Lokale Kultur

Konfusion im Schwaben-Käfig

Städtleskomede Neuffen feierte 25-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsstück

Kirchheim. Mit einer schwäbischen Komödie begeisterten die Theatermacher aus Neuffen ihr Publikum in der gut besetzten Kirchheimer Stadthalle. Autor Wolfgang Bräutigam schöpfte ausgiebig aus dem großen Reservoir beliebter Rollenklischees, während Regisseur Thomas Oser seine Mimen überzeugend in Szene setzte.

RAINER STEPHAN

Vor Beginn der eigentlichen Aufführung wurde das Publikum erst einmal so richtig in Theaterstimmung gebracht: Zwei Technikmitarbeiterinnen des fiktiven Fernsehsenders „Schwaben-TV“, alias Alex Käbele und Uli Steckerle, führten mit ihren Dialogen und Sprüchen dem Publikum plastisch vor Augen, worauf es bei einer Fernsehaufzeichnung anzukommen hat.

Neuffens Bürgermeister Bernd Schlaule und sein Kumpan, Stadtrat Klaus Sumpf, konnten dem Reiz der medialen Möglichkeiten nicht widerstehen und hatten deshalb zwecks besserer Vermarktung ihres Provinzstädtchens eine Fernseh-Container-Sendung mit dem Titel „Large  Mother“ an Land gezogen. Um das Vorhaben nicht von vorneherein zu gefährden, wurden die beiden Ehefrauen der Kommunalpolitiker und die Oma auf Reisen geschickt. Selbst der Putzfrau Fatima Pützkübülü wurde ein dreiwöchiger Zwangsurlaub unter Vorspiegelung falscher Tatsachen auferlegt.

Alles wurde bestens vorbereitet und die Kameras in Position gebracht, sodass die Kandidaten in den Container einziehen konnten. Im vorgeschalteten Bewerbungsverfahren kamen die hübsche Krankenschwester Carola Muckenfuß, der gut aussehende Medizintechniker Manfred Birk, der als „Moralapostel“ platzierte Mesner Dietmar Frohm und die karrieregeile Praktikantin Saskia Baum zum Zuge.

Selbstredend gesellten sich zum bunten Völkchen noch der durchtriebene Kommunalpolitiker Klaus Sumpf und als „Ehrengast“ Verona Ackerstrauch hinzu. Letztere wurde vom Stadtrat sogleich heiß begehrt. Entsetzt musste der Heißsporn jedoch feststellen, dass es sich bei der begehrenswerten Frau um keinen anderen als seinen, als Dame verkleideten Schultes handelte. Darsteller Walter Woitzik wusste hierbei besonders als schrullig-mondäne Dame in seiner Doppelrolle zu gefallen.

Diesem Schreck folgte die größtmöglich anzunehmende Katastrophe auf den Fuß: Die unverhoffte Rückkehr der Ehefrauen mitsamt agiler Großmama. Alle drei waren natürlich überrascht und verblüfft über das, was sich im biederen Wohnzimmer des Bürgermeisters nunmehr so abspielte.

Nichts ahnend von der „schwäbischen Wohngemeinschaft“ begann nun ein buntes Verwechslungsspiel mit allerlei Irrungen und Wirrungen. Zuvor wurde noch auf der Bühne durch einen Kulissenumbau der veränderten Situation Rechnung getragen, indem fünf Bühnentechniker binnen kürzester Zeit aus dem Wohnzimmer-Bühnenbild ein modernes Fernsehstudio mit sieben Sitzballen schufen.

Als „Running Gag“ und Lachsalvenspender diente ein aus der Türkei übersandtes „Zauberwässerle“, das dem jeweiligen Flaschenöffner immer drei Wünsche ermöglichte. Den Flaschengeist und die gute Fee stellte der als „bezaubernde Jeannie“ verkleidete Medizintechniker Manfred dar.

Derselbe war zugleich besonders angetan von der schönen Krankenschwester Carola, mit der er – sehr zum Gefallen des Publikums – manch schmachtende Liebesszene spielte. Auch die Oma trat häufig lautstark auf, was teils auf ihren starken Alkoholgenuss zurückzuführen war. Mal vertrieb sie die Krankenschwester ob ihrer übel riechenden Käsefüße, ein anderes Mal suchte sie vergeblich nach ihren vermissten Hühnern. In deren Stall sperrten der Bürgermeister respektive Verona Ackerstrauch im Verlaufe der Handlung öfters die Putzfrau und andere ein, wenn sie als Gefahr für die gefürchtete Enthüllung angesehen wurden.

Geschickt wurden vom Regisseur die zurückgekehrten Ehefrauen mehrmals hinter einem Paravant platziert, um diese im Laufe der Zeit durch Mithören der Geschehnisse über die wahren Begebenheiten im Hause des Bürgermeisters aufzuklären. Die anfängliche Entrüstung über das aufgefundene Sodom und Gomorrha wich am Schluss dem Wunsch der Frauen, endlich auch mal im Fernsehen auftreten zu dürfen – und sei es nur bei Aufnahmen aus dem Gemüsegarten des Hauses. Dieser wurde jedoch von den „Schwaben-TV“-Mitarbeitern beim Zaunaufbau zertrampelt.

Auch der ledige Mesner fand mit der Zeit seinen Weg von der totalen Ablehnung der Szenerie hin zum Gefallen am anderen Geschlecht und der Liebe fürs Leben mit Fatima Pützkübülü. Nachdem zum Schluss die Inkognitos gelüftet und Sachverhalte klar waren, löste sich freilich alles in Wohlgefallen auf, da die Fernsehübertragung mit der befürchteten Negativwerbung für handelnde Personen und das geliebte Städtle wegen eines Kabelrisses gar nicht zustande gekommen war. Der lang anhaltende Applaus der Gäste für die gut zweistündige Aufführung wurde den Akteuren mit Recht zuteil.

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