und Gretel die Angst genommen war.

Die Hexe, gespielt von Lisa Burghard, beeindruckte das Publikum auch durch ihr Furcht erregend geschminktes Gesicht. Als Hänsel im Wald stolperte, fesselte sie ihn und zog den Jungen an einem Seil hinter sich her. Beim "Hexentanz" wurde die böse Hexe von vielen kleinen Hexen, die jüngsten erst drei Jahre alt, auf der Bühne unterstützt. Beängstigend waren aber nicht nur die Hexe, sondern auch die Geräusche während der Szene, in der sie in den Ofen geschubst wurde: Mit Flötenmundstücken wurden schrille und schaurige Töne zugleich erzeugt. Als Ofen diente eine Tür abseits der Bühne, die in rötliches Licht gehüllt war.

Nach ihrer Rückkehr zum Elternhaus stand die Familie vereint und glücklich auf der Bühne. Zum Abschluss sangen alle Darsteller gemeinsam das Lied "Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald".

Neben altbekanntem Liedgut und modernen Stücken wurde auch eine interessante Klangcollage in die Oper integriert. Als sich die Geschwister verlaufen hatten, erzeugten die Kinder der Musikalischen Früherziehung eine spannende Geräuschkulisse. Durch Knüllen von Papier und Zerbrechen von Zweigen wurde zum Beispiel die Angst der Geschwister untermalt.

"Wichtig war uns, dass die Kinder aktiv musizieren," berichtet Gerlinde Korell. Das Projekt zeigte den Schülern auch, wie man eine Oper vorbereitet und welche Rollen besetzt werden müssen. Lena Kuhn, die wie Ingo Fiegenbaum in der Gesangklasse von Cecilia Tempesta singt, hatte sich gerne für die Rolle der Gretel gemeldet. Wie viele andere, so hatte auch sie Lampenfieber, da die Oper die erste Aufführung ihrer Art für die zwölfjährige Schülerin war.

"Obwohl die Kinder aufgeregt waren, konnten alle ihre Lieder auswendig singen," berichtet Sigrid Kirchner, die den Chor der Unterlenninger Lindenschule leitet. Das Publikum war ebenfalls begeistert. Bei bekannten Liedern sangen sogar die kleinen Zuschauer mit und verfolgten gespannt das Geschehen auf der Bühne. Wie das Publikum, so waren auch die Darsteller selbst stolz auf ihre Aufführung. Ein kleiner Butzemann meinte: "Das ist mein schönster Tag heute!"