Kirchheim

Kretschmann lädt seine Akkus in Kirchheim auf

Sommertour Zum Abschluss seines ersten Wandertags im Ländle kehrt der baden-württembergische Ministerpräsident im Weindorf ein. Von Andreas Volz

Ministerpräsident Kretschmann zu Besuch auf dem Kirchheimer Weindorf
Ministerpräsident Kretschmann zu Besuch auf dem Kirchheimer Weindorf

Hoher Besuch im Kirchheimer Weindorf: Kurz nach Annlena Götz, einer pfälzischen Weinprinzessin, die aus Dettingen stammt, gibt sich auch Winfried Kretschmann die Ehre. Außer um Wein geht es an seinem Tisch immer wieder um die große Politik. Wo es gerade passt, gibt der Ministerpräsident zwischen Händeschütteln und Smartphone-Fotowünschen auch so einiges Privates preis.

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Der Besuch im Weindorf war Bestandteil der alljährlichen Sommertour des Ministerpräsidenten. Gestern hat sie in Hülben begonnen, mit einer Besichtigung des Heidengrabens. Offen gesteht Winfried Kretsch­mann: „Das war für mich einer der Höhepunkte. Ich wusste schlichtweg nichts davon, dass die Kelten auch mal da waren.“ Dafür schwebt ihm jetzt vor, den Heidengraben mit der Heuneburg und mit Hochdorf als keltische Stätten im Land stärker zu vernetzen: „Erst dadurch entfalten diese Orte eine gemeinsame überregionale Anziehungskraft.“

Für nähere Informationen sorgt Andreas Schwarz, der Kirchheimer Abgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag: „Die Bürgermeister von Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Hülben haben das an uns herangetragen.“ Für eine bessere Vermarktung des Heidengrabens gebe es bereits Konzepte. Bei der Umsetzung müssten die Kommunen in Vorleistung gehen, das Land könne dann für Unterstützung sorgen. Bei diesem Stichwort hakt Winfried Kretschmann wieder ein und sagt: „Die Bürgermeister haben die günstige Situation genutzt. Die beiden Fraktionsvorsitzenden der Regierungskoalition sind nämlich die Herren des Geldes.“

Hülben war für den Ministerpräsidenten auch in anderer Hinsicht ein wichtiger Anlaufpunkt: Zwischen den einzelnen Wanderabschnitten ist er auf der Sommertour nämlich im Elektroauto unterwegs. Das konnte er am Morgen in Hülben wieder aufladen - wie am Abend in Kirchheim, wo Kretschmann auf dem Weindorf auch den eigenen Akku lud: „Wir sind tatsächlich gewandert, 15 Kilometer“, sagt er zum Tagespensum. „Das ist kein Spaziergang. Es sind ein Haufen Bürger mitgewandert. Die können ihre Anliegen vorbringen und haben reichlich Gebrauch davon gemacht.“

Gleich hakt auch Kirchheims Oberbürgermeisterin nach und bringt ein Anliegen zum auslaufenden Solidarpakt auf Bundesebene vor. Stünde dieses Geld künftig auch den Geberländern zur Verfügung, wäre das für Kirchheim eine willkommene Zusatzeinnahme. Dazu kann der Ministerpräsident aber nichts versprechen: „Vielleicht läuft außer dem Pakt ja auch gleich der gesamte Solidaritätszuschlag aus.“

Bierbotschafter auf dem Weindorf

Langsam sollte die Bestellung erfolgen: Winfried Kretschmann ordert einen trockenen Rotwein und zitiert dabei Wilhelm Busch: „Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben.“ Da er sich im württembergischen Landesteil befindet, kommt natürlich ein Trollinger auf den Tisch. Genüsslich berichtet der ranghohe Gast auf dem Weindorf, dass anderntags zum Abschluss eine Verkostung regionaler Craft-Biere in Urach auf dem Programm steht. Nebenbei erwähnt er: „Ich bin ja gerade Botschafter des Bieres.“ Dieses „Amt“, das der Deutsche Brauer-Bund jedes Jahr neu vergibt, hat er von Bundestagspräsident Norbert Lammert übernommen.

Wenn gerade keine Bürger an den Tisch kommen, wird mit Karl Zimmermann gefrotzelt: „Euch geht‘s ja so gut mit uns“, sagt der grüne Ministerpräsident zum CDU-Abgeordneten, „mir machat ja fascht älles, was ihr wollat.“

Neue Konstellation, neue Gäste am Tisch: Plötzlich geht es ums Golfen, und Winfried Kretsch­mann erzählt von seinem schottischen Schwiegersohn: „Der hat mich ins Golfen eingeführt. Das ist dort so normal wie bei uns Fußball.“ Kretschmann als begeisterter Golfer? Man kann es sich kaum vorstellen. Prompt erklärt er auch: „Ist aber nicht ganz mein Fall.“

Voll in seinem Element ist er dafür am Freitag, zum Abschluss der Sommertour: „Da mache ich eine Führung in der Wallfahrtskirche Birnau. Der oberschwäbische Barock ist eines meiner Hobbys.“

Pfälzische Weinprinzessin aus Dettingen: Annalena Götz wurde gestern auf dem Weindorf von der politischen Prominenz übertrumpft.
Pfälzische Weinprinzessin aus Dettingen: Annalena Götz wurde gestern auf dem Weindorf von der politischen Prominenz übertrumpft.