Lokale Wirtschaft

Konzerne prüfen Zulieferer auf Herz und Nieren

Wie wird ein kleiner schwäbischer Betrieb Serienlieferant des VW-Konzerns? Axel Egerer, Geschäftsführer der Wenauer Firma Jürgen Prakesch Zerspanungstechnik GmbH, ließ einfach nicht locker. Vier Jahre lang habe er in Wolfburg versucht, Kontakte zu knüpfen. Im April wurde der Vertrag unterzeichnet.

KLAUS HARTER

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WERNAU Fest steht für Axel Egerer, dass sich der Umzug von Kirchheim nach Wernau längst bezahlt gemacht hat. Am alten Standort, in dem die Produktion eingezwängt war und die Maschinen zusammengedrängt standen, wäre es schwieriger gewesen, Auftraggeber wie VW oder zuvor DaimlerChrysler und Mercedes AMG von der Leistungsfähigkeit der Firma zu überzeugen. So wie Kleider Leute machen, ist für Betriebe der äußere Eindruck auf Kunden von Bedeutung.

Im Wernauer Industriegebiet Neckartal verfügt die Firma Prakesch seit Oktober 2002 über ein repräsentatives Verwaltungsgebäude. Zudem steht mit 2600 Quadratmetern eine zweieinhalb Mal so große Produktionsfläche zur Verfügung. Damit die Arbeitsabläufe rationell und effektiv sind, holte sich die mittelständische Firma bei der Planung Unterstützung von der Fraunhofer-Technologie-Entwicklungsgruppe. Den Maschinenpark erweiterte sie mit modernsten Drehmaschinen.

Der Umzug erfolgte jedoch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld: Die Konjunktur lahmte, manche Kunden verlagerten ihre Produktion ins Ausland oder vergaben keine Aufträge mehr nach außerhalb, weil sie ihre eigene Kapazitäten auslasten wollten, berichtet Egerer. Es habe einiger Anstrengungen bedurft, das Unternehmen in ein sicheres Fahrwasser zu manövrieren. Das sei gelungen, "weil wir viele renommierte Kunden dazu gewonnen haben".

Die Aufträge der Autokonzerne wertet der Geschäftsführer als Bestätigung für die Qualität des Unternehmens. Vor der Vertragsunterzeichnung "haben die uns einen ganzen Tag lang förmlich auseinander genommen". Pro Jahr müsse der Betrieb "fünf bis sechs Audits von Kunden" bestehen. "Es ist schon ein Kraftakt, den Anforderungen der Konzerne gerecht zu werden", sagt Egerer. "Das wäre nicht einfach für eine mechanische Werkstätte im Hinterhof."

Serienlieferant von VW zu sein ist prestigeträchtig. Ziel der Firma Prakesch bleibt aber, "breitgefächert" zu agieren, erklärt der Geschäftsführer. Das verringert die Gefahr von Abhänigkeiten, das Risiko wird gestreut. "Wir bedienen nach wie vor jeden Industriebereich." Besonders gut sei die Auftragslage aus dem boomenden Maschinenbau.

"Durch die Automatisierung haben wir die Möglichkeit, wettbewerbsfähig zu fertigen. Es muss nicht alles ins Ausland", betont Egerer. "Natürlich muss auch die Qualität stimmen." Dafür benötige ein Betrieb nicht nur modernste Technik, sondern ebenfalls eine qualifizierte Mannschaft. Seit dem Umzug ist die Belegschaft mit 35 Beschäftigten, darunter sechs Auszubildende, konstant geblieben. Doch nun soll sie wachsen. Einige Maschinen laufen, so Egerer, im Dreischichtbetrieb. Bei manchen Aufträgen muss Prakesch sogar Subunternehmer einschalten. "Wir haben Geschäft, aber zu wenig Leute." Allerdings sei es schwierig, Facharbeiter zu finden.

In dieser Situation zahle es sich aus, dass die Firma seit 1998 selbst ausbilde. Außerdem achte sie darauf, die Mitarbeiter weiter zu qualifizieren. "Die Ansprüche werden immer höher." Axel Egerer beklagt einen Mangel an Zerspanungstechnikern. Schulen und die Innungen sollten hier stärker entgegensteuern, fordert er. Um qualifizierten Nachwuchs für den Beruf zu interessieren, biete seine Firma regelmäßig Praktika an. Derzeit beschäftige sie auch Ferienarbeiterinnen. Vielleicht finden ja Mädchen Interesse an der Metallverarbeitung . . .

Zu schaffen machten dem Unternehmen die steigenden Energie- und Materialkosten, vor allem für Stahl. Die Herstellungszeiten und Liefertermine "werden immer kürzer", berichtet Egerer. Das erfordere flexible und leistungsbereite Mitarbeiter und eine gute Logistik. Was den Geschäftsführer freut: Die Beschäftigten haben ihre Firma kürzlich bei einer Mitarbeiterbefragung "durch die Bank positiv bewertet".

Was für den eigenen Betrieb gut ist, nützt auch anderen. So hat die Firma Prakesch zunächst als Verbesserung für sich selbst ein Werkzeug für CNC-Drehmaschinen entwickelt. Inzwischen hat sie ein Patent für den CNC-autojust erhalten und vertreibt das System über einen großen Werkzeuganbieter. Es handelt sich um einen Mechanismus, der den Aufprall des Werkzeugrevolvers auf das Material dämpft und so Erschütterungen vermeidet, die ein Nachjustieren erfordern. Die Drehmaschinen stehen weniger still, das System spart somit Kosten, denn Zeit ist schließlich Geld.