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Lehre ist vielen zu popelig

In den Landkreisen Esslingen und Göppingen gibt es immer mehr unbesetzte Ausbildungsstellen – das war bei der gestrigen Pressekonferenz eine zentrale Aussage. Diese Entwicklung hat mehrere Gründe: Generell sinkt die Zahl der jungen Menschen; folglich nimmt auch die Zahl der Schulabgänger ab. Außerdem gibt es leider einige Jugendliche, die noch nicht über die nötige Ausbildungsreife verfügen und die deshalb von den Arbeitgebern abgelehnt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist aber: Immer mehr Jugendliche wollen Abitur machen und anschließend eine Hochschule besuchen. Eine Ausbildung ist vielen schlichtweg zu popelig.

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Der seit längerem um sich greifende Akademisierungswahn ist bedenklich. Er wertet die Lehre ab, für die dringend mehr geworben werden sollte – auch an den Gymnasien. Die jungen Leute bekommen von der Gesellschaft eingetrichtert, dass nur ein Studium für eine rosige Zukunft sorgt. Dass es aber auf der anderen Seite zahlreiche Studienabbrecher gibt, die den Anforderungen (noch) nicht gewachsen sind, fällt unter den Tisch.

Ein junger Mensch, der womöglich jahrelang studiert hat, aber letztlich keinen Abschluss vorweisen kann, ist sicherlich nicht zufrieden mit dieser Entwicklung. Wäre es da nicht besser gewesen, er hätte eine solide Ausbildung absolviert, sich dort profiliert und schließlich in seinem Beruf hochgearbeitet? Oder vielleicht erst nach der Ausbildung studiert, wenn er über mehr Qualifikation und Erfahrung verfügt?

Erfolgreiche Menschen sind glücklich und motiviert. Und solche Menschen benötigt die Wirtschaft, die aufgrund des Fachkräftemangels sowieso vor einem großen Problem steht.

Mit Blick auf die Zahlen des nun abgelaufenen Ausbildungsjahrs ergibt sich aber auch Erfreuliches: Im Kreis Esslingen legt sich der Trend in Richtung weiterführende Schule und Studium zumindest etwas. Das lässt hoffen. Die berufliche Ausbildung sollte wieder mehr in den Fokus rücken.HEIKE ALLMENDINGER