Lokale Kultur

"Lichtfang" als Ausdruck der Sehnsucht

KIRCHHEIM Die Ausstellungen zum Jahresende im Atelier der Steinbildhauer Monika Majer und Jochen Herzog können bereits auf eine gute

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FLORIAN STEGMAIER

Tradition zurückblicken. Das Konzept ist dabei einfach und wirkungsvoll. Unter einem programmatischen, mehr oder minder auf den jahreszeitlichen Kontext Bezug nehmenden Titel werden Künstler aus anderen Genres eingeladen, gemeinsam mit den Hausherren auszustellen.

Wurde vor einem Jahr auf geschmackvolle und unverkitschte Art die Welt der Engel in Stein und Papier erforscht, gesellen sich dieses Jahr in den neuen Räumlichkeiten am Waldfriedhof, passend zum Ausstellungstitel "Licht", die Werke zweier Fotokünstlerinnen zu den Skulpturen.

Die Lichtbildnerinnen Judith Schenten und Heike Schiller präsentieren ihre Arbeiten auf Leuchtkästen im identischen Format. Die Fotos sind somit vom Licht durchwirkt und strahlen auf den Betrachter ein. Angesichts der Bildinhalte Judith Schenten beschäftigt sich mit Naturlichtsituationen, während Heike Schiller das Kunstlicht ins Bild rückt eine konsequente Art der Präsentation.

Zwei Aspekte von Licht, die sich im modernen Alltag permanent durchdringen und deren Qualitäten und Nuancenreichtum vor Augen geführt wird. Die Naturbilder reichen in ihren Stimmungsgehalt von opulenter, den Kitsch streifender Schönheit, bis hin zur gepflegten, fast schon monochromen Tristesse eines Robert Häusser. In Ergänzung dazu thematisieren die Kunstlichtbilder die menschengemachte Illumination öffentlicher Plätze mit ihren Symmetrien und reichen grafischen Potenzialen.

Lebt einerseits die Fotografie ihrem Wesen nach ganz aus dem Licht, ist es andererseits keine kleine Herausforderung für die material- und erdverhaftete Steinbildhauerei sich einem solch transzendenten Thema zu stellen. Umso reizvoller ist es zu sehen, wie es Monika Majer und Jochen Herzog gelang, die Licht-Thematik in ihrem Medium umzusetzen. Da leuchtet dem Betrachter etwa im Innenraum einer Skulptur ein "Schein" entgegen, ein "Lichtfang" wird als Ausdruck der Sehnsucht unternommen, die Polarität von "Himmel und Erde" wird thematisiert und der lichtumspielte, aus Diabas gefertigte "Tropfstein" scheint gar ins Organisch-Belebte wuchern zu wollen.

Zum Auftakt der Ausstellung kamen die zahlreichen Kunstliebhaber noch in den Genuss eines gut einstündigen Konzerts mit Eberhard Hahn (Saxofon und Flöte) und Peter Schönfeld (Kontrabass). Die beiden Musiker loteten faszinierende Klangräume aus, erzeugten Spannungen zwischen kontemplativer Ruhe und expressivem Aufschrei. Wer etwa die Crossover-Ausflüge eines Jan Garbarek kennt und schätzt, dürfte hier voll auf seine Kosten gekommen sein.

Die Ausstellung "Licht" im Atelier Majer und Herzog am Waldfriedhof ist noch bis zum 23. Dezember zu sehen.