Lokale Kultur

La Serenissima die Durchlauchtigste

KIRCHHEIM "La Serenissima" die Durchlauchtigste , so nannte sich einst voller Stolz die Republik Venedig. Unter diesem programmatischen Titel vereinte Bernhard Moosbauer auf Einladung des Kunst-

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FLORIAN STEGMAIER

vereins in seiner literarisch-musikalischen Soiree im Kornhaus virtuose Kompositionen von Vivaldi und Castello und volkstümliche Märchen und Geschichten aus dem reichen Fundus der Lagunenstadt.

Reminiszensen an die Sammlungen der Gebrüder Grimm wurden dabei immer wieder wach. So begegnete den Hörern etwa eine "Ur-Fassung" von Rotkäppchen, oder eine mit erfrischend respektlosem Witz angereicherte, letztlich ins Makabre verdrehte Version von "Hans im Glück". Die wohlhabenden Kaufleute wussten, was sie ihrem Schutzpatron San Marco zu verdanken hatten, und so taucht auch er in alten venezianischen Erzählungen gern als Wundertäter auf. So erhielt der Sage zufolge einst in einer stürmischen Nacht ein alter Fischer aus Grado einen seltsamen Auftrag. Ein Fremder bat ihn, über die Lagune zu fahren und auf San Giorgio und San Nicolo, heute als Lido bekannt, noch zwei weitere Passagiere aufzunehmen und dann, der ungünstigen Witterung ungeachtet, schnell nach Venedig weiterzufahren. Der Alte fürchtete sich sehr, doch er trat die Fahrt an. Das war ein Glück für die Stadt, denn seine Passagiere waren der heilige Markus, der heilige Georg und der heilige Nikolaus, die ein Schiff voller Höllenteufel davon abhalten wollten, nach Venedig zu gelangen.

Das schafften sie auch, indem sie den allmächtigen Gott anriefen und so war die Stadt gerettet. Der heilige Markus aber überreichte dem Fischer einen golden Ring, dass er ihn dem Dogen bringe, auf dass dieser den Schatz verwahre. Seit dieser Zeit wird alljährlich zum Himmelfahrtstag ein besonderes Fest gefeiert. Dann fährt der Doge mit seinem vergoldeten Prunkschiff, dem Bucintoro, aufs Meer hinaus. Im Andenken an das Geschenk des heiligen Markus, des Schutzpatrons der Stadt, wirft er dort einen schweren goldenen Ring ins Wasser. Es ist dies das Zeichen der Vermählung Venedigs mit dem Meer, das seine Schiffe trägt und dem es Reichtum und Wohlstand verdankt.

Zu diesen literarischen Impressionen venezianischer Volkskultur gesellten sich auch musikalische Einblicke in das reiche und virtuose Repertoire barocker Instrumentalmusik. Mit seinen Continuo-Mitstreitern Andreas Scheufler (Cembalo) und Sabine Bruns (Violoncello) brachte Barockviolinist Bernhard Moosbauer Kompositionen des "prete rosso", besser bekannt als Antonio Vivaldi, zu Gehör, sowie Werke des zu seiner Zeit nicht minder geschätzten Dario Castello, dessen zwölf im Jahr 1629 erschienenen "Sonate concertante" mit zur bedeutendsten Instrumentalmusik des frühen italienischen Barocks gehören.

Moosbauers Soiree erwies sich wieder einmal, nicht zuletzt des erfreulichen Publikumszuspruchs wegen, als gelungene Melange von Literatur und Musik inmitten eines von Bildender Kunst gesättigten Galerieraums, und dürfte somit als gute Tradition und feste Größe des Kirchheimer Kulturlebens gehandelt werden.