Lokale Kultur

Künstlerische Reife

KIRCHHEIM Einen hervorragenden Auftakt erfuhr die traditionsreiche Reihe "Orgelmusik zur Marktzeit" in der Martinskirche mit dem Konzert des Barockensembles "Concerto Imperiale", das sich diesmal Violinsonaten von Telemann und Bach widmete. Bernhard Moosbauer, der

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FLORIAN STEGMAIER

als Barockviolinist dabei solistisch im Mittelpunkt stand und mit kurzen historischen Erläuterungen durch das Programm führte, wurde begleitet von Sabine Bruns (Barockvioloncello) und Andreas Scheufler (Cembalo).

Den Beginn machte Georg Philipp Telemanns Sonatine in G-Dur, deren erster Satz wie auch noch zahlreiche andere Stücke des Konzerts Bernhard Moosbauer willkommene Gelegenheit bot, seine profunde Kenntnis barocker Diminuitionskunst virtuos auszuschöpfen. Wie auch seine musikalischen Mitstreiter von "Concerto Imperiale" ist Bernhard Moosbauer der historischen Aufführungspraxis verpflichtet. Dabei entstehen jedoch keine allzu nüchtern auf historisches "Idealmaß" zurecht gestutzte Darbietungen, die jeder Subjektivität ermangeln. Vielmehr zeichnen sich Bernhard Moosbauers Interpretationen barocker Werke bei aller dahinter stehender wissenschaftlicher Gründlichkeit durch einen feinsinnig-emotionalen Ansatz aus, der im Verbund mit hoher klanglicher Transparenz und stupender Technik den Reichtum barocker Affekte stets geschmackvoll zu vermitteln weiß.

Sebastian Bach war unter anderem dafür bekannt, dass er sich für gewöhnlich recht wenig um das spieltechnische (Un-)Vermögen potenzieller Interpreten scherte. Vielmehr habe sich der Interpret dem künstlerischen Willen des Komponisten anzupassen eine in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ziemlich unpopuläre, jedoch wegweisende Einstellung. Gerade in der Zeit um 1720 Bach war damals Hofkapellmeister in Köthen und somit auf dem Höhepunkt seiner Karriere entstanden unzählige solistische und kammermusikalische Werke, die dem Interpreten hohes technisches Können abverlangen und zugleich die klanglichen instrumentalen Möglichkeiten neu zu definieren scheinen.

In diesem Zusammenhang ist auch die Sonate in e-Moll für Violine und basso continuo zu nennen. Bereits der von Moosbauer hoch expressiv vorgetragene Kopfsatz lässt in seinem großzügigen, fantastisch-präludierenden Duktus stellenweise mehr an Orgelmusik denken. Wie auch bei den anderen Violinsonaten Köthener Zeit besticht die e-Moll-Sonate mit ihrem Stimmungsgehalt, mit der Wärme und Ausgesponnenheit der Melodik, ihrem Klangzauber und ihrer formalen Gestaltung. Ein künstlerisches Hörerlebnis, insbesondere wenn ein solches Werk von erstklassigen Interpreten wie den Musikern von "Concerto Imperiale" dargeboten wird.

Fast unnötig zu erwähnen, dass auch das dritte und abschließende Werk des Konzerts, die Sonate in A für Violine und basso continuo aus der Telemannschen "Tafelmusik" dem Vorangegangenem in nichts nachstand. Ein würdiger Abschluss für ein Konzertprogramm, das künstlerische Reife und Virtuosität mit einer geradezu ansteckenden musikalischen Frische und Vitalität auf höchstem Niveau zu vereinen wusste.