Lokale Wirtschaft

Langzeitarbeitslosen eine Perspektive geben

Aufschwung erreicht Gruppe nicht – Sozialausschuss des Kreistags plädiert für Kreisarbeitsgemeinschaft

Obwohl sich die Arbeitslosenzahlen im Landkreis Esslingen 2011 positiv entwickelt haben, bilden die Langzeitarbeitslosen für den Chef des Jobcenters, Werner Schreiner, nach wie vor die Sorgenkinder. Dies ist aus seinem Bericht im Sozialausschuss des Kreistag deutlich geworden.

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richard umstadt

Kreis Esslingen. Im Durchschnitt 6 717 Männer und Frauen waren 2011 im Jobcenter Landkreis Esslingen arbeitslos registriert. Fast die Hälfte davon (45 Prozent) war von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Werner Schreiner, Leiter des Jobcenters, bedauerte, dass sein Ziel, die Zahl der Langzeitbezieher von Hartz-IV-Leistungen effizient zu verringern nicht gelang, da der Aufschwung diese Gruppe nicht erreichte. Es sei auch nicht gelungen, die Beschäftigungsmöglichkeiten der freien Träger zu nutzen.

Kreisdiakonie-Geschäftsführer Eberhard Haussmann verwies auf einen Brief der Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis und forderte mehr geeignete Möglichkeiten, Langzeitarbeitslose an den Arbeitsmarkt heranzuführen. „Wir brauchen einen zweiten oder dritten Arbeitsmarkt für diese Menschen.“ Auch bemängelte er die Kosten für die nach einer Gesetzesänderung geforderten Zertifizierung der Träger der Arbeitshilfen. Vor allem für kleinere Träger sei dies ein Problem.

Solveig Hummel, SPD, relativierte die Aussage von Landrat Heinz Eininger, der sich zuvor über das seiner Meinung nach zu geringe Volumen des Landesprogramms „Gute und sichere Arbeit“ von zehn Millionen Euro mokiert hatte: „Wenn im Bund die Gelder so heruntergefahren werden, kann das Land nicht alles auffangen“, so Hummel. Das Programm will landesweit vor allem Initiativen unterstützen, die Langzeitarbeitslose fördern. Das Jobcenter hat vor, sich daran zu beteiligen. „Wir werden uns nicht ausnehmen und versuchen, die Mittel nutzbar zu machen“, versicherte der Landrat. Deshalb ist an ein Modellprojekt gedacht. Eine Kreisarbeitsgemeinschaft, in dem unter anderem der Geschäftsführer des Jobcenters, der Sozialdezernent, die Leiterin des Sozialamts sowie Vertreter der Liga der freien Wohlfahrtspflege sitzen werden, soll den Kreistag zum Thema Förderung von Langzeitarbeitslosen beraten.

Eine solche Kreisarbeitsgemeinschaft wollte Margarete Schick-Häberle, Grüne, nicht vom Landesarbeitsprogramm abhängig machen. Die Zeit dränge, die Zahlen der Langzeitarbeitslosen seien trotz Aufschwungs nicht rückläufig. „Es sind Menschen mit gesundheitlichen und sozialen Einschränkungen, die mehr brauchen als die Vermittlung in Arbeit“. Es gehe um eine Teilhabe am Leben.

Rainer Stephan, FDP, empfand zwar auch das Thema Langzeitarbeitslose als Wermutstropfen im ansonsten positiven Jobcenter-Bericht. Er verwies jedoch darauf, dass auch die Zahl der Langzeitbezieher um rund vier Prozent gesunken sei. Wie seine Vorredner begrüßte auch er die Idee einer Kreisarbeitsgemeinschaft, wollte aber zunächst abwarten, „was das Landesarbeitsprogramm bringt“.

Kreis-Sozialdezernent Dieter Krug äußerte sich ähnlich wie Stephan, „wenn das Landesprogramm für uns etwas bringt, nehmen wir‘s mit. Wir müssen die Kreisarbeitsgemeinschaft aber ins Leben rufen“, war er von deren Sinn überzeugt.

Die Frage nach Konsequenzen der Schlecker-Insolvenz für den Landkreis konnte Werner Schreiner nicht beantworten. „Beschäftigte, die durch die Insolvenz arbeitslos werden, melden sich zunächst einmal bei den Arbeitsagenturen im Kreis, bevor sie es vielleicht irgendwann mit dem Jobcenter zu tun haben.“