Kirchheim

Kreis koordiniert die Pflege-Ausbildung

Kooperation Die Pflegeschulen der Medius-Kliniken in Ruit und Nürtingen bilden gemeinsam mit der Fritz-Ruoff-Schule den neuen „Campus für Pflegeberufe“ auf dem Nürtinger Säer. Von Andreas Volz

Für Pflegeberufe gibt es ab 2020 auf dem Nürtinger Säer eine „generalistische“ Ausbildung.Symbol-Foto: Markus Brändli
Für Pflegeberufe gibt es ab 2020 auf dem Nürtinger Säer eine „generalistische“ Ausbildung.Symbol-Foto: Markus Brändli

Gut gemeint ist nicht immer gut gedacht: Diese besondere Regel gilt auch für das „Pflegeberufe­reformgesetz“. Es soll die Arbeit in der Pflege attraktiver machen, die Ausbildung verbessern und somit bundesweit dazu beitragen, den Pflegenotstand zu beheben. So weit die Theorie. In der Praxis hat das Gesetz allerdings einen Haken: Die Anforderungen, die es an eine Pflegeausbildung stellt, sind derart komplex, dass kleinere Träger schnell kapitulieren könnten. Die vielen unterschiedlichen Stationen der praktischen Ausbildung zu koordinieren, ist allein schon eine Herausforderung, die allenfalls große Häuser leisten können.

Der Landkreis Esslingen will genau dem entgegenwirken und dafür sorgen, dass auch kleinere Häuser und Pflegedienste weiterhin eigene Kräfte ausbilden können: Zu diesem Zweck schafft der Landkreis einen eigenen „Bildungscampus für Pflegeberufe“. Die Pflegeschulen der Medius-Kliniken in Nürtingen und Ruit arbeiten dabei eng mit der Nürtinger Fritz-Ruoff-Schule zusammen. Landrat Heinz Eininger zufolge ist eine solche Kooperation einmalig in Baden-Württemberg - zumindest bislang: „Vielleicht machen es uns andere bald schon nach.“

Der Vorteil, den der Bildungscampus zu bieten hat, ist die Arbeit, mit der sich die Fritz-Ruoff-Schule einbringt: Für alle Ausbildungsträger übernimmt sie die Koordination der Pflegeeinsätze. „Die Träger selbst kümmern sich nur um die konkrete Einsatzplanung bei sich vor Ort“, sagt Norbert Nadler, Direktor der Medius-Klinik in Nürtingen. Eine weitere Schwierigkeit, die der Pflege-Campus den Ausbildern ebenfalls abnimmt, ist der Ausbildungsplan, der bereits vor dem Beginn der dreijährigen Lehre für die gesamte Zeit festzulegen ist.

Kurse für „Praxisanleiter“

Hinzu kommt, dass nur noch diejenigen Pflegeeinrichtungen ausbilden dürfen, die vor Ort „Praxisanleiter“ stellen können. Auch für diese Praxisanleiter - so etwas wie Mentoren an der Ausbildungsstätte - bietet der Campus auf dem Nürtinger Säer Kurse an. Die Kurse dienen zum einen der grundsätzlichen Qualifikation als „Anleiter“ und zum anderen der regelmäßigen Fortbildung. Letztere ist nachzuweisen, um die Berechtigung, als Praxisanleiter tätig sein zu dürfen, nicht zu verlieren.

Bevorzugt wird nach der neuen Gesetzeslage eine „generalistische Ausbildung“. Diese wird europaweit anerkannt und wohl auch besser vergütet als eine Ausbildung, die etwa „nur“ auf Altenpflege spezialisiert ist. Zur generalistischen Schiene gehören eben auch die Krankenpflege oder die Kinderkrankenpflege. Wer diese Ausbildung absolviert, kann auf allen Feldern der Pflege eingesetzt werden, im Gegensatz zu den Fachkräften mit spezieller Ausbildung.

Die ersten beiden Ausbildungsjahre sind aber auf jeden Fall generalistisch angelegt und werden von allen gemeinsam absolviert - was den theoretischen Unterricht betrifft. Erst im dritten Jahr folgt die genauere Festlegung.

Warum sollte sich jemand im dritten Jahr nur auf die Altenpflege festlegen und sich somit die Bandbreite der Einsätze und ein potenziell höheres Gehalt entgehen lassen? Silvia Blankenhorn, die Leiterin der Fritz-Ruoff-Schule, verweist in diesem Zusammenhang auf die höheren Ansprüche der generalistischen Abschlussprüfung. „Außerdem kann es durchaus auch Azubis geben, die von vornherein wissen, dass für sie nur die Altenpflege in Betracht kommt.“

Landrat Eininger betont, dass der Bildungscampus allen Einrichtungen die gleichen Chancen und Vorteile bietet: „Ob Pflegeheime, ambulante Dienste oder stationäre Krankenversorgung - nur wenn alle zusammenarbeiten, können auch alle profitieren. Und das ist der sozialpolitische Auftrag, der sich für uns dahinter verbirgt.“

Der neue Pflege-Campus und die neuen Fachkräfte

Dem Pflegenotstand soll der Campus auf dem Säer entgegenwirken. Aber ohne Pflegekräfte aus dem Ausland wird es nicht funktionieren, sagt Thomas Kräh, Geschäftsführer der Medius-Klini­ken. „Wir haben zum Beispiel sehr positive Erfahrungen mit Personal von den Philippinen gemacht.“

Für Migranten ist die dreijährige Pflegeausbildung ebenfalls ein Weg in den Beruf. Gegebenenfalls geht hier aber noch der zweijährige Kurs „Altenpflegehilfe mit Migrationshintergrund“ voraus.

Start der Ausbildung auf dem Säer-Campus ist am 1. April 2020 (für Ruit) und nach den Sommerferien 2020 (für Nürtingen).vol

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