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KommentarTotgeburt

von Bernd Köble

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Gut organisiert, landschaftlich einzigartig und sportlich reizvoll, so das einhellige Urteil der Radler, die bei der vierten und wohl auch letzten Auflage des Kirchheimer Albtraufmarathons ins Ziel keuchten. Keine Frage, mit dem Mountainbike-Event verliert Kirchheim, das sich so gern als Zentrum des Sports positioniert, ein weithin sichtbares Aushängeschild. Ein Scheitern, das verwundert – zumindest auf den ersten Blick.

Inmitten eines Bike-Reviers, von dem andere Regionen träumen und in Zeiten, da ein wachsendes Heer gesundheitsbewusster Freizeitsportler ungeachtet aller Skandale dem Radsport huldigt, was kann da noch schief gehen? Vieles, wie man inzwischen weiß. Die Fehlerkette in Kirchheim ist lang. Wer es drastischer mag: Der Albtraufmarathon – eine Totgeburt. Wer als Veranstalter im sensiblen Naturraum operiert, braucht einen langen Atem, Feingefühl und überzeugte Fürsprecher. Er braucht vor allem begeisterungsfähige Partner, die um der Sache willen bereit sind, über den eigenen Schatten zu springen und den Amtsschimmel hart an die Kandare zu nehmen. Das funktioniert nur, wenn zwischen allen Seiten die sprichwörtliche Chemie stimmt.

In Kirchheim stimmte sie nicht. Statt Begeisterung für ein gemeinsames Ziel herrschte Argwohn und gegenseitiges Misstrauen von Beginn an. Albert Bosler ist ein Mann, der für den Radsport lebt. Dass er neben der nötigen Leidenschaft auch über organisatorisches Geschick verfügt, beweist er seit Jahren als Kopf des Kirchheimer Straßenrennens. Beim Albtraufmarathon hat ihn sein Gespür fürs richtige Timing verlassen. Dass der württembergische Verbandsfunktionär gleich im Premierenjahr zum Geisterfahrer wurde, schärfte den Blick von Polizei und Behörden. Die inoffizielle Zeitnahme trotz ausdrücklichen Verbots gab dem Mann, der vom Rennen vor der eigenen Haustür träumte, vom Start weg eine schwere Hypothek mit auf den Weg. Fortan hieß es wohl: Wir können auch anders. Als der Radsportverein seinen Frontmann schließlich aus der Schusslinie nahm und sich offen zum Breitensport bekannte, war es längst zu spät. Verlierer sind nun all jene, die sich im September mit Feuereifer in den Sattel schwangen und die Natur genossen. Sie können sich trösten: Der Albtrauf bleibt – mit oder ohne Marathon.