Lokale Kultur

Lachmuskeln kontrahierten

KIRCHHEIM Mit seinem Programm "nachts, einfälle und ausfälle mit Gesang" gastierte Fabian Schläper auf Einladung des Kulturkreises

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RENATE SCHATTEL

Ötlingen im dortigen evangelischen Gemeindehaus. Pianistisch, schauspielerisch und singend begleitet wurde er von Iris Kuhn. Und die beiden jungen Künstler brachten die Lachmuskeln des zahlreich erschienenen Publikums so sehr zum Zucken und Kontrahieren, dass nicht ausgemacht ist, ob wirklich jeder nach dieser kolossalen Anstrengung gut und tief hatte schlafen können. Aber Fabian Schläper hatte in seiner großartigen Performance jede Menge Tipps parat, wie es doch gelingen könnte, nach "Zähneputzen, Schlafanzug . . . das süße Hinwegdämmern", denn er war selbst durch leidvolle Erfahrungen mit durchwachten Nächten gezeichnet als ausgemergelter, zerrütteter Schlafloser natürlich nur in seiner Show, versteht sich.

Der Schauspieler Fabian Schläper brillierte ausgesprochen ausgeschlafen mit Raffinesse, Charme und unermüdlich den Kontakt zum Publikum herstellend wirksam sympathisch. Der Sänger Fabian Schläper zeigte einen schönen, weichen Tenor und bestach durch seine durchtragende Ausdruckskraft.

Der Texter Fabian Schläper, der dieses Jahr verdientermaßen Stipendiat des GEMA-Förderseminars Celle für Text Schaffende geworden ist, hatte ein Programm erarbeitet, das sich durch bildreiche, witzige und poetische Sprache auszeichnete. Wie alle großen Kabarettisten ist er in der Lage, die kleinsten Dinge zu überhöhen und so erzählte und sang er vom alltäglichen Wahnsinn des nicht einschlafen Könnens, der Konfrontation mit einem tropfenden Wasserhahn, der Liebe zur Constructa einer Geschirrspülmaschine, im Schlafzimmer installiert, und natürlich vom Mond. Seine Partnerin am Flügel, Iris Kuhn, spielte dabei nicht nur die Rolle der Tastenlöwin, sie kommentierte mit Mimik, Gestik und kleinen Gesangseinlagen Schläpers Agieren und so lief ganz nebenbei eine kleine Beziehungsgeschichte im Hintergrund.

Regie dieses anregenden Chanson-Abends führte Frank Stoeckle. Was wäre, wenn der Mond ein Loch wäre und damit der Eingang zu einer anderen Welt? Wie geht Mann mit einem nackten Wesen um, das plötzlich auf der Constructa im Schlafzimmer steht und sich als Merkur entpuppt? Und was passiert, wenn nachts um halb drei eine Fee an der Wohnungstüre klingelt? Jedenfalls passiert es nicht, dass man einschläft. Drum, so sagte sich Schläper, kann man nachts auch etwas spaß- und gleichzeitig gewinnbringendes tun er tut's jedenfalls für Geld na was wohl? Bügeln natürlich.

Fabian Schläpers Programm wirkte wie Koffein, Sekt und ein Aphrodisiakum, Iris Kuhns Tätigkeit schlug an wie Pfeffer und Rosenpaprika weiter so, das Ötlinger Publikum wartet jetzt nächtelang aufs nächste Programm.