Lokale Kultur

Königliches aus Musicals

HOCHDORF Standig Ovations gab es in der Breitwiesenhalle angeblich noch nie. Marc Gremm hat es geschafft, als er zusammen mit Marion Furtner und Pianist Michael Pflumm durch die Welt des Musicals

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ROLAND KURZstreifte. Gewiss, es war ein Heimspiel in Hochdorf mit einem starken Fanblock. Aber der 34-Jährige bewies, dass er die Titelrolle im Neuschwanstein-Musical Ludwig problemlos ausfüllen kann.

Neunmal durfte Marc Gremm inzwischen von seiner Dauerrolle als königlicher Freund Graf Dürckheim in des Königs Kleider schlüpfen. Er identifiziere sich absolut mit Ludwig, sagt der sympathische Romantiker aus Hochdorf, dem auch sein Auftritt "in der Heimat" zu Herzen geht. Gremm bedankt sich mit viel Herz. Zunächst mit Hervorragendem aus "Les Miserables", dann mit einem lässigen Spaziergang über Lloyd Webbers "Sunset Boulevard". "Wie kann ich sie lieben?" aus "Die Schöne und Das Biest" lässt zum ersten Mal Beifall aufbrausen.

Ohne Kulisse, ohne Kostüm zieht Gremm sein Publikum mit genau dosierter Gestik in die Geschichten hinein. Der Bariton beweist enormen Stimmumfang, ist ganz stark in den Tiefen, erklimmt ohne Mühe die Höhen des Tenors. Den Swing von Frank Sinatra erreicht der Musicalsänger in "New York" zwar nicht ganz, aber auch mit Vibrato kann man die Gänsehaut kribbeln lassen. Die Hochdorfer schmelzen jedenfalls beim Little-Town-Blues aus dem Melting-Pot dahin.

Zwischendurch entführt die Wienerin Marion Furtner in den "Secret Garden". Aus "Tanz der Vampire" singt sie, die sonst Vampirin ist, als Sarah ihr Lieblingslied "Draußen ist Freiheit". Sänge die Musicalsängerin am deutschen Schlagerhimmel, leuchtete sie mit ihrer klaren Stimme vermutlich als Stern. Beim Fortissimo geht sie allerdings an die Grenze ihres Volumens.

Für die Zugabe montiert Gremm seinem Pianisten das Mikrofon vor die Nase. Michael Pflumm kann mehr als am Klavier begleiten. Sein "Halt mich" von Grönemeyer kann sich jederzeit mit dem Original messen. Und in Sinatras "My Way" wandelt er mit Gremm auf gleicher Höhe.

Mit dem Duett "Wenn ich tanzen will" aus dem aktuellen Stuttgarter Musical "Elisabeth" schicken Gremm und Furtner das Publikum in die Pause. Mit "Totaler Finsternis" aus "Tanz der Vampire" holen sie es wieder "in ein Meer von Gefühl" zurück. Haben sich der Bariton und die helle Wiener Stimme in "Elisabeth" leicht gerieben, finden sie in der Finsternis glänzend zusammen. Ein Ausflug Furtners in den "Kleinen Grünen Horrorladen" sorgt mit spitzer Ironie für Abwechslung.

Mit zwei Arien aus "Ludwig2" wirbt Gremm für das Musical im Füssener Schauspielhaus. Sein Chef kann mehr als zufrieden sein. "Geliebte Berge" die tragende Melodie des Ludwig-Stückes und "Kalte Sterne" bilden den Hochpunkt am Hochdorfer Abend.

"Ewig ist das Streben für die Kunst zu leben", singt Märchenkönig Ludwig. Die Hochdorfer werden wohl bald nach Füssen streben nicht nur weil der Forggen-Stausee zwischen Schauspielhaus und Schloss Neuschwanstein wieder mit türkisblauem Gletscherwasser gefüllt ist.