Lokale Wirtschaft

Krise hat sich im Wald früh abgezeichnet

Holzpreise sind teilweise schon seit 2007/2008 massiv zurückgegangen – Kirchheimer Stadtwald wirft trotzdem Überschuss ab

Des einen Leid, des andern Freud: War der durchwachsene Sommer 2008 für Erholungssuchende und Freibadbetreiber nicht immer ein Hochgenuss, so stellte sich das Wetter im vergangenen Jahr für die Waldbesitzer als ideal heraus, wie Revierförster Daniel Rittler dem Kirchheimer Finanz- und Verwaltungsausschuss mitteilte. Auch finanziell war 2008 ein gutes Jahr für den Kirchheimer Stadtwald: Ein Überschuss von 70 000 Euro kann sich sehen lassen.

Andreas Volz

Kirchheim. „Das Wetter hat mitgespielt“, sagte Revierförster Rittler im Sitzungssaal des Kirchheimer Rathauses, „immer wieder Regen, und das nicht zu wenig“. Der Albtraum eines jeden Sonnenanbeters ist genau das, was der Wald braucht. „Den Bäumen tut das gut“, meinte Daniel Rittler. Das zeigt sich unter anderem daran, dass dieses Wetter dem Borkenkäfer überhaupt nicht bekommt. So seien im vergangenen Jahr denn auch keine Borkenkäferschäden im Kirchheimer Stadtwald zu verzeichnen gewesen. Ein anderer Schädling ist dagegen mit technischen Mitteln aus der Luft bekämpft worden: Im Mai gab es am Hohenreisach Hubschraubereinsätze gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners.

Im Gegensatz zum Regen und zu manchen Schädlingen haben sich die Holzpreise allerdings weder als konstant noch als verlässlich erwiesen. Habe es im Frühjahr 2008 noch eine starke Nachfrage gegeben, so sei der Höhepunkt doch bereits überschritten gewesen, führte Walter Hegelau, der Sachgebietsleiter Ost der Unteren Forstbehörde im Esslinger Landratsamt, aus. Diesen Höhepunkt der Holzpreise datierte er auf 2006/2007. Aber bereits 2007/2008 sei ein „massiver Einbruch“ bei der Fichte gekommen: „Da haben wir schon die Vorzeichen der Krise gesehen. Der US-Markt war eingebrochen, der Hausbau ging zurück.“

Inzwischen sei es auch in der EU so weit, die Werke hätten keine Aufträge mehr. Auf dem Holzmarkt sei ein deutlicher Rückgang bei der Buche hinzugekommen. „Wir sind froh, wenn wir überhaupt 50 Prozent des Einschlags verkaufen können“, erklärte Walter Hegelau. Auf Nachfrage erläuterte es außerdem, dass jetzt nicht der halbe Bucheneinschlag im Stadtwald herumliege. So lange könne das Holz gar nicht lagern: „Wir schlagen auf Bestellung und hatten auch nur die Hälfte freigegeben.“

Trotz aller Preis- und Nachfragerückgänge hat der Kirchheimer Stadtwald 2008 einen Überschuss von 70 000 Euro erwirtschaftet. Und das, obwohl viel investiert wurde, wie Revierförster Rittler mitteilte. Mittel seien in die Jungbestandspflege geflossen, aber auch für den Ankauf von Grundstücken verwendet worden. In den vergangenen Jahren seien insgesamt rund zwölf Hektar erworben worden. Diese Flächen sollen künftig dem Anbau von Energieholz dienen. Aus dem Stadtwald allein lasse sich der Energieholzbedarf – etwa für Hackschnitzelheizanlagen – nicht decken. Zum einen seien die Preise nicht sonderlich hoch, und außerdem sei es nicht angemessen, Bäume 100 Jahre lang zu hegen und zu pflegen, um sie anschließend zu Holzhackschnitzeln zu verarbeiten.

Bei neuen Energieholzflächen müssten Stadt und Forstbehörden allerdings noch Widerstände der Unteren Naturschutzbehörde überwinden. Dort werde noch argumentiert, dass Energieholzflächen der Nahrungsmittelproduktion wertvolle landwirtschaftliche Flächen entzögen, sagte Daniel Rittler. Auch das Thema Vogelschutz führe die Behörde ins Feld, was für den Kirchheimer Revierförster aber nicht nachvollziehbar ist. Seiner Meinung nach sind Holzplantagen eher ein Vorteil als ein Nachteil für die Vogelwelt.

Unabhängig von der Energieholzfrage sieht der Betriebsplan für den Kirchheimer Stadtwald 2009 einen Überschuss von rund 45 000 Euro vor, wobei Walter Hegelau angesichts der Preisentwicklung vorsorglich sagte, dass diese Summe „noch lange nicht in der Tasche“ sei. Der Überschuss könne auch wesentlich geringer ausfallen. In den letzten drei Jahren war das übrigens genau umgekehrt: Der Überschuss war sehr gering angesetzt und fiel schließlich um ein Vielfaches höher aus. Insofern bleibt die Frage, wie sich das Jahr 2009 im Rückblick darstellen wird, durchaus spannend.

Mit Spannung erwartet wird seit Längerem auch der Waldlehrpfad an den Bürgerseen. 2009 nun sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, sodass 2010 die Eröffnung anstehen könnte.

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