Lokale Kultur

Kunst als Kraftquell

Zum Tode des Kirchheimer Zeichners und Malers Konrad Raum

Kirchheim. Konrad Raum ist tot. Am Donnerstag, 12. Juni, verstarb der in Bayreuth geborene Zeichner und

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WOLFGANG DICK

Maler, der seit 1945 in Kirchheim lebte, nach schwerer Krankheit im Alter von 90 Jahren.

Seine eigentliche Heimat war lebenslang die Landschaft, Wo immer er sie fand. Zeichnend trat er mit ihr in den Dialog, schürfte im intimen Zwiegespräch nach ihrer Poesie und Musikalität und bannte sie als spannungsvolle Choreografie der Linien aufs Papier.

Abertausende Zeichnungen und Lithografien in seinem Haus und seinem Atelier legen ein beredtes Zeugnis ab von seinem lebenslangen Ringen um persönlichen Ausdruck und um die Präzision in der grafischen Formulierung. Mit Stift, Feder und Pinsel schuf er bei jeder Begegnung mit seinem Motiv aufs Neue ein auf das Wesentliche reduziertes Extrakt – definiert in beschwingten Liniengeflechten, Farbflecken und pointiert gesetzten Schraffuren.

Mit bestechender Sicherheit brachte er die Landschaft zum Sprechen und fixierte die flüchtige Begegnung mit ihr in etwas Dauerhaftem. In Zeichnungen, Pastellen und Aquarellen, die ein einzigartiges Werk der romantischen Landschaftsauffassung darstellen.

Immer wieder stellte er sich den gleichen Motiven, um sie immer wieder neu zu entdecken und in ihnen eine faszinierende Ausdrucksvielfalt zum Sprechen zu bringen. Unzählige Waldwege, Küstenlandschaften, Städtebilder und Gebirgsformationen dokumentieren Konrad Raums unablässiges Ringen darum, das Wesen der Landschaft in einer ganz individuellen Sprache und in auf das Wesentliche reduzierten Chiffren zu fassen.

Konrad Raum studierte von 1934 bis 1938 an der Stuttgarter Kunstakademie und war Meisterschüler bei den Professoren Peter Jakob Schober und Herrmann Mayrhofer-Passau.

Seine Leidenschaft für die Landschaftszeichnung erfuhr vor allem durch die Begegnung mit der französischen Landschaft als Soldat ab 1940 entscheidende Prägungen. Immer wieder kehrte Konrad Raum nach Frankreich zurück und schuf dort gewichtige Zeichnungs-Konvolute, die in seinem Werk einen besonderen Stellenwert einnehmen.

1943 wurde Konrad Raum der Dürerpreis der Stadt Nürnberg verliehen. Ab 1946 ist er mit Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland zu sehen. In der Zeit nach dem Krieg erkundet er mit dem Motorrad Mittel- und Norddeutschland und wird mit seinen Städtezeichnungen zu einem sensiblen Chronisten des wirtschaftlichen Aufbruchs in den deutschen Städten, zu einem „modernen Merian“. Auch seiner Kirchheimer Wahlheimat hat Konrad Raum in zahllosen Blättern ein Denkmal gesetzt und mit seiner zeichnerischen Sprache, die in so vielen Häusern präsent ist, auch das bildnerische Denken der Menschen geprägt.

Ausgedehnte Arbeitsfahrten ins Wallis und nach Italien führen immer wieder zu weiteren ausgeprägten Werkkomplexen. Das Zeichnen als Leidenschaft war für Konrad Raum auch ein Quell der Kraft. Und mit bestechender Präzision und Entschiedenheit verfolgte er bis zuletzt – soweit die Kräfte es zuließen – die Strukturierung seines Werks und die Vorbereitungen für seine Ausstellung in der Städtischen Galerie im Kornhaus.

Sie wird interessierten Besuchern und Kunstliebhabern ab Sonntag, 3. August, nochmals eine beeindruckende Begegnung mit den Aquarellen und Zeichnungen von Konrad Raum ermöglichen – leider nicht mehr mit ihm selbst.