Lokale Wirtschaft

Künftig nur noch eine Bezirkskammer im Kreis Esslingen

Der traditionelle Jahresausklang der Nürtinger IHK am Dienstag in der Konferenzräumen der Volksbank war eine Abschiedsveranstaltung. Nach 58-jährigem Bestehen fusionierte die Nürtinger Kammer mit Wirkung vom 1. Januar zur gemeinsamen neuen Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen mit Sitz in Esslingen.

GÜNTER SCHMITT

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NÜRTINGEN Die in Nürtingen verbleibende Geschäftsstelle wird von Referatsleiter Helmut Zeeh geführt. Das Datum der Fusion in kein Zufall. Friedrich Kettner, zwölf Jahre Leiter der Nürtinger Kammer, ist bereits im Oktober mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand getreten. Günter Bosch seit sechs Jahen Präsident der Nürtinger Kammer, kandidierte nicht mehr und wurde am Dienstag mit der Verleihung der Ehrenpräsidentschaft ebenfalls ehrenvoll verabschiedet.

Die Frage nach dem Grund der Zusammenlegung beantwortete der scheidende Präsident. Es ist die Konsequenz aus der Grundthese, dass ein Kreis eine Kammer haben soll. Die neu gebildete Bezirkskammer wird für alle Mitgliedsfirmen im Kreis Esslingen zuständig sein. Politik, Wirtschaft und Verwaltung finden aber auch in Zukunft an beiden Standorten ihre Ansprechpartner.

Günter Bosch hatte eingangs begrüßt und, neben den Rednern, besonders Landrat Heinz Eininger willkommen geheißen, die Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold und Michael Hennrich sowie den Landtagsabgeordneten Dr. Ulrich Noll. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Referat von Professor Klaus Fischer, Rektor der Nürtinger Fachhochschule, über die Rolle von Fusionen. Er ging von der Frage aus, ob Fusionen die richtigen Problemlösungen sind. Nach seiner Überzeugung ist die Fusion nicht in allen Fällen die richtige Antwort. Zwar sei der ständige Wandel eine feste Größe, doch müsse ein Mehrheitsglaube noch keine allgemeingültige Strategie darstellen.

Einerseits sei in vielen Firmen nach wie vor ein Größenstreben festzustellen, andererseits werde von nicht wenigen Betrieben darauf verzichtet. Sie konzentrierten sich stattdessen auf das, was sie am besten können. In den meisten Fällen habe bisher eine Fusionierung nicht zu einer Wertsteigerung an der Börse geführt. Der Referent hielt nicht nur die Misserfolgswahrscheinlichkeit für vergleichsweise hoch, er nannte auch einige der Gründe dafür. So erstrecke sich die Integrationsphase meist über Jahre und lenke die Führungskräfte von ihrer eigentlichen Aufgabe ab. Selbst bei guten Abläufen gebe es meist mehr Ärger als Freude, und oft würden keine klaren Verhältnisse geschaffen.

Nicht anders stelle sich die Situation im Hochschulbereich dar. So sei vor einiger Zeit eine Fusion der Nürtinger Fachhochschule mit der Rottenburger Fachhochschule ins Gespräch gebracht worden. Professor Fischers Urteil: Es hätte kostenmäßig nichts gebracht. Derzeit würden die Hochschulen mehr Autonomie und weniger Mittel erhalten. Als Folge seien die Kontakte mit der Wirtschaft zu intensivieren. Eine engere Zusammenarbeit könne nur von Vorteil für beide Seiten sein. Professor Fischer dankte an dieser Stelle für die in all den Jahren gute Zusammenarbeit mit der Nürtinger Kammer. Sein Wunsch ist, dass dies auch weiterhin so bleiben möge.

Nach vielen Jahren als Vizepräsident amtierte Günter Bosch sechs Jahre als Präsident der Nürtinger Kammer. In seiner Laudatio nannte ihn Vizepräsident Horst Keller eine große Kämpfernatur, sowohl in der Kammer wie in der eigenen Firma, die er aus kleinen Anfängen zu einem Betrieb mit vier Standorten ausgebaut habe. Er dankte ihm für seinen Einsatz für die heimische Wirtschaft und lobte seine Ehefrau Helga dafür, dass sie ihrem Mann stets den Rücken frei gehalten habe. In ähnlichem Tenor gehalten war die Würdigung durch Präsident Dr. Günter Baumann von der Stuttgarter IHK-Zentrale. Er, Günter Bosch, habe sich stets als der politisch denkende Mensch erwiesen, der man in der Arbeit für die IHK sein müsse.

So sei ihm auch Dank zu sagen für seine Förderung des Zusammenschlusses der Nürtinger und der Esslinger Kammer. Dr. Baumann würdigte den Einsazt von Günter Bosch für die heimische Wirtschaft und nannte einige Vorgaben für die künftige Arbeit. So seien die Vorgänge im Land nach wie vor zu komplex und würden vielen Initiativen die Luft zum Atmen nehmen. Anerkennend äußerte sich der Präsident über die Leistungen von Friedrich Kettner, der in den 37 Jahren Arbeit für die Kammer viele Projekte aufgegriffen und realisiert habe. Auch als Jurist habe er vielen Firmen helfen und sie zum Erfolg führen können. Nicht zuletzt, scherzte der Präsident, habe Friedrich Kettner zehn Präsidenten und fünf Hauptgeschäftsführer hinter sich gebracht. Ebenso dankte der Sprecher Brigitte Kettner für ihre Bereitschaft, ihrem Mann stets den Weg frei zu halten.

Friedrich Kettner dankte für die anerkennenden Worte und sprach von einem vielfach spannenden, oft sogar schönen Arbeitsleben. Es sei ihm stets ein Anliegen gewesen, den großen und kleinen Firmen zu helfen, wo er konnte. Jetzt gelte es, nach vorne zu schauen. Die Nürtinger Kammer bringe in die Bezirkskammer Esslingen viel ein. Er werde die Entwicklung als stiller Beobachter mit Interesse verfolgen. "Ich wünsche kluges Handeln und weise Entscheidungen." Seine Frau Brigitte habe ihm in all den Jahren viel abgenommen. Ehe das Kirchheimer Saxofon-Quartett "Sasso Suono" zum gemütlichen Teil überleitete, nahm Ehrenpräsident Günter Bosch die Ehrungen verdienter Mitglieder der Bezirksversammlung vor.

Mit der Ehrennadel in Gold wurden ausgezeichnet: Martin Bertinchamp, Nürtingen; Rolf Kaiser, Nürtingen; Jürgen Renken, Kirchheim; Winfried Schreck, Nürtingen, und Dr. Rainer Weiß aus Lenningen. Anerkennung mit der Ehrennadel in Silber erfuhren Gerhard Bachthaler, Kirchheim; Ralf Gerber, Kirchheim, und Werner Löffler, ebenfalls Kirchheim. Mit einer Urkunde ausgezeichnet wurden Herbert Diez, Dettingen und Hans Ulrich Friedrich, Neuffen.