Lokale Wirtschaft

Lackieranlage darf nicht mehr stinken

Die Anwohner, denen die Lackieranlage der Firma Behr Automotive in Wendlingen im wahrsten Sinne des Wortes gestunken hat, dürfen aufatmen: In einem Vertrag mit dem Landes-Umweltministerium erklärte sich die Firma am Dienstag bereit, die Grenzwerte einzuhalten. Der Petitionsausschuss des Landtags erklärte die Eingabe der Anwohner damit für erledigt.

KLAUS HARTER

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WENDLINGEN "Es war schon eine kleine Sternstunde heute", freute sich der Ausschussvorsitzende und Nürtinger Landtagsabgeordnete Jörg Döpper (CDU) über das Ergebnis. Er sei dem Umweltministerium "dankbar, dass es die Beschlüsse voll umgesetzt hat". An den Petitionsausschuss hatten sich die Anwohner gewandt, weil sie auf dem Behördenweg gescheitert waren, die Luftbelastung durch Lösemittel zu verringern. Zwar hatte das Landratsamt im März 2003 eine Abgasreinigung bis Juni 2004 angeordnet, das Regierungspräsidium gewährte der Firma auf ihren Einspruch hin aber eine Frist bis zum 1. November 2007, obwohl die Menge an Styrol, die aus der Anlage austrat, den gesetzlichen Grenzwert um das 25-fache überschritt. Styrol steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

In der Anhörung des Petitionsausschusses im Wendlinger Rathaus Ende Januar hatte der Anwalt der Firma einen dringenden Handlungsbedarf bestritten. Von der Lackieranlage gingen "keine schädlichen Umwelteinwirkungen" aus, behauptete er. Die Vertreter des Umweltministeriums stellten aber klar, dass Behr die Grenzwerte des Bundesimmisionsschutzgesetzes einhalten müsse, auch wenn keine unmittelbare Gesundheitsgefahr für Nachbarn der Anlage bestehe.

Die Geschäftsleitung hatte sich daraufhin in der Anhörung zu einer vertraglichen Regelung bereit erklärt. Zudem kündigte sie an, dass sie 2006 ein neues Lackierverfahren einführen wolle, das den Einsatz von Lösemitteln erheblich verringere. Dennoch habe das Unternehmen in den Verhandlungen mit dem Ministerium "hart gerungen", berichtete Döpper.

In dem Vertrag verpflichtet sich die Firma nun wie vom Ministerium gefordert , den Lösemitteleinsatz in diesem Jahr zu halbieren und ab 2006 die Grenzwerte dann einzuhalten. Falls sie das neue Lackierverfahren nicht einführen sollte, muss sie eine Reinigungsanlage installieren. Das Landratsamt soll die Einhaltung des Vertrages kontrollieren. Kommt Behr den Verpflichtungen nicht fristgemäß nach, darf die Behörde ein Zwangsgeld verhängen.

Döpper ist überzeugt, dass es nicht zu der Einigung gekommen wäre, "wenn wir nicht den Druck so aufgebaut hätten". Die Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer betonte: "Die Petenten haben für die Umwelt einen tollen Sieg errungen." Für die Anwohner erklärte Thomas Stegmaier: "Wir freuen uns natürlich." Aber die Anwohner fühlten sich nicht als Gewinner und betrachteten das Unternehmen auch nicht als Verlierer. Wenn es einen Verlierer gebe, dann allenfalls die Umwelt, weil die jahrelang mit Lösemitteln belastet worden sei. "Wir haben nichts gegen die Firma Behr", betonte er. "Wir hatten nur Angst um unsere Gesundheit." Es sei bloß schade, "dass es so lange gedauert hat".