Lokale Kultur

Komponist, Literat, Unternehmer

KIRCHHEIM Komponist, Literat, Musikunternehmer mit diesen Attributen näherte sich Dr. Bernhard Moosbauer im Rahmen einer musikalisch-literarischen Soiree der Person Georg Philipp Telemanns. Wie

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FLORIAN STEGMAIER

schon vor einem Jahr, als zu unrecht vergessene Violinvirtuosen im Mittelpunkt standen, konnte sich auch diesmal die vom Literaturbeirat in der Städtischen Galerie im Kornhaus veranstaltete Soiree eines regen Zulaufs erfreuen.

Im Laufe des Vortrags, bei dem auch zeitgenössische Quellen herangezogen wurden, konnte Dr. Moosbauer aus seiner Doppelbegabung schöpfen: der Referent ist schließlich nicht nur promovierter Musikwissenschaftler, sondern kann zudem auf eine rege Konzerttätigkeit als Solist, sowie in zahlreichen Ensembles zurückblicken. Er ergänzte dann auch das gesprochene Wort mit seinem Vortrag mehrerer Fantasien für Violine solo, natürlich aus der Feder Telemanns.

Im Jahre 1681, vier Jahre vor Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel, wurde Georg Philip Telemann in Magdeburg als Sohn einer protestantischen Pfarrersfamilie geboren. Seine berufliche musikalische Laufbahn beginnt 1701, als er vom Leipziger Bürgermeister den Auftrag zur Komposition von Kirchenkantaten bekommt. Telemann bricht sein Jurastudium ab und übernimmt in der Folge die Leitung der Leipziger Opernbühne, das Kantorenamt an der Neukirche und gründet das "Collegium Musicum" zur Veranstaltung öffentlicher Konzerte.

Diese aktive Förderung des öffentlichen Konzertbetriebs, verbunden mit einem pädagogischen Impetus arbeitete Dr. Moosbauer als typische Kennzeichen des Telemannschen Lebens und Wirkens heraus. Seine rege musikalische und organisatorische Tätigkeit offenbare zudem regelrechte "Managerqualitäten". Bei seinem Tod am 25. Juni 1767 in Hamburg, war Georg Friedrich Telemann der berühmteste und geachtetste deutsche Musiker weit und breit.

Sein großes Ansehen und seine Verdienste waren unbestritten. "Ein Lully wird gerühmt, ein Corelli ist zu loben, nur Telemann allein ist übers Lob erhoben", reimte einst Johann Mattheson, zentrale Figur der deutschen Musikschriftstellerei der damaligen Zeit. Seine großen Leistungen verblassten jedoch allzu rasch. Man begann gerade, das an ihm zu kritisieren, wofür man ihn zuvor gerühmt hatte. Im Gefolge der aufkommenden Bach-Renaissance und einer preußisch gefärbten Geschichtsschreibung wurde er gar zur Zielscheibe nationalistisch gefärbter Polemik. Diese auffallend schnelle Abnahme seines Ruhmes wurde nach den Ausführungen von Dr. Bernhard Moosbauer durch mehrere Faktoren verursacht, etwa durch das Aufkommen der Musik Glucks und Haydns und dem Wechsel der ästhetischen Anschauungen.

Erst sehr viel später in den 1920er-Jahren begann man seine Musik wieder zu entdecken. Bernhard Moosbauer beleuchtete auch Telemanns literarisches Schaffen. Zum Anlass des Todes seines Freundes und Kollegen Johann Sebastian Bach, für dessen zweiten Sohn Carl Phillip er die Patenschaft übernommen hatte, verfasste Georg Friedrich Telemann ein Sonett. Auch mit Händel verband ihn eine gute, von gegenseitigem Respekt geprägte Freundschaft. Die Wertschätzung Händels zeigte sich unter anderem darin, dass er musikalische Gedanken, Phrasen und Melodien Telemanns aufgriff und in eigene Werke einbezog, wobei er sie freilich seinem eigenen Stil anverwandelte, also nicht einfach kopierte.

Dieses Verfahren sei keine Seltenheit gewesen, machte Dr. Moosbauer deutlich, dass es vielmehr als Beweis höchster Achtung galt. Mit zwei Briefen von Händel an Telemann, in denen unter anderem eine Sendung kostbarer Pflanzen in Aussicht gestellt wird, brachte Dr. Bernhard Moosbauer seinem Publikum den Komponisten von einer weniger bekannten, aber äußerst liebenswürdigen Seite nahe.