Lokale Kultur

Künstlerische Brücke in die Gegenwart

KIRCHHEIM Zu kurz gekommen ist er dieses Jahr wahrhaft nicht, der gute Eduard Mörike. Selbst Orte, an denen er sein "Blaues Band" nur für Momente flattern ließ, überboten sich geradezu, "ihren" Mörike zum 200. Geburtstag hochleben zu lassen.

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FLORIAN STEGMAIER Eine verdiente Wertschätzung für die einen, für manchen Kritiker aber auch viel Lärm um Nichts. Meinte doch unlängst der Tübinger Professor Dr. Jürgen Wertheimer, den Dichter gar als einen "Minimalisten der Begabung" entlarven zu können.

Wie dem auch sei, über mangelnde Publikumsresonanz konnten die Veranstalter im Festjahr wohl kaum klagen. Im Gegenteil das längst vom Ballast der Inhalte freigefeierte und zum verkaufsgerechten Markennamen avancierte Etikett "Mörike" besitzt erstaunliche Durchschlagskraft. Dass dem Dichter zum Jubiläum jedoch nicht ausschließlich plattes Marketing entgegenschlägt, sondern seiner Person, seinen Werken auch mit Respekt, Substanz und Nachhaltigkeit begegnet wird, stellt nicht zuletzt die Wanderausstellung "Zeitgenössische Kunst zu Eduard Mörike" unter Beweis, die derzeit in den Städtischen Galerien im Kirchheimer Kornhaus zu sehen ist.

Nach Gerlingen, Sindelfingen, Schwäbisch Hall und noch vor Aalen ist die Teckstadt die derzeit vorletzte Station dieses von der Publizistin Irene Ferchl initiierten Kunstprojekts. Nicht weniger als 30 Künstler darunter Monika Schaber, Hannelore Weitbrecht und Berthold Zagst aus Kirchheim sowie August Jankowski aus Ochsenwang haben sich an der Ausstellung beteiligt und dazu beigetragen, ein facettenreiches künstlerisches Panoptikum um und mit Eduard Mörike entstehen zu lassen.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker äußerte in ihrem eröffnenden Grußwort ihre Freude darüber, die Wanderausstellung auch in Kirchheim zeigen zu dürfen. Mörike werde in dieser Ausstellung "greifbar, vielleicht für den einen oder anderen auch begreifbarer in seiner vielschichtigen Persönlichkeit". Die hausinterne Vorbereitung zur Ausstellung wertete sie zudem als "wegweisendes Beispiel für die Kooperation aller im Museum Engagierter".

Auch in der musikalischen Umrahmung durch die Musikschule zeige sich die enge Verzahnung der Kulturschaffenden in Kirchheim. Junge Gesangstalente Daniela Kirschbauer, Benita Ross, Lydia Globokar, Adina und Manuel Schattel aus den Klassen von Gertrud Junker und Bertram Schattel brachten begleitend zu den Redebeiträgen Lieder von Robert Schumann, Johannes Brahms und Hugo Wolf, dem Mörike-Vertoner schlechthin, zu Gehör.

Projektleiterin Irene Ferchl erinnerte sich zu Beginn ihrer Eröffnungsrede an die allerersten gedanklichen Bausteine, als sie vor drei Jahren anfing, das "Blaue Band" zu konzipieren, und ließ es sich im folgenden nicht nehmen, ihren Hörern die Werke aller dreißig Künstler in präzisem Schnelldurchgang auseinanderzusetzen und somit Neugier auf die gezeigte Fülle zu wecken.

In ihrem Schlusswort wies Gabriele Huttenlocher, die für die Ausstellungsleitung verantwortlich war, auf den ausgesprochen erfolgreichen Verlauf der Veranstaltungsreihe "Blaues Band" hin, die mit der nun eröffneten Wanderausstellung im Kornhaus ihrem Ende entgegengeht. Indem das hier präsentierte Kunstprojekt darauf abzielt, das geschriebene Wort mit der Bildenden Kunst zu verbinden, gelänge es, eine Brücke aus der Zeit Mörikes in die Gegenwart zu schlagen.

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 31. Oktober, in den Städtischen Galerien im Kornhaus zu sehen. Im Rahmenprogramm zu der Wanderausstellung findet am Freitag, 1.Oktober, unter dem Titel "Der alte Turmhahn träumt von Orplid" eine Lesung mit Bernd Löffler statt. Am Sonntag, 24. Oktober, und am Freitag, 29. Oktober, bietet die Kunsthistorikerin Barbara Honecker eine Führung für Erwachsene an. Am Montag, 18. Oktober, steht dann auch noch eine Führung speziell für Kinder auf dem Programm.