Lokale Kultur

Kunstwerke finden neue Standorte im öffentlichen Raum

KIRCHHEIM Zum Abschluss des diesjährigen unter das Motto "Verbindungen" gestellten Bildhauersymposiums nahm Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die

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FLORIAN STEGMAIER

vier im Laufe der letzten Woche entstandenen Skulpturen auf dem Schlossplatz als einjährige Leihgaben in Empfang. In den nächsten Tagen sollen die Kunstwerke ihren Standort an verschiedenen Plätzen im öffentlichen Raum finden.

Die Skulptur von Jean Häntsch der Korntaler Holzbildhauermeister nennt sie "Dicke Schraube" entstand aus einem auf den Kopf gestellten Erdstamm aus Birkenholz, der gebohrt und geschnitzt wurde und in seiner endgültigen Gestalt verbindende und auflösende, statische und dynamische Elemente vereint. Die Plastik verbleibt vorerst auf dem Schlossplatz, bis ein idealerer Ort gefunden ist.

Ebba Kaynaks Skulptur "Dazwischen-Verbindung" bündelt einen organisch anmutenden Rotationskörper zwischen zwei senkrechten Holzwänden. Die Schorndorfer Künstlerin erzeugt so den Eindruck einer Verdichtung dynamischer Energie und lädt den Betrachter mit der ans Figürlich angelehnten Form zu einer bewussten Begegnung mit der Plastik ein. Die Arbeit wird auf dem Widerholtplatz aufgestellt.

Anja Ritzmann aus Köngen wählte sich den Gaiserplatz als Entstehungs- und Standort ihrer Arbeit. Im Laufe des Symposiums baute die für ihre installativen Arbeiten bekannte Bildhauerin eine mit Naturfoto-Versatzstücken tapezierte, kioskartige, jedoch von außen unzugängliche Bude. Den Gaiserplatz bis zur Verlegung des Hauptbahnhofs ein grüner Fleck der "Südvorstadt", heute hochfrequentierter Verkehrsknotenpunkt der südlichen Peripherie Kirchheims, zudem während der warmen Jahreszeit fest in den Händen sozialer Randgruppen wählte Ritzmann ganz bewusst. Sie verweist dabei auf die alltäglich vonstatten gehenden Verbindungen innerhalb des von Passanten und Autofahrern geprägten sozialen Gefüges rund um den Platz, aber auch auf historische Verknüpfungen, letzteres indem sie ihre Bude um einen vorhandenen würfelförmigen Gedenkstein errichtete, der unter anderem auf einen frühchristlichen Kirchenbau an diesem Ort hinweist. Das unzugängliche Innere der Bude soll mit wechselnden, von außen nur mittelbar wahrzunehmenden Applikationen bespielt werden, zudem sind auch regelmäßige Tage der "Offenen Tür" geplant.

Die Lichtstele des Nürtinger Bildhauers Hans Zoller wird ihren Platz nun auf der Grünfläche bei der Stadtbücherei finden. Eine angenehm unprätentiöse, in ihrer Formgebung konsequente und reduzierte, daher zeitlos scheinende Skulptur. Arbeiteten seine Kollegen auf dem Schlossplatz geräuschvoll mit Motorsägen, ließ es Zoller vergleichsweise meditativ angehen. Bezugnehmend auf die für die Region historisch wichtige Tradition der Weberei und Textilverarbeitung zog er präparierte Kunststofffolie durch ein mehrere Meter hohes, filigranes Metallskelett und ließ so ein dichtes, dennoch immer wieder Durchblicke gewährendes Flechtwerk entstehen, dessen spezifischer Oberflächencharakter sich je nach vorhandener Lichtsituation unterschiedlich darstellt.

Begleitet wurde das Symposium von einer Kunstwerkstatt für Kinder auf der Marstallwiese, eine Initiative, deren Wichtigkeit beim künstlerischen Abschluss von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker klar herausgestellt und von ihr als "beste Sozialarbeit" bezeichnet wurde. Das Ergebnis der Arbeit aus der Kinder-Kunstwerkstatt, eine aus gestalteten Einzelteilen geschichtete Stele, soll ebenfalls öffentlich präsent sein, als Standort angedacht ist eine Grünfläche an der Kirchheimer Martinskirche.