Lokale Kultur

Lebendiger und spannender Ort auch für Kinder

WENDLINGEN Noch eineinhalb Monate bis zur Eröffnung: Schreiner bauen nach den Plänen des Grafikers Christian Jakobi und von Michaela Häffner die Vitrinen und Schaukästen in den Räumen des ehemaligen katholischen Pfarrhauses im Stadtteil Unterboihingen ein. Dort in der Kirchstraße ist das künftige Stadtmuseum beheimatet. Auf drei Stockwerken mit zirka 240 Quadratmetern Fläche wird die Stadtgeschichte zu sehen sein.

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"Beim Erstellen einer Museumskonzeption muss man sich immer zuerst fragen, welche Erwartungen die zukünftigen Besucher an das Museum knüpfen", erläutert Michaela Häffner. Für Wendlingen bedeutet dies, dass alle drei Stadtteile Wendlingen, Unterboihingen und Bodelshofen dargestellt werden. "In einem zweiten Schritt überlegt man sich, welche Themen auch heute noch von Interesse sind." Dazu gehören beispielsweise Verkehrswege wie Flüsse und Straßen, aber auch die unterschiedlichen Konfessionen oder wie die Bevölkerung zusammengesetzt ist Einheimische und Zugezogene.



Das Wendlinger Stadtmuseum wird thematisch aufgebaut sein, anhand von einzelnen Themen-Schwerpunkten wird die Stadtgeschichte dargestellt. Dabei hangelt sich die Museumskonzeption an ganz spannenden Fragen entlang. "Zum Beispiel: ,Wie haben sich die drei Stadtteile seit dem Mittelalter entwickelt? Was hat den Wandel über die Jahrhunderte bewirkt und wie sind die Menschen mit diesem Wandel umgegangen?'" , so Michaela Häffner. Und anhand einzelner inhaltlicher Themen wie der Rechtsprechung, der Abschaffung des Zehnten, den Weltkriegen oder dem Bau von Eisenbahn und Autobahn soll dies für den Museumsbesucher verständlich gemacht werden.



Mit ausgewählten Exponaten wird jedes Thema dargestellt. "Versteht der Besucher das Ausgestellte? Wie verhält sich die Aussage zur benachbarten Ausstellungseinheit?", verdeutlicht Häffner die Fragen, die im Hintergrund einer Konzeption stehen.



Die jetzige Umsetzung der Inhalte in den einzelnen Räumen folgt wieder einem bestimmten Konzept, das sich auf die Bedürfnisse der Besucher einstellt.



"In Museen arbeitet man nach einem bestimmten Ausstellungsrhythmus", erklärt Häffner. Soll heißen: Größere Texttafeln wechseln sich mit textarmen Exponaten, Großpodeste mit kleinen Vitrinen oder Grafiktafeln ab. Nach diesem Prinzip ist jeder Raum im Stadtmuseum aufgebaut. Deshalb ist es auch erforderlich, dass die Inneneinrichtung auf das Museum zugeschnitten ist. Vorgefertigte Virtinen von der Stange haben danach keinen Platz. Es muss andersherum laufen: Die Vitrinenbauten und Schaukästen müssen an die inhaltliche Konzeption und räumliche Situation der Ausstellung angepasst werden.



Das künftige Stadtmuseum ist in einem historischen Haus untergebracht. "Dieses Gebäude wirkt für sich schon allein sehr stark", sagt Michaela Häffner. Die Installationen des Museums sind deshalb in einem respektierenden Verhältnis zum Haus gemacht worden. "Beide sollen sich nicht gegenseitig den Rang ablaufen", sagt Häffner über die Gestaltung der Vitrinen und Schaukästen. Die Vitrinen stehen auf geschwungenen Podesten, die sich harmonisch in jedem Raum einfügen. Aber auch das Haus soll in die Ausstellung miteinbezogen werden, indem zum Beispiel immer wieder der Ausblick in den Garten möglich ist.



Ob einem Besucher das Museum gefällt, entscheidet sich mit dem Eintritt in den Hort der geschichtsträchtigen Stücke. Im Eingangsbereich hält sich nach den Erfahrungen von Michaela Häffner der Besucher lange auf. "Deshalb ist es wichtig, hier die richtigen Signale zu setzen", sagt die Museumsfachfrau. Insbesondere auch für Familien und Kinder, die im Museumswesen bislang eher zu kurz gekommen sind. "Im Stadtmuseum soll das anders sein", so Häffner, "denn besonders Familien gehen gerne ins Museum." Bei der Museumsgestaltung im Stadtmuseum Wendlingen wurde dieser Anspruch deshalb mit berücksichtigt. Auch für Kinder soll es Angebote geben. "Die kleinen Gäste werden sofort merken, dass sie willkommen sind", sagt Michaela Häffner.



So haben Kinder immer das Problem, dass sie die Exponate in den Vitrinen nicht sehen können. Deshalb ist in jedem Raum ein Schemel für sie bereit, mit dem sie hochsteigen können. Auch werden Exponate wie zwei schöne Dioramen mit dem Bahnhof um 1900 und mit einem Jahrmarkt in Wendlingen (ebenfalls um die Jahrhundertwende) extra niedrig präsentiert. "Das Museum soll lebendig sein, es soll ein Ort der Begegnung und des Erlebnisses werden", so Michaela Häffner.



Mit der Eröffnung des Stadtmuseums am 18./19. September kommt das Projekt nach vier Jahren Vorbereitungszeit und Sanierung zu seinem vorläufigen Ende. In einem nächsten Bauabschnitt soll das Museum später weiter ausgebaut werden. Das wird allerdings von den finanziellen Mitteln der Stadt abhängig sein.