Lokale Wirtschaft

Lebensmittelhändler Ehninger gibt auf

Dettinger Unternehmen stellt den Betrieb zum Jahresende ein – 50 Mitarbeiter verlieren ihren Job

Die Machtkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel schreitet voran und macht den wenigen verbliebenen selbstständigen Einzelhändlern und deren Zulieferern das Leben immer schwerer. Mit dem Dettinger Unternehmen Ehninger wirft jetzt einer der letzten mittelständischen Lebensmittelgroßhändler in Baden-Württemberg das Handtuch.

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Frank Hoffmann

Dettingen. „In den vergangenen Jahren sind immer mehr unserer Kunden verschwunden“, sagt Ulrich Ehninger, Hauptgesellschafter des Familienunternehmens resigniert. Zwar habe man durch Umstrukturierungen, verstärkten EDV-Einsatz und Personalabbau die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich senken können, „doch die rasch steigenden Energiepreise und die erheblich höheren Zinsen aufgrund der Finanzmarktkrise haben einen wesentlichen Teil der Kostenreduktion wieder aufgefressen.“ Vor diesem Hintergrund sei in den vergangenen Wochen der Entschluss gereift, den Betrieb einzustellen, „bevor auch noch die letzten Reserven des Unternehmens aufgebraucht sind.“

Vor einigen Tagen wurden die 50 Mitarbeiter im Rahmen einer Betriebsversammlung informiert, und zum Jahresende wird der Zustellgroßhandel eingestellt. Auch der SB-Markt für Großverbraucher und Wiederverkäufer in der Kirchheimer Straße 176 in Dettingen ist von der Schließung betroffen. Dort beginnt im Januar der Totalräumungsverkauf. Die ebenfalls zum Familienunternehmen gehörende Tankstelle wird ab 1. Mai nur noch als Automatentankstelle weitergeführt.

Natürlich sei diese Entscheidung ein „rabenschwarzer Tag für das 1905 in Kirchheim gegründete Familienunternehmen“, sagt Ehninger, „vor allem schmerzt es mich für die vielen langjährigen und überaus engagierten 50 Mitarbeiter, die jetzt ihren Job verlieren.“ Eine Weiterführung des Unternehmens hätte aber zwangsläufig früher oder später in die Insolvenz geführt, ist sich Ulrich Ehninger sicher. „So können wir in jedem Fall unsere finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Beschäftigten, den Geschäftspartnern und den Banken bis zum Schluss erfüllen.“

Robert Ehninger hatte 1905 in einem altem Patrizierhaus in der Kirchheimer Marktstraße 48 den Grundstein für das Unternehmen gelegt. Nach dem 2. Weltkrieg kam zu der Kolonialwarenhandlung der Zustellservice und mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegsjahre expandierte auch die Firma Ehninger. Bald schon waren die Lager- und Verwaltungsräume in Kirchheim zu eng, und 1963 folgte deshalb der Umzug in den Neubau in der Kirchheimer Straße in Dettingen. Neben dem Lager entstand der SB-Großmarkt mit rund 1 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und eine Tankstelle. In den Folgejahren konnten die Verkaufs- und Lagerflächen aufgrund der erfolgreichen Entwicklung des Unternehmens mehrmals erweitert werden, zudem wurde 1970 die Lebensmittelgroßhandlung Nagel in Nürtingen übernommen und 1973 im neuen Plochinger Neckarhafen eine Lagerhalle und eine Großtankstelle erstellt. Der Standort Nürtingen wurde Ende der 80er-Jahre, Plochingen Mitte der 90er-Jahre wieder aufgegeben.

Hauptkunden der Firma Ehninger waren und sind selbstständige Lebensmitteleinzelhändler. Zudem wurden Gaststätten, Bäckereien und Metzgereien beliefert. „Ursprünglich waren wir in einem Radius von rund 25 Kilometern rund um Dettingen unterwegs, heute fahren wir bis Singen oder Karlsruhe“, beschreibt Ulrich Ehninger das Dilemma. Immer mehr kleine Läden gaben auf, und das Einsatzgebiet der Firma Ehninger wurde immer größer. Mittlerweile sind 90 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels in der Hand von nur fünf Konzernen. „Für die selbstständigen Lebensmitteleinzelhändler und den regionalen Zustellgroßhandel hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Lage dramatisch verschlechtert“, sagt Ehninger.

Natürlich bekommen die großen Konzerne aufgrund ihrer Absatzmengen bei den Produzenten günstigere Preise, so Ehninger. „Um konkurrieren zu können, mussten wir die Preise anpassen und geringere Gewinnspannen akzeptieren.“ Im Rahmen einer Umstrukturierung wurde das Personal in den vergangenen beiden Jahren um 20 Mitarbeiter reduziert, mehr EDV eingesetzt und unrentable Kunden aussortiert. Damit sei es zwar gelungen, die Kosten bei gleichbleibendem Umsatz zu senken, doch die gestiegenen Energiekosten und höhere Zinsen drückten den Familienbetrieb wieder in die roten Zahlen. „Nachdem auch alle Versuche, einen Käufer zu finden, der den Betrieb samt Mitarbeiter übernimmt, scheiterten, blieb uns nur die Stilllegung des Geschäfts.“